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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915.
thermie vorhanden. Dabei reicht die Wärmeabnahme nicht bis zum Boden,
sondern nur etwa bis zur Unterkante der eben erwähnten salzreichen Unter-
schicht und noch etwas darüber hinunter: ein zweites Minimum tritt uns
daher meistens in 1000—1500 m Tiefe entgegen. Auf Stat. 118 beträgt es 12.90°
in 1000 m; es stellt stets das Hauptminimum dar. Das Minimum in 100 bis
200 m Tiefe ist das sekundäre. Werden nun 1500 m üüberschreitende Tiefen
gefunden, so kommt es meist zur Ausbildung noch eines zweiten Maximums;
auf Stat. 118 haben wir es mit 13.07° in 2500 m. Dies zweite, dem Bodenwasser
eigene und oft nur nach Hundertsteln °C zu beziffernde Maximum möge das
adiabatische heißen, da es eine lediglich aus den vertikalen Bewegungen der
Bodenwasserschicht folgende dynamische Erwärmung einer homogenen (homo-
halinen) Wassermasse bedeutet. Die Beobachtung der rein physikalisch bedingten
adiabatischen Temperatursteigerung beim Absinken in die tiefsten Partien der
einzelnen Becken muß als eine der schönsten und wichtigsten Ergebnisse der
überaus genauen »Thor«-Messungen hervorgehoben werden. Da aber über diesen
adiabatischen Effekt und seine weitreichenden Folgen für die Lagerung der ein-
zelnen Wasserschichten usw, vor kurzem je eine besondere Abhandlung von
Ekman!) und Schott) in dieser Zeitschrift veröffentlicht wurde, so erübrigt
sich hier eine besondere Besprechung. Wie aus der Natur der Erscheinung
folgt, hat das adiabatische Temperaturmaximum seine Lage in der jeweils größten
Tiefe, d. h. am Meeresboden.
Mustern wir die in der Tabelle II auf S. 13 vereinten Temperaturreihen
in senkrechter Richtung durch, so erkennen wir, daß von rund 100 m Tiefe
abwärts — von wo ab die zwei Minima und die zwei Maxima sich finden — die
absoluten Werte der Wassertemperatur doch um kaum mehr als + 0.5°
innerhalb der einzelnen Reihe schwanken, und wir verstehen jetzt, daß in den
ersten Jahrzehnten der Meeresforschung, als die Instrumente noch nicht genau
waren, sehr wohl die Lehre von einer mehrere 1000 m mächtigen homothermen
Schicht aufkommen konnte. Die Geringfügigkeit des heute erkannten Auf- und
Absteigens der Temperatur in den verschiedenen Schichten nimmt ihm natürlich
nichts von seiner ozeanographischen Bedeutung.
B. Regionale Unterschiede,
Von dem an der Hand der Stat. 118 des »Thor« geschilderten Schema
oder Typ der senkrechten Wärmeverteilung weichen nun begreiflicherweise die
einzelnen Mittelmeergebiete mehr oder weniger ab. Die Tabelle S. 13 vereinigt
Beispiele aus allen wichtigeren Becken, einschließlich des Schwarzen Meeres.
Wir gehen jeweils von unten nach oben. Dann ist das zweite oder adiabatische
Wärmemaximum, nach diesen Beispielen zu schließen*®), überall am Boden im
Mittelmeer da zu erwarten, wo nicht starke horizontale Wasserbewegungen
seine Ausbildung verhindern; letzteres trifft aber offenbar für »Thor«-Stat. 182
vor dem Doro-Kanal an der Südspitze Euboeas zu, wo außerdem die Gesamttiefe
nur 500 m beträgt.
Das zweite oder Hauptminimum tritt uns auch überall entgegen; auffällig
nur seine mit 2000 m abnorm tiefe Lage im Tyrrhenischen Meer, die Nielsen
auf die große Mächtigkeit der starksalzigen Unter- oder Zwischenschicht zurück-
führt, so daß die Bodenschicht verhältnismäßig schmächtig wird und das Boden-
wasser wohl überhaupt nicht an Ort und Stelle entsteht.
Sehr beachtenswert erscheinen die örtlichen Unterschiede bei dem ersten,
also obersten (aber sekundären) Wärmeminimum. Im Schwarzen Meere liegt es
der Oberfläche am nächsten mit rund 75 m und hat zugleich den aus den ent-
sprechenden mittelmeerischen Werten ganz herausfallenden Betrag von 7°, ja 6.9°,
der aus den sehr niedrigen Wintertemperaturen dieses Beckens ($ 5) erklärlich
ist. In der Tiefe von 100 bis 150 m finden wir dann dies Minimum in den
1) Der adiabatische Temperaturgradient im Meere, Annalen der Hydrographie 1914, S. 340 bis 344.
*) Adiabatische Temperaturänderung in großen Meerestiefen, Ebenda 1914, S. 321 bis 340,
3) Station 186 aus dem nördlichen Jonischen Meer scheidet aus, weil die Messungen nicht bis
zum Boden durchgeführt sind.