204 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1915,
verhalt in großen Entfernungen zwar nicht darstellt, daß sie es aber tun würde,
wenn alle Energie, die dem Wellenzuge entzogen wird, wie es das Zerstreuungs-
glied anzeigt, wirklich verloren gehen würde. Es sind indessen starke Anzeichen
dafür vorhanden, daß ein Teil dieser Energie die Oberfläche der Erde wieder erreicht,
und zwar entweder durch Reflektion oder möglicherweise durch Brechung in den
oberen Schichten der Atmosphäre. Diese Wiederverstärkung ist zweifellos bei
Nacht sehr stark und ruft die sogenannten Nachteffekte mit ihren wunderbar großen
Reichweiten hervor. Es ist ferner wahrscheinlich, daß sie bei Tage insofern eine
wichtige Rolle spielt, als sie das Übermittelungsbereich, namentlich im Winter,
vergrößert und auch die häufig beobachteten Unregelmäßigkeiten in der Intensität
hervorbringt. Wenn dies zutrifft, müssen wir zu der theoretischen Formel ein
weiteres Glied addieren.‘‘
Diese Überlegungen führen uns zu den Theorien, die von verschiedenen
Seiten aufgestellt sind, um den Unterschied in den Tag- und Nachtintensitäten
zu erklären. (Schluß folgt.)
Mittlere Tagestemperaturen der Luft und des Wassers sowie das Tages-
mittel der relativen Feuchtigkeit und des Luftdruckes während einer Reise
nach Westindien und zurück.
Von R. Topp.
(Hierzu Tafeln 11 und 12,)
An Bord des deutschen Schulschiffes »Prinzeß Eitel Friedrich« hatte ich
in der Zeit vom 30. September 1913 bis zum 28. Februar 1914 Gelegenheit, zahl-
reiche meteorologische Beobachtungen anzustellen, deren Resultate hier bekannt-
gegeben werden sollen.
Folgende Instrumente wurden zur Beobachtung benutzt: 1. ein Marine-
barometer, 2. ein Barograph, 3. ein Assmannscher Aspirations-Psychrometer,
4, ein Kasten-Psychrometer, 5. ein Regenmesser mit 200 qem Oberfläche.
Sämtliche Thermometer wurden des öfteren mit einem geprüften Normal-
thermometer verglichen; nennenswerte Differenzen in den Korrektionen der
einzelnen Thermometer haben sich jedoch nicht ergeben.
Die Aufstellung des Regenmessers war leider nicht ganz einwandfrei; er
stand auf der Kampagne zwischen dem Kreuzmast und dem vorderen Steuerstand.
Es war also nicht zu vermeiden, daß dieses Instrument gelegentlich Tropfwasser
von den angebraßten Kreuzrahen erhielt. Zum Glück kam dieser Übelstand wenig
in Betracht, da Niederschläge verhältnismäßig selten waren. Außerdem befand
sich ziemlich dicht neben dem Regenmesser ein Ventilator, der bei gewissen
Windrichtungen den Niederschlag im Instrument ungünstig beeinflussen konnte;
es ließ sich jedoch bei dem verhältnismäßig kleinen verfügbaren Decksraum kein
besserer Aufstellungsort ausfindig machen.
Der Dienst an Bord gestattete nicht, die Tagesmittel aus 24 äquidistanten
Beobachtungen zu berechnen, sondern es mußte im Gegenteil mit möglichst wenigen
Beobachtungen ausgekommen werden, Es wurden die Zeiten ausgewählt, die
sowohl in die Nähe des Temperaturminimums als auch in die Nähe des Temperatur-
maximums fallen, also 7hV, 22 N und 9b N (das sind die sogenannten »Mannheimer
Stunden«) und daraus die Tagesmittel berechnet; dabei wurde der Beobachtung
um 9b N das doppelte Gewicht gegeben, weil um diese Zeit die Temperatur dem
Tagesmittel sehr nahe ist. Zur Bestimmung des barometrischen Tagesmittels
wurden die Eintrittszeiten der Extreme (sogenannte Wendestunden) gewählt, das
ist 9b bis 109 V und N für das Maximum sowie 3b bis 4» V und N für das
Minimum. Die Barometerangaben sind beschickt auf »Schwere«, auf 0°C und
auf 0 m Augeshöhe.