212 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1915,
der Tiere und der dadurch bedingte mehr oder minder hohe Stand ihrer Anpassung
dabei eine wesentliche Rolle.
Nach Weber haben sich in der Mehrzahl der Organe die Ohrenrobben
(Otariidae) am wenigsten von den terrestrischen Raubtieren entfernt. Sie sind noch
imstande, die Hinterfüße nach vorn unter den Leib zu bringen, um diesen zu stützen.
Von allen Robben nehmen sie den ausgedehntesten Aufenthalt auf dem Lande.
Ihr Schädel erinnert noch in vielen Eigentümlichkeiten an den der Bären. Das äußere
Ohr ist bei ihnen noch in einer deutlichen Ohrmuschel erhalten. Ihr Hals ist verhältnis-
mäßig lang, ebenso die Beine, auf welchen sie aufrecht gehen können. Die Sohlen
sind kahl und die Länge der Hinterzehen ist wenig verschieden, Auch in ihrem Gebiß,
das die größten Zähne hat, lassen sie eine noch verhältnismäßig geringe Umformung
durch den Wasseraufenthalt erkennen. Nach Weber hat das Wasserleben auf die
Kaufunktion reduzierend eingewirkt und dadurch eine Schwächung des Gebisses,
Vereinfachung der Zähne und Rückbildung des Milchgebisses verursacht. Bei den
Ohrenrobben sind Zähne und Kaumuskeln noch am besten unter allen Robben aus-
gebildet, auch läßt sich noch ein vollständiges Milchgebiß nachweisen.
Die Ohrenrobben leben polygam vereinigt, kommen zur Fortpflanzungszeit
in großen Scharen auf das Land und führen ein ausgesprochen geselliges Leben, Die
Mehrzahl ihrer Arten lebt auf der südlichen Halbkugel der Erde. Dem Nordatlantischen
Ozean fehlen sie ganz, in nördlicher Richtung erstrecken sie sich längs der
atlantischen Küste Amerikas nur bis zum La Plata, an der afrikanischen
Küste des Atlantischen Ozeans nur bis zum Kap.
Die Nahrung der Ohrenrobben besteht aus Fischen, Weichtieren, Krebsen und
Wasservögeln verschiedener Art, die sie alle bei ihrer großen Behendigkeit leicht
zu erjagen und überlisten verstehen.
Mit einer lauten, durchdringenden Stimme ausgestattet, geben sich diese Tiere
Signale auf weite Entfernungen.
Die bekannteste Art der Zoologischen Gärten ist der kalifornische
Seelöwe(Zalophus californianus, Lesc.). Erfindet sich in fast allen Zoologischen
Gärten in mehreren Exemplaren und zeichnet sich
durch seine Klugheit sowie durch seine Schwimm-
gewandtheit aus. Die südlichste Art der Ohren-
robben ist die Mähnenrobbe (Otaria jubata,
Forster). Die Gattung Otaria gehört der Ant-
arktis an und erstreckt sich mit ihrer einzigen
Art längs der südamerikanischen Küste
bis Peru.
Im hohen Norden, im Beringsmeer, lebt
der Seebär oder die Bärenrobbe (Areto-
cephalus ursinus, L.). Sie ist berühmt durch
ihren prachtvollen Pelz, der „Sealskin‘“ genannt
wird. Alljährlich findet auf den weltentlegenen
Kommodorski- und Pribylow-Inseln, wo die
Tiere sich zur Wurfzeit zusammenfinden, der
Robbenschlag statt, bei welchem zahlreiche
Exemplare dieser sowie auch anderer Robben-
arten der Pelzgier halber getötet werden. Auf den
unserer deutsch-südwestafrikanischen Küste vorgelagerten Klippen und Inseln findet
sich die als Pelztier wertvolle Pelzrobbe (Arctocephalus pusillus, Schreb.),
zu deren Schutz besondere Jagdgesetze verordnet wurden. —
Auch die Walrosse (Trichechidae) besitzen gleich den Ohrenrobben noch
eine größere Beweglichkeit ihrer Hintergliedmaßen. Dennoch läßt sich zwischen
diesen beiden Robbenformen ein Unterschied in der Bewegung konstatieren. Die
Ohrenrobben bewegen sich auf dem Lande nach Art der Blutegel, indem sie, wie
Heck für den Seelöwen angibt, den ganzen Körper konkav nach unten zusammen-
drücken, dabei die Hinterflossen gleichzeitig vorsetzen und von dem so gewonnenen
neuen Unterstützungspunkt aus den Körper mit den abwechselnd schreitenden
Vorderbeinen wieder ausdehnen und vorwärts schieben.
zb