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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

232 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1915. 
Auslese bildet), so daß jedem Bearbeiter hierdurch mühelos ein Einblick in das 
Material ermöglicht ist. 
Die Ergebnisse der Arbeit von Speerschneider stehen somit in Gegen- 
satz zu der von Pettersson gewonnenen Erkenntnis, daß die Eisverhältnisse der 
Ostsee im 13. bis 15. Jahrhundert ein deutlich ausgeprägtes Maximum aufweisen, 
das durch Verringerung der Dicke der salzarmen Deckschicht infolge verstärkter 
ozeanischer Einflüsse hauptsächlich ermöglicht sein soll. Ich glaube nicht, daß 
Petterssons Ansicht nach der Veröffentlichung des umfangreichen Materials von 
Speerschneider aufrecht zu erhalten ist. Gegen Speerschneiders Argumen- 
tation über die Gleichheit der Eisverhältnisse früher und jetzt lassen sich, soweit 
ich sehe, keine stichhaltigen Gründe anführen, während bei Annahme einer 
geringeren Stärke der salzarmen Deckschicht der Ostsee eine bedeutend stärker 
ausgeprägte Vereisung der Meeresoberfläche anzunehmen sein würde, die in den 
Berichten der früheren Jahrhunderte auch eindeutig hervortreten müßte. 
(Eingegangen am 11. März 1915.) Dr. W. Brennecke. 
2, Die Eisverhältnisse der nordpolaren Meere im Jahr 1914. (Nach 
Danske meteorologiske Instituts nautisk-meteorologisk Aarbog 1914.) 
Für das Jahr 1914 sind recht zahlreiche Meldungen über das Eis in den 
nordpolaren Gebieten bei der Sammelstelle, dem Dänischen meteorologischen In- 
stitut, eingegangen, die mit gewohnter Pünktlichkeit veröffentlicht werden. Die 
Nachrichten über die Barents-See und die Gewässer bei Spitzbergen stammen 
hauptsächlich von norwegischen Seglern, während die Meldungen aus grön- 
Jändischen Gebieten vornehmlich von den dänischen Grönland-Schiffen erstattet 
wurden. Fast gar keine Nachrichten liegen über die Eisverhältnisse der Bering- 
und Beaufort-See vor. 
Das Dänische meteorologische Institut ist jederzeit bereit, Kapitänen Aus- 
kunft über die Eisverhältnisse der arktischen Meere zu geben, anderseits bittet 
das Institut um Übermittelung aller Beobachtungen über angetroffenes Eis. Nach 
dem diesjährigen Bericht gestalteten sich die Eisverhältnisse im Jahre 1914 
folgendermaßen: 
Kara-See. Günstige Eisverhältnisse, Sowohl im August wie auch im 
September war das Meer teilweise eisfrei, so daß die Schiffahrt von der Kara- 
Straße zur Jenissei-Mündung möglich war. 
Barents-See. Günstige Eisverhältnisse im Sommer, die Eisgrenze lag 
nördlicher als in normalen Jahren. Besonders lehrreich ist der Vergleich mit 
dem vorhergehenden Jahr 1913, in dem die Eisgrenze im April nur 100 Sm ent- 
fernt von Vardö lag, im Gegensatz dazu lag im April 1914 das Eis 250 Sm 
nördlicher; auch bestand 1914 das Eis nicht aus schwerem Polar-Eis, sondern 
aus Winter-Eis von geringem Umfang, Franz-Josephs-Land wurde im September 
1913 durch die Ssedow-Expedition, im August 1914 durch den Dampfer >»Hertha« 
erreicht. Das Weiße Meer war im Mai schiffbar, Archangel am 30, Mai er- 
reichbar. 
Spitzbergen. Günstige Eisverhältnisse. Von Anfang Juli an war mit 
geringen Ausnahmen die Westküste offen, die Hinlopen-Straße ist durchfahren 
und die Riips-Bucht an der Nordküste von Nordost-Land «erreicht worden, nur 
an der Ostseite der Inseln war ein Vorwärtskommen nicht möglich, Die 
Nordküste westlich der Hinlopen-Straße war ungewöhnlich eisfrei, die Eisgrenze 
lag hier in 80!/,° N-Br. Die letzte Umschiffung der Inseln hat 1908 statt- 
gefunden. 
Ostgrönland. Günstige Eisverhältnisse, Die Eisgrenze lag im nördlichen 
Teil der Grönland-See sehr weit westlich, der Eisgürtel bei Angmagsalik war 
außergewöhnlich schmal. Schon im Juli war das Eis so zerbrochen, daß an 
einzelnen Tagen die Schiffe hätten die Küste erreichen können. Die Station in 
Angmagsalik wurde im September besucht und der Eisgürtel ohne Schwierigkeit 
durchfahren. 
Island. Etwas ungünstige Eisverhältnisse. Das Eis lag zeitweise direkt 
unter der Küste, so daß Cap Nord einen großen Teil des Monats März und
	        
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