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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Sokolowsky, A.: Einiges über Robben und ihre Anpassuugen an den Wasseraufenthalt. 213 
Die Walrosse sind entschieden weit schwerfälliger in ihren Bewegungen auf 
dem Lande als die vorigen. Sie benutzen, wie ich in meinen „Biologischen Beob- 
achtungen über die Walrosse des Hagenbeckschen Tierparks in Stellingen“ 
seinerzeit mitteilte, abwechselnd alle vier Gliedmaßen, wobei sie sich watschelnd 
fortbewegen. Infolge der großen Schwere ihres Körpers macht es den Tieren erdenkbar 
große Mühe, sich auf dem Lande zu bewegen. Auch scheint uns ein Unterschied der 
Bewegung beim Aufsuchen des Wassers gegeben. Während der Seelöwe sich mit 
den Hintergliedmaßen einen Stoß gibt und in das Wasser schießt, 1äßt sich das Wal- 
roß mehr gleiten, ohne die hinteren Gliedmaßen dabei wesentlich zu benutzen. Aus 
der Schwere des Körpers und der dadurch verursachten Plumpheit und Unbeholfen- 
heit der Fortbewegung ergibt sich schon die Tatsache, daß die Walrosse nicht weit 
landeinwärts gehen, sondern sich möglichst in der Nähe des Ufers oder der Eiskante 
aufhalten. Auch in dem Verlust jeglichen Überrestes des äußeren 
Ohres erweisen sich die Walrosse noch inniger dem Wasser- 
aufenthalt angepaßt. Hand und Fuß zeigen bei ihnen aber 
noch ein ‚entschieden primitiveres Verhältnis, denn sie sind 
kleiner als bei den Ohrenrobben, dagegen ist der Oberarm länger. 
Ein eigentümliches Verhalten zeigt das Gebiß der Walrosse. 
Die Eckzähne des Oberkiefers haben sich zu mächtigen, weit 
nach unten vorragenden Hauern entwickelt, die lange Zeit von 
persistenter Pulpa aus wachsen. Das übrige Gebiß ist bei ihnen 
sehr reduziert. Schon in den ersten Lebenstagen des Walrosses 
gehen nach Brehm die unteren Schneidezähne verloren, dann 
folgen die oberen bis auf die äußersten. Während die Eckzähne . . 
des Oberkiefers eine so eminente Entwicklung erfahren, bleiben nk aan Nasa 
die des Unterkiefers nur sehr klein und unbedeutend. Die +  ydimenten 
Schneidezähne fallen mit zunehmendem Alter fast ganz aus, nur (nach Weber). 
oben hat sich ein kleiner, konischer, lateraler erhalten. Backzähne 
finden sich in jeder Kieferhälfte drei oder vier von einfacher Gestalt. Diese Ver- 
einfachung des Gebisses hängt mit der Nahrung der Walrosse zusammen. Während 
die Ohrenrobben gefräßige Fischräuber sind, die vermittels ihres scharfen Gebisses 
die Fische fangen und ohne sie zu zerkauen hinunterschlingen, scheint die Haupt- 
nahrung der Walrosse aus Muscheln zu bestehen. Sie bedienen sich dabei der langen 
Stoßzähne, um den Meeresboden aufzu- 
wühlen. Mit ganz besonderem Interesse 
habe ich mich seinerzeit mit dem Studium 
der Nahrungsverhältnisse der Walrosse 
befaßt. Als Resultat meiner Beob- 
achtungen an gefangenen Exemplaren, 
sowie meiner literarischen Studien und 
Befragungen verschiedener Polar- 
reisender ergibt sich für mich folgendes 
in bezug auf die Nahrung dieser Tiere: 
Das Walroß ist seiner ganzen Organi- 
sation nach ein die Küsten bewohnendes 
Meersäugetier, das dieser Lebensweise 
entsprechend entweder durch Tauchen 
bis zu mäßiger Tiefe die Bodentiere des 
Meeres, in erster Linie Muscheln, als 
Nahrung verzehrt, oder am Küstensaum . 
wie am Fuße der Eisblöcke den marinen Walroßschädel nach Weher), 
Besatz, bestehend aus den verschiedensten seßhaften Tieren, abweidet. Da es 
aber durch Wanderung wie durch Nahrungsmangel zeitweilig gezwungen wird, 
den Aufenthaltsort zu wechseln und sich dabei nicht selten weit vom Lande 
entfernt, so nimmt es auch, wenn sich ihm keine Gelegenheit bietet, mit anderer 
Nahrung, sei dieses pelagischer Auftrieb, seien es Fische, oder gar mit Seehunds- 
und Weißwalfleisch, vorlieb. Bei der Nahrungssuche finden ihre Mundborsten als 
Werkzeuge praktische Verwendung. Das trifft aber nur für die jüngeren Exemplare 
il.
	        
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