‘9 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915,
ermöglicht ist. In den zwei Figuren wurde noch die Adria und das Schwarze
Meer neu hinzugefügt.
Hiernach wird an der Oberfläche deutlich.das Einströmen des schwach-
salzigen Wassers von der Gibraltar-Staße aus erkennbar, und zwar entlang der
nordafrikanischen Küste, so daß vor Algier nur 36.5, vor Tunis nur 37,0 %9
gemessen werden, denen Werte von >38.0 nördlich von den Balearen und im
Umkreise von Sardinien und Korsika gegenüberstehen. Die Oberfläche der Ge-
wässer zwischen Neapel und Sizilien bringt es nicht ganz auf 38.0, weil nach
Nielsen ein kleiner Teil des atlantischen Stromes vor der Sizilischen Straße
zum Tyrrhenischen Meere abzweigt und an der Nordküste Siziliens entlang ziehend
zur Südwestküste Italiens sich wendet. In der Adria treten die bekannten
Gegensätze zwischen der dalmatinisch-albanischen Seite einerseits und der italie-
nischen Seite andererseits hervor, außerdem das Hereindrängen des Wassers des
Jonischen Meeres von. Süden nach Norden mit 38.0 %%9. In der Levante fehlen
auch heute noch exakte Beobachtungen für die Östlichsten Teile bei Cypern,
doch scheint die 39.5-lsohaline dauernd nicht vorzukommen. Das Ägäische Meer
gibt in voller Schärfe, ähnlich der Adria, eine allgemeine Herabsetzung der
Salinität auf << 38.0 in seiner westlichen Hälfte zu erkennen, so daß der Ein-
strom vom Schwarzen Meere her bis nach Kap Matapan unmittelbar zu verfolgen
ist, während an der kleinasiatischen Küste solch’ hohe Werte wie — 39.0 bis zur
Höhe von Mytilene vorkommen.
Am Meeresboden (Tafel 4) größerer Tiefen bewegen sich die in den
zwei großen Räumen, dem West- und dem Ostbecken, auftretenden Salzgehalts-
unterschiede nur zwischen 38.37 °%, Östlich von Gibraltar und 38.66 °% 9 im
Levante-Meer. Eine Mittelstellung nimmt das Tyrrhenische Meer mit 38,42,
die Adria in ihrer großen Südtiefe mit 38.58 ein. Der östlichen Agäis scheint,
nach der »Thor«-Stat. 163 zu schließen, wo zwischen Samos und Chios in
1140 m 38.84 9/9 gefunden wurden, der absolut größte Salzgehalt des Boden-
wassers zu eigen zu sein; dies ist wichtig, weil, wie noch zu zeigen sein wird,
wegen der hohen Oberflächentemperaturen auch im Winter das Bodenwasser des
großen Ostbeckens (Levante) nicht an Ort und Stelle gebildet werden kann,
sondern offenbar von Norden her, aus der Ägäis, zuströmt ($ 5). Die Sonder-
stellung des Schwarzen Meeres kommt mit nur rund 22.5 ° 9 des Bodenwassers
zum Ausdruck, wie dies ja auch bei dem Oberflächenwasser mit 18%) und
<Z18 °% 0 der Fall ist.
8 4. Die vertikale Verteilung der Wassertemperatur
im Mittelmeer ist auch nicht annähernd von der Einfachheit, ja Einförmigkeit,
die man bisher annahm!), wonach unterhalb der von den jahreszeitlichen Än-
derungen erfaßten Oberschicht eine der Wintertemperatur annähernd entsprechende
Wasserwärme unverändert bis in die größten Tiefen reichen sollte (Homothermie).
Aber auch die von Krümmel 1910 und von Mey in seinem Referate*) ebenfalls
1910 nach den vorläufigen »Thor«-Berichten mitgeteilten Besonderheiten können
noch nicht auf die Vollständigkeit der Erscheinungen Anspruch machen, die nun
aus Nielsens Werk ersichtlich werden.
A. Allgemeine Gesichtspunkte (Sommerverhältnisse).
Wir begegnen in einer Wassersäule im allgemeinen zwei Minima und zwei
Maxima, vom Oberflächenmaximum ganz abgesehen; hinzukommt noch ein
beträchtlicher örtlicher und jahreszeitlicher Wechsel. Als eine typische Station
kann Nr. 118 des »Thor« vom 30. Juni 1910 gelten; sie liegt in 41° 0’ N-Br.
6° 43’ O-Lg. im Balearischen Becken zwischen den Balearen und Sardinien
(Tabelle II, S. 13), Das erste Minimum treffen wir in 100 bis 200 m Tiefe an;
Achat
‘) Vgl. z. B. Krümmel, Handbuch der Ozeanographie, 2, Aufl. I (1907), S. 460 ff. oder
Physische Meereskunde, 2. Aufl. 1910, S. 75, 76.
\ Mer, s. Fußnote ohen S. 2.