Sokolowsky, A.: Einiges über Robben und ihre Anpassungen an den Wasseraufenthalt. 217
der hellen Seitenflecken der echten Seehunde finden sich bei ihr weißliche Ringe.
In der Gestalt weicht sie nicht merklich von der des gemeinen Seehundes ab, im Gebiß
und im Schädelbau finden sich aber Unterschiede. Neugeborene Exemplare tragen
ein weißliches Kleid aus weichem, wollartigem, schwachgewelltem Haar und behalten
dieses Säuglingskleid etwa drei bis vier Wochen nach der Geburt. Ihre Verbreitung
ist nördlicher als die des gemeinen Seehundes, an unseren Nordseeküsten wird sie
nur gelegentlich konstatiert, ebenso in der westlichen Ostsee, findet sich aber nach
Schäff häufiger in ihrem östlichen Teil. ;
Von der Ringelrobbe wird eine Anzahl von geographischen Formen unter-
schieden, von denen mehrere in Binnenseen vorkommen. Das Ochotskische
Meer bewohnt Pusah. gichigensis, Allen, während P. h. saimensis, Nordquist
den Saima-See bevölkert. Im Ladogasee ist P. h. ladogensis, Nordquist
heimisch, den Baikal- und Oron-See bewohnt P. h. sibirica, Gm. Schließlich
ist aus dem Kaspischen Meere der kaspische Seehund (Pusa hispida cas-
pica, Gm.) beschrieben worden. Bei den in den abgeschlossenen Seen heimischen
Robben kann es sich nur um Relikten handeln, die aus früheren Zeitepochen, in
denen diese Seen noch mit dem Meere durch Flüsse und Seen in Verbindung standen,
zurückgeblieben sind und sich dem Leben in diesen Binnenwassern angepaßt haben.
Der biologischen. Forschung steht hier noch ein weites Feld der Beobachtung und Unter-
suchung offen. Eine genaue Erforschung der Lebensgewohnheiten dieser Robben,
deren Verhalten und Nahrung entschieden Abweichungen und ihrem‘ Aufenthalts-
raum entsprechende Anpassungen zeigen müssen, wäre eine für die allgemeine bio-
logische Erkenntnis dankbare Aufgabe.
Literaturverzeichnis.
Neben zahlreichen kleineren systematischen und biologischen Abhandlungen
benutzte ich namentlich folgende Werke: und Schriften: .
1. Abel, O., Grundzüge der Palaeobiologie der Wirbeltiere. E. Schweizerbartsche Verlagsbuch-
buchhandlung. Stuttgart 1912.
2, Auen; J. En History of the North American Pinnipeds. U. S. Geol. a. Geogr. Survey of the
errit. 1880.
3. Borchgrevink, C., Das Festland am Südpol. Schles, Verlagsanstalt. Breslau 1905.
4. Brehms Tierleben, III. Auflage, Bd. II. Bibliogr. Institut. Leipzig 1893.
5. Flower and Lydekker, An Introduction tho the Study of Mammals, A. u. Eh. Black,
London 1891.
6. Haeckel, Ernst, Systematische Phylogeni der Wirbeltiere. III, Teil. Georg Reimers. Berlin 1895,
7. Heck, Matschie u. A., Das Tierreich, Bd.lI. J. Neumann. Neudamm 1897.
8. Hentschel, Dr. E., Die Meeres-Säugetiere. Theod, Thomas. Leipzig.
9. Hilzheimer, M. u. Haempel, O., Handbuch der Biologie der Wirbeltiere. Ferd, Enke,
Stuttgart 1913.
10. Kükenthal, W., Über die Anpassung von Säugetieren an das Leben im Wasser; in: Zoolog.
Jahrbücher, Abt. für System V, 1891.
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12, Schäff, Dr. E., Jagdtierkunde. Paul Parey. Berlin 1907, &
13. Schmeil, O., Lehrbuch der Zoologie. 25. Aufl. Quelle u, Meyer. Leipzig 1910.
14. Sokolowsky, Dr. A., Neues aus der Biologie der Walrosse; in: Abhandl. d. Ges, naturf. Fr,
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15. Sokolowsky, Dr. A., ebenda, Nr. 10, 1907.
16. Strömer von Reichenbach, Lehrbuch der Palaeozoologie. B. G. Teubner, Leipzig 1912.
7. Trouessart, E. L., Catalogus Mammalium. Berolini 1898—1899 u, Suppl.
‘3, Weber, M., Die Säugetiere. Gustav Fischer. Jena 1904, ;
19. Zoologiea. Scientific contributions of the New York Zoological Society. Vol. I, Nr.8. II, The
northern Elephant-Seal. By Ch. H. Townsend. New York 1912.‘