Ludewig, P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. II. 203
Auch hier zeigt sich, daß die Empfaängsintensität des höher fahrenden Ballons
kleiner gewesen ist, als die des tiefer fahrenden. Diese Ergebnisse können jedoch,
wie gesagt, noch nicht als. endgültig betrachtet werden.
V. Unterschiede im Empfang bei Tag und Nacht,
Die Arbeiten von Marconi, Schwartzhaupt, Mosler und Reich hatten, wie
erwähnt, das Ergebnis gehabt, daß die Empfangsintensität am Tage recht konstant,
daß sie dagegen in der Nacht meist größer ist. Die starken, plötz-
lichen Schwankungen machen es aber fast unmöglich, darüber exakte Messungen
anzustellen. Austin hat gefunden, daß auch die Wellenlänge der elektrischen
Schwingungen dabei eine Rolle spielt: „Beobachtungen mit ungedämpften
Schwingungen nach der Lichtbogenmethode haben gezeigt, daß bei Nacht ein
selektives Verhalten und Schwächerwerden der Zeichen mit wechselnder Wellen-
länge stattfindet. Z.B. wurde bei kürzlichen Versuchen in Arlington gefunden,
daß, wenn die Nachtsignale in der Empfangsstation bei der regulären Wellenlänge
von 4100 m schwach waren, eine Änderung der Wellenlänge in 3950 m sie fast stets
wieder sofort erheblich verstärkte und vice versa. — Es ist sicher, daß der Unter-
schied zwischen Tag- und Nachtsignalen viel kleiner bei langen, als bei kurzen Wellen
ist, daß aber die Beobachtung der Clifden-Signale (21-=— etwa 7000 m) in Brant
Rock (2460 Meilen) und in Arlington (2840 Meilen) nicht mit den. Beobachtungen
von Marconi in Glace Bay übereinstimmen, wonach die Tagsignale gleich oder besser,
als die Nachtsignale sein sollen. In Brant Rock betrug während des Herbstes und
Winters der von Clifden emp- Fir. 17
fangene Strom über 25 Ohm Mr
Widerstand im allgemeinen
etwa 35. 10— Amp. Im Som-
mer waren die Signale immer
schwach und oft am Tage
unhörbar, d. h. die Empfangs-
stromstärke varlierte wahr-
scheinlich zwischen 7. 107%
und 12. 10-® Amp. Nacht-
signale waren viel lauter,
doch wurden keine genauen
Messungen vorgenommen.‘
In Fig. 17 sind Mes-
sungen über den Unterschied
von Tag und Nacht gra-
phisch eingetragen, die G. W.
Pickard bei Versuchen
zwischen der Station in
Glace Bay und Amesburg
in der Nähe von Boston
(Massachusetts) erhalten hat.
Die Fig. 18 enthält Messungen von Dolbear und Proctor. Auch hier hat Glace
Bay als Sendestation gedient. Empfangen wurden auf zwei voneinander unab-
hängigen Stationen in Somerville und Revere, Vorstädten von Boston. Es sind,
von einer großen Anzahl über eine längere Zeit ausgedehnten Beobachtungen die
Mittelwerte der Empfangsstromstärken für die einzelnen Tagesstunden gebildet
und diese in die Kurve eingetragen. Aus beiden Kurven ergibt sich das bekannte
Resultat, daß die Nachtresultate sehr viel größer sind und daß am Tage eine relativ
geringe, aber konstante Intensität gemessen wurde. Um Sonnenaufgang und Sonnen-
untergang finden starke Schwankungen statt, auf die wir im nächsten Abschnitt
eingehen.
Im Anschluß an seine im IV. Abschnitt erwähnten quantitativen Messungen
über Empfangsintensitäten gibt Austin folgende in diesem Zusammenhang
interessanten Schlüsse: „Es scheint möglich, daß die theoretische Formel den Sach-