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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Kleinere Mitteilungen. 
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Langenaes. einige Tage im Mai blockiert war. Im allgemeinen lag das Eis 30 
bis 50 Sm entfernt von der Nordküste, gelangte jedoch auch. bis Vopnafjord ar 
der‘ Ostküste — erst von Mitte Juni an blieb Island eisfrei. 7 
Davis-Straße und Baffin-Bai.. In der Davis-Straße erschienen im 
Winter außergewöhnlich große Mengen Packeis, und bis zum Mai war das Eis 
nahe der Westküste. Der Winter war ziemlich kalt, und die Fjorde waren im 
Februar und März meist gefroren. Im Mai’ und Juni waren ungewöhnlich 
große Eismengen bei Cap Farewell, die bis 57° N-Br. südlich reichten, während 
an der Küste weiter nördlich die Verhältnisse normal waren, Im September 
war das Meer meist eisfrei. 
Bei Baffin-Land waren die Eisverhältnisse sehr ungünstig, und selbst im 
August war es nicht möglich, längs der Küste weiter nördlich als 69° N-Br. zu 
kommen, auch in Melville-Bai war in diesem Monat noch viel Eis, ; 
Nordatlantischer Ozean, Günstige Eisverhältnisse bei der Neu Fund- 
land-Bank. Vergleicht man die Zahl der im Mai eingegangenen Eis-Berichte der 
drei letzten Jahre miteinander, so ergibt sich: Mai 1912 1100 Berichte, Mai 1913 
500 Berichte, Mai 1914 nur 125 Berichte. Das Eis trieb nicht weiter südlich 
als 42° N-Br., sowohl die Menge der Eisberge wie auch des Feldeises war unbe- 
trächtlich. In der Belle Isle-Straße und vor derselben waren große Eismengen 
bis September. . 
Bering-Straße und Beaufort-See. Jegliche Nachrichten über die Eis- 
verhältnisse fehlen, nur von Bristol-Bai im Bering-Meer wird berichtet, daß die 
Bai im Mar eisfrei war. ; . 
Bemerkung. Während aus den arktischen Gebieten durch die Zentral- 
stelle. in Kopenhagen alljährlich ‚eine große Anzahl von Nachrichten über das 
Eisvorkommen in den verschiedenen Meeresgebieten gesammelt und veröffentlicht 
wird, so mehr und mehr unsere Kenntnis über die vorkommenden Schwankungen 
in den Eisverhältnissen der nordpolaren Gebiete bereichernd, sind wir in bezug 
auf die südpolaren Gebiete heute noch nicht weiter als vor Jahrzehnten. Wohl 
berichtet jede der wissenschaftlichen Expeditionen, die die Antarktis aufsucht, 
über die angetroffenen Eisverhältnisse, auch werden die in den deutschen Schiffs- 
tagebüchern enthaltenen Meldungen von“Zeit zu Zeit veröffentlicht, trotzdem 
könnte mehr erreicht werden. Ich möchte’ an dieser Stelle darauf aufmerksam 
machen, daß im Südatlantischen Ozean Süd-Georgien und die Süd-Orkney-Inseln, 
welche seit Jahren ständig bewohnt sind, und von deren Küsten aus Walfang 
und Robbenschlägerei betrieben wird, als Eisbeobachtungsstationen nutzbar ge- 
macht werden könnten. Folgendes wäre. anzustreben: . 
1. Jährliche Berichte über ‚die Eisverhältnisse an den Küsten der Inseln 
selbst. Wie wechselvoll diese sind, habe ich bei dem Besuch von Süd-Georgien 
mit der deutschen antarktischen Expedition erfahren — im November, Dezember 
1911 kein Eisberg in der Umgebung der Insel, im Dezember 1912 die Insel 
mitten in einer enormen Eisbergtrift und Hunderte von Eisbergen in den Fjorden 
und an der Küste gestrandet, 
2. Jährliche Berichte über das Eisvorkommen in der weiteren Umgebung 
der Inseln. So sind z. B. von Zeit zu Zeit Fahrten von Süd-Georgien nach den 
Süd-Sandwich-Inseln und. auch südwärts unternommen worden, über die keinerlei 
Berichte veröffentlicht vorliegen, auch wird von manchem der Walfänger Eis 
in der Nähe der Küsten gesichtet, was von der Insel selbst aus nicht wahr- 
zunehmen ist. 
3. Jährliche Berichte der Transportdampfer, die die Fangergebnisse von 
Süd-Georgien und den Süd-Orkney-Inseln nach Südamerika oder nach Europa 
bringen, über das Antreffen von Eisbergtriften. 
Eine regelmäßige Sammlung und Veröffentlichung obengenannter Be- 
obachtungen würde im Zusammenhang mit den Schiffsbeobachtungen auf den 
Routen rund Cap Hoorn und rund Kap der Guten Hoffnung unsere Kenntnis 
namentlich über extreme Eisjahre in der Antarktis erweitern und festeren Boden 
schaffen für unsere Anschauungen über die Periodizität der Schwankungen und 
ihren Zusammenhang mit meteorologischen und ozeanographischen Faktoren. 
Dr. W. Brennecke.
	        
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