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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Sokolowsky, A.: Einiges über Robben und ihre Anpassungen an den Wasseraufenthalt. 215 
1911 die einzige noch vorhandene Herde von See-Elefanten im Stillen Ozean aufzu- 
Gnden. Er traf eine Herde von 150 Stück an einer versteckten Stelle der unbewohnten 
Insel Guadalupe, 140 englische Meilen von der Küste Kaliforniens entfernt. 
Die großen Männchen, die die Weibchen mit den Jungen begleiteten, wurden nach 
dem Bericht des genannten Forschers häufig von alleinstehenden Männchen angefallen 
und in heftige Kämpfe verwickelt, wobei sie sich mit den Eckzähnen nicht unbeträcht- 
liche Wunden beibrachten. In der Wut lassen sie einen starken, schnaufenden Ton 
hören, von den bellenden Tönen, die für die antarktische Art des See-Elefanten bezeich- 
nend sein sollen, wurde nichts gehört. Die See-Elefanten besitzen als Eigentümlichkeit, 
der sie ihren Namen verdanken, einen breiten, fleischigen Rüssel, der bis. gegen neun 
Zoll lang ist und sich dick und schwer über den 
Nasenlöchern erhebt. Wenn das Tier kriecht, ist 
der Rüssel schlapp und hängend, wenn es schläft, 
ruht er in einer. formlosen Masse auf dem Sand. 
Wenn aber das Tier aufgeregt wird, dann richtet 
sich der Rüssel zu bedeutender Höhe auf, Die 
schon erwähnten Eckzähne werden bei den Bullen 
vier bis fünf Zoll lang, ihr Auge ist auffallend groß 
und weit vorstehend, was von der großen kugel- 
förmigen Linse herrührt. Die Behaarung besteht 
aus oben grünlich grau, unten am Bauche rötlich 
braun gefärbten Haaren, die den Federn der Pinguine 
gleichen, denn sie sind flach und haben: die Form 
eines gleichschenkeligen Dreiecks. 
Über die Art ihrer Nahrung sind die Akten 
nochnicht geschlossen. Es scheint aber festzustehen, 
daß sie kleinere Fische, sowie Mollusken, Cephalo- 
poden und Muscheln zu sich nehmen sollen. Tonwnsend nimmt an, daß sie die 
Zehen der Vorderfüße zum Erbeuten der Mollusken aus dem sandigen Boden 
benutzen. Genanntem Forscher gelang es, sechs etwa einjährige Exemplare lebend 
in das Neuyorker Aquarium zu überführen, und Carl Hagenbeck gebührt 
das Verdienst, mehrere junge, aus Süd-Georgien stammende Elefantenrobben zum 
ersten Male in Europa zur Schau gestellt zu haben. 
Eine ebenfalls durch eigenartige Kopfbildung ausgezeichnete Seehundsrobbe 
ist die Klappmütze (Cystophora cristata, Erxleben). Sie ist an den ark- 
tischen und atlantischen Küsten Nordamerikas und Europas heimisch. 
Ihre äußere Nase erscheint bei den ausgewachsenen Männchen auffällig ausgedehnt 
und kann durch Luft aufgeblasen werden. Dadurch ist am Schädel die knöcherne 
Nasenöffnung nach hinten gedrängt. Ihr Gebiß besteht aus zwei spitzkegelförmigen 
Schneidezähnen in jedem Öber- und einem einzigen in jedem Unterkiefer, dem sehr 
entwickelten Eckzahne, vier Lückenzähnen und einem Mahlzahne in jedem Kiefer 
oben und unten. 
Hiernach mögen die Mönchsrobben (Monachus) Erwähnung finden, von 
denen Monachus albiventer, Bodd, im Mittelmeere bis zu den Kanarischen 
Inseln, Monachus tropicalis, Gray in den Westindischen Gewässern, bei den 
Bahamas und bei Florida heimisch sind, Diesen folgen drei in den antarktischen 
Meeresteilen lebende Robben. Unter diesen ist der echte Seeleopard (0gmor- 
hinus leptonyx, Blainv.) durch seine Größe, seinen langen Körper, seinen großen 
flachen Kopf und seine kleinen schmalen Augenöffnungen nach Borchgrevink 
leicht zu erkennen. Ihm schließt sich der Weddellseehund oder der unechte 
Seeleopard (Leptonychotes Weddelii, Lesson) an, der nach dem genannten 
Polarreisenden an der ganzen Küste des Südpolarlandes in großen Mengen vor- 
kommt. Er ist diejenige Robbenart, die innerhalb des Südpolarkreises am häufigsten 
angetroffen wird. Er ist langsam in seinen Bewegungen und setzt sich selten oder 
nie zur Wehr. Seine Hauptnahrung sind Krustentiere und kleine Fische. Seine 
Farbe ist oben dunkelgrau, auf der Brust gelblich braun, bisweilen graubraun. 
Einer der ersten Seehunde, die in der Antarktis im Packeis schon angetroffen 
werden. ist der weiße Seehund oder Krabbenseehund (Lobodon carcino- 
Tig. 6.
	        
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