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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

D14 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1915. 
zu, da bei den erwachsenen Walrossen die Mundborsten durch den Gebrauch abgenutzt 
sind, so daß nur noch kurze Überreste derselben in der Oberlippe stehen bleiben. 
Bei den jüngeren Tieren bilden die Mundborsten, indem sie beträchtlich lang werden 
und sich vor dem Munde kreuzen, ein reusenartiges Werkzeug, durch das die Wal- 
rosse in schlürfender Weise die Nahrung einsaugen. Diese Borsten lassen sich will- 
kürlich aufrichten, so daß sie dieselben zum Wischen und Fegen benutzen können. 
Ich habe wiederholt beobachtet, wie die jungen Wal- 
rosse Schlamm auf diese Weise vor sich herfegten 
und so ihre Borsten als Säuberungsapparat be- 
nutzten, wobei sie bei diesem Fegegeschäft nicht 
nur umherschnupperten, sondern auch einschlürften. 
Bei der Aufnahme größerer Nahrungsstoffe, wie z. B. 
von Fischen, sind die Walrosse gezwungen, ihr Maul 
von den Borsten zu befreien, die letzteren also auf- 
zurichten. Im Jugendalter sind die Walrosse mit 
ainem kurzen, eng anliegenden, rotbraun gefärbten 
Haarkleid bedeckt, mit zunehmendem Alter ver- 
schwindet dieses fast ganz, da die gewaltige Speck- 
entwicklung unter der Haut den Nutzen des Haar- 
kleides illusorisch macht. Vom Walroß werden 
zwei Arten unterschieden: Trichechus ros- 
marus, L. bewohnt das nördliche Polarmeer vom Jenessei über Novoja- 
Semlja, Spitzbergen und Grönland bis zur Hudsonbai, während die zweite 
Art, Trichechus obesus, Illg., die Küsten von Nordostasien und Nordwest- 
amerika bewohnt. Die hochgradigste Anpassung an den Wasseraufenthalt zeigen 
die Seehunde (Phoca, L.) im wei- 
testen Sinne. Sie zerfallen in eine An- 
zahl von Formen, deren genetischer 
Zusammenhang heute noch nicht ge- 
nügend erforscht ist. Ihre Hinterfüße 
sind nach hinten gestreckt und können 
nicht mehr wie bei den vorigen Robben 
unter den Bauch gebracht werden. Sie 
kommen daher bei der Bewegung auf 
dem Lande!nicht mehr als Bewegungs- 
organe in Frage. Die Seehunde bewegen 
sich auf dem Lande durch schnellende, hüpfende Bewegungen des ganzen Körpers, 
die rasch aufeinander folgen. Weber nennt diese Förderungsart „Sprungbewegung“‘. 
Der Schädel der Seehunde kennzeichnet sich durch rundliche Bildung des Schädel- 
daches, da ihm ein Sagittalkamm völlig mangelt. Gleich den Walrossen fehlt ihnen 
das äußere Ohr ganz. Als eine weitere Eigentümlichkeit ist hervorzuheben, daß bei 
ihnen Hand- und Fußsohle behaart sind. Ihre kurzen Vordergliedmaßen, die zum 
Gehen nicht mehr zu gebrauchen sind, werden beim Ersteigen von Klippen zum 
Anklammern benutzt. Ein sich auf dem Lande fortbewegender Seehund stützt sich 
nach Schmeil auf die Brust, krümmt den Rücken, so daß der hintere Teil des Leibes 
der Brust genähert wird, streckt sodann schnell den Rumpf und wirft sich dadurch 
ein Stück nach vorn. Die dadurch verursachte Erschütterung des Körpers wird durch 
die Speckschicht des Körpers pariert. 
Als die eigenartigsten Formen der Phociden können die Elefanten- 
robben (Macrorhinus) angesehen werden. Von diesen gewaltigen, bis zu 
neun Meter langen Meeressäugern werden zwei Arten unterschieden, der die Ker- 
guelen, Crozet-Island, Maquarie-Island und die Küsten Tasmaniens 
und Süd-Georgiens bewohnende Macrorhinus leoninus, L., und der früher 
an der warmen Küste Kaliforniens häufige Macrorhinus angustirostris, 
Gill. Während noch vor sechzig Jahren diese nördliche Elefantenrobbe in großen 
Herden längs der Küsten von Mexiko und Kalifornien zu finden war, galt sie 
bereits im Jahre 1869 als fast, wenn nicht völlig ausgestorben. Dem Direktor des 
Neuyorker Aquariums, Charles Haskins Townsend, gelang es im Jahre 
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