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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1915.
mit dieser Beobachtung in guter Übereinstimmung zu sein schien, ergaben anderseits
die Sende- und Empfangsstromstärken, die beim Verkehr in umgekehrter Richtung
gemessen wurden, wie die Fig. 16 zeigt, eine Anzahl Punkte, die mit beiden Kurven
übereinstimmen können. Eine endgültige
Entscheidung zwischen den beiden Formeln
vermögen daher diese Versuche noch nicht
zu geben, wenn auch Austin {folgende
wahrscheinliche Schlüsse aus ihnen ziehen
zu können glaubt:
„Die wichtigste Frage, welche diese
Versuche zu lösen streben, ist die, ob die
theoretische Formel die beobachteten Tat-
sachen der Radiotelegraphie darstellt oder
nicht. Das erste oder Hertzsche Glied
dieser Formel stimmt mit den Beobachtungen
auf kurze Entfernungen überein. — Die
Formel als Ganzes liefert bei großen Ent-
fernungen keine befriedigenden Ergebnisse,
denn das Zerstreuungsglied bewirkt an-
scheinend eine Verkleinerung der elektrischen Intensität, die beträchtlich größer
ist, als die beobachteten Werte. Bei den Versuchen zwischen Arlington und
der „Salem‘‘ über eine Strecke von 3700km, betrug die nach der Formel berechnete
Stärke des empfangenen Stromes nur ein Fünftel der tatsächlich beobachteten,
und nach ihnen würden die Signale in einer Entfernung von ungefähr 2600 km
unter die Hörbarkeitsgrenze hinabsinken, während sie in Wirklichkeit bei 3700 km
hörbar blieben. Es würde aus einer Vereinigung des Hertzschen Teiles der theo-
retischen Formel mit dem Absorptionsgliede der rein empirischen, aus den Versuchen
mit Brant Rock gewonnenen Formel ein halbempirischer Ausdruck für die auf-
genommene Stromstärke gebildet. Dieser in Gleichung 10 wiedergegebene Ausdruck
steht in guter Übereinstimmung mit den Beobachtungen bis zu 3700 km, bei einer
Wellenlänge von 3800 m.‘
Die Versuche Austins beschäftigen sich nur mit den Empfangsintensitäten,
die in unmittelbarer Nähe des Erdbodens gemessen wurden. Besonderes Interesse
beanspruchen daneben noch einige Messungen von Lutze, die im Freiballon
und zwar bei einer Nachtfahrt und bei zwei Hochfahrten bis etwa 6000 m Höhe
ausgeführt sind. Da dabei mit der Parallelohmmethode gemessen wurde, so kann
inan den Ergebnissen nur bedingten Wert beimessen. Trotzdem seien sie der Voll-
ständigkeit halber angeführt. Es wurde gefunden, daß die Empfangsintensität in
größeren Höhen geringer als am Erdboden war, daß sie z. B. bei einer Entfernung
von 400 km in 1500 m Höhe über dem Erdboden doppelt so groß gefunden
wurde, als in 6500 m Höhe. Bei einem anderen Versuch wurde in zwei Frei-
ballonen zu gleicher Zeit gemessen; der eine hielt sich dauernd in etwa 1000 m Höhe,
während der andere eine Hochfahrt unternahm. Beide Ballone schlugen ungefähr
dieselbe Fahrtrichtung ein. Die Resultate enthält die Tabelle. In der dritten und
sechsten Vertikalreihe steht das Verhältnis der im Hochfahrtballon zu der im
tiefen Ballon gemessenen Empfangsstärke.,
entfernung
Höhe
des Hochfahrt-,
ballons
Empfangsintensität
_Hochfahrtballon.
Empfangsintensität
tiefer Ballon.
Höhe
des Hochfahrt-
hallans
Empfangsintensität
Hochfahrtballon.
Empfangsintensität
tiefer Ballon.
\Lessungen |
beim
Aufstieg |
A
2750
3500
3900
5500
BO
A
0.44
0.24
20.14
20.14
5000
4100
3500
2500
1650
1400
1050
20.14
0.46
0.50
0.63
0.97
1.08
102
Messungen
beim
Abstieg