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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

208 Annalen der Hydrographie und, Maritimen Meteorologie, Mai 1915. 
Metall herzustellen, weil dieses schneller auf Temperaturänderungen reagiert und 
keine Feuchtigkeit aufnimmt. 
Sehr interessant war es zu beobachten, wie auf der Rückreise, beim 
Drehen des Windes in die nördlichen Quadranten, sofort die relative Feuchtigkeit 
augenfällig geringer wurde; es resultieren daher die geringen Werte am 10,, 12.,, 
13., 14. und 22. Februar. 
Die Figuren (Tafel 12) stellen den Verlauf der Lufttemperatur bzw. des 
Luftdruckes auf verschiedenen Breiten dar. Es wurden nur solche Tage 
gewählt, an denen die Windrichtung und -stärke nahezu konstant war; ebenso 
wurde nach Möglichkeit darauf gesehen, daß das Maß der Bewölkung das 
gleiche war, um einen guten Vergleich auf den verschiedenen Breiten zu er- 
möglichen. Der Verlauf der Temperaturkurven zeigt, daß namentlich auf niederen 
Breiten das Temperaturmaximum vor 2b N eintritt, so daß die in Tabelle I an- 
gegebenen Tagesmittel fast stets um einige Zehntelgrade zu niedrig sind. Die 
Barometerkurven lassen fast alle die tägliche Doppelwelle deutlich erkennen, 
auch die Eintrittszeiten der Extreme stimmen gut überein. Die Barometerangaben 
sind hier unberichtigt, jedoch nach den Barographenkurven ausgeglichen, 
Einiges über Robben und ihre Anpassungen an den Wasseraufenthalt. 
Von Dr. Alexander Sokolowsky, 
Direktorial-Assistent am Zoologischen Garten in Hamburg, 
Die als Robben oder Pinnipedia zusammengefaßten wasserbewohnenden 
Säugetiere zerfallen in natürlicher Weise in die drei Familien der Ohrenrobben 
(Otariidae), der Walrosse (Trichechidae) und der Seehunde (Phocidae), 
von denen die beiden ersteren manche Übereinstimmung miteinander zeigen. Die 
morphologischen und physiologischen Eigenschaften dieser drei Tiergruppen weichen 
aber erheblich voneinander ab. 
Die Vorgeschichte der Robben ist leider noch sehr in Dunkelheit gehüllt, 
weshalb auch über ihren Ursprung noch keine Klarheit herrscht. Die wahrschein- 
lichste Annahme scheint ihre Abstammung von bärenartigen Landsäugetieren zu 
sein. Zwar liegen aus dem Miocaen Reste fossiler Robben vor, diese weisen aber 
bereits alle Merkmale der heute lebenden auf, so daß durch deren Untersuchung 
keine tiefere Einsicht in den verwandtschaftlichen Zusammenhang erlangt wird. 
Seit einer Reihe von Jahren habe ich mich mit besonderem Interesse eingehend mit 
dem Studium der Robben befaßt und bin dadurch zu der Überzeugung gekommen, 
daß der verwandtschaftliche Zusammenhang der drei genannten Gruppen unmöglich 
ein so inniger sein kann, wie im allgemeinen angenommen wird. 
Vielmehr ist es meine Ansicht, daß bei ihnen manche körperliche und seelische 
Eigenschaft nicht auf direkte Abstammung beruht, sondern als Konvergenz- 
erscheinung aufzufassen ist, die durch die gleiche Lebensweise und den Einfluß der 
Übereinstimmung in den äußeren Lebensverhältnissen bewirkt wurde. Allerdings 
kann an einem Zusammenhang der Robben mit den Raubtieren kaum ernstlich 
gezweifelt werden. Durch die Anpassung an das Wasserleben haben sich zwar 
bei den Pinnipediern viele von den echten Raubtieren abweichende Züge aus- 
gebildet, die den ursprünglichen Abstammungscharakter mehr oder minder ver- 
wischen und undeutlich machen. Diese Abweichungen erstrecken sich namentlich 
auf den Schädelbau und die Bezahnung. Es liegt die Annahme nahe, daß die Robben 
nicht unmittelbar aus Raubtieren, sondern aus primitiveren Vorfahren hervorgegangen 
sind, so daß sie zwar mit den echten Raubtieren eines Stammes, aber nicht von ihnen 
direkt abzuleiten wären. Als solche Stammesväter kämen die Urraubtiere oder 
Creodontia in erster Linie in Frage. Sie lebten im ganzen Alttertiär Europas 
und Nordamerikas und erreichten mehrfach Bärengröße. Die Unterschiede der 
Robben von den eigentlichen Raubtieren sind mehr äußerer als innerer Natur. Der 
Aufenthalt im Wasser und die schwimmende Ortsbewegung haben nach Haeckel
	        
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