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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Sokolowsky, A.: Einiges über Robben und ihre Anpassungen an den Wasseraufenthalt. 211 
, Als weitere Anpassungen an den Wasseraufenthalt sind die verschließbaren 
Öffnungen der Nase sowie der Gehörgänge zu erwähnen, welche Vorrichtung das 
Eindringen des Wassers verhindern sollen. Die Ohrmuscheln sind nur bei den Ohren- 
robben oder Seelöwen in rudimentärer Ausbildung vorhanden, bei den übrigen 
Robben fehlen sie gänzlich, da, wie Schmeil sagt, das Wasser den Schall weit besser 
leitet als die Luft, und da die Schallwellen dem inneren Ohre durch den ganzen 
Körper übermittelt werden. 
Entsprechend den Anpassungen der Organisation an den Wasseraufenthalt 
haben auch die Lebensgewohnheiten dieser Tiere ein ihrem Lebensbezirk ent- 
sprechendes Gepräge angenommen. Obwohl diese Tiere dem Wasserleben außerordent- 
lich angepaßt sind, sind sie dennoch gezwungen, zur Fortpflanzungszeit geraume Zeit 
ihren Aufenthalt auf dem Lande bzw. auf dem festen Eise zu nehmen. ‚Gerade wie 
sich zur Brutzeit die nordischen Vogelberge mit den Schwärmen unzählbarer Lummen, 
Alken, Möwen und Sturmvögel bedecken, sagt Hentschel, so sammeln sich zu 
vielen Tausenden die Robben auf entlegenen Eisflächen oder einsamen Felsen- 
eilanden an, um ihre Jungen zu gebären und sich bald danach aufs neue zu begatten. 
Mächtig ergreift sie im ersten Frühling der Trieb zur Fortpflanzung und ein tief 
eingewurzelter Instinkt weist ihnen die Wege zu jenen oft weit entlegenen ‘Ver- 
sammlungsplätzen, wo sich das überaus großartige Schauspiel ihres Gattungslebens 
vollzieht.“ Bei diesen Wanderungen legen sie oft gewaltige Entfernungen zurück 
und lassen sich dabei von einem ausgezeichneten Ortssinn leiten. Über das Benehmen 
der das Festland für die Zwecke der Fortpflanzung aufsuchenden Robben wurden für 
verschiedene Arten eingehende Beobachtungen angestellt. Diesen zufolge erscheinen 
die Geschlechter nicht wahllos durcheinander zu gleicher Zeit, sondern vielmehr es 
läßt sich zunächst die Ankunft der Männchen, dann der Weibchen konstatieren. 
Nach deren Erscheinen wählen sich die Männchen ihren Harem aus der Masse der 
Weibchen und halten sich mit diesen während der Fortpflanzungszeit treu zusammen. 
Bei der Gattinnenwahl kämpfen die Männchen oft erbittert unter sich, auch lassen 
sich .die Weibchen nicht gutwillig zusammentreiben, sondern müssen durch Kampf 
erworben werden. Jüngere und schwächere Nebenbuhler werden von den starken 
Männchen in grimmer Fehde fortgejagt. Nach der Geburt und einem erneuten 
Liebeswerben lösen sich im Herbst diese Fortpflanzungsverbände auf und streben 
die Tiere wieder dem Meere zu, um die Rückwanderung nach dem Süden, vereint 
mit den herangewachsenen Jungen, wieder aufzunehmen. Da die alten Männchen 
während der ganzen Zeit ihres Landaufenthaltes nicht ins Meer gingen, kamen 
sie nicht zur Nahrung und mußten während dieser Periode von ihrem eigenen Fett 
leben. Auch diese Fähigkeit des Hungerns während der Brunstzeit ist als eine 
eigenartige Anpassung dieser Säuger aufzufassen. 
Der Geselligkeitstrieb ist bei den Robben sehr ausgeprägt. Innerhalb des 
Verbandes herrscht das Recht der Gewalt, des Stärkeren. Da letztere begreiflicherweise 
bei den älteren Männchen am ausgebildetsten zu finden ist, so sind diese im allgemeinen 
als die Führer der Verbände anzusehen. Namentlich hat man in dieser Hinsicht 
ausgezeichnete Beobachtungen bei den Walrossen gemacht. Das Geistesleben der 
Robben ist ein beträchtlich hohes. Namentlich sind Seelöwen und Walrosse sehr 
intelligent. Bekannt ist ja die ausgezeichnete Dressurfähigkeit dieser Geschöpfe. 
Von diesen Tieren werden Dressurleistungen ausgeführt, die geradezu den Beobachter 
in Erstaunen setzen. Ich selbst hatte während meiner Berufszeit im langjährigen Ver- 
kehr mit Robben zahlreiche Gelegenheit, die hohe Intelligenz dieser Geschöpfe zu 
bewundern. Ich habe an anderer Stelle darüber eingehend berichtet. Wenn auch 
zugegeben werden muß, daß die Intelligenz dieser Tiere durch ihr Gesellschaftsleben 
große Förderung erhält, so darf dabei nicht vergessen werden, daß sie als in das Wasser 
gegangene Landraubtiere einen guten Teil ihrer Klugheit von ihren Raubtierahnen 
mitbrachten. Mithin beruht der Hochstand ihres Sinnes- und Geisteslebens teils 
auf Vererbung, teils auf Anpassung. 
Obwohl sich im allgemeinen die hier angeführten Anpassungserscheinungen 
bei den einzelnen Familien der Robben wiederholen, lassen sich dennoch bei diesen 
nicht unwesentliche Abweichungen nachweisen, die hauptsächlich auf die Gewöhnung 
an verschiedenartige Nahrung zurückzuführen sind. Auch spielt das geologische Alter
	        
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