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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmeeres. 
diese »Fram«-Station etwa halbwegs zwischen der SW-Ecke Irlands und der 
Rockall-Gegend liegt, schon eher einen Anhalt haben. - 
Vorläufig wird man dabei bleiben müssen, daß die letzten sicheren 
Spuren von Mittelmeerwasser nordwärts nur bis zur SW-Ecke Irlands nach- 
gewiesen sind. —. 
Verfolgen wir noch einmal im ganzen die Wandlungen, die der salz- 
reiche Unterstrom vom östlichen Mittelmeerbecken bis Irland hin auf einer 
Gesamtentfernung von rund 5800 km oder 3100 Sm durchmacht, so sinkt er 
von 500 m auf 1000 m Tiefe und sein Salzgehalt nimmt von 39% bis auf 
35,53 %/oo ab; umgekehrt steigert der relativ salzarme atlantische ÖOberstrom 
auf der Strecke Gibraltar— Rhodos, bzw. ägyptische Küste bei 3400 km oder 
1800 Sm Entfernung seinen Salzgehalt von 36.15 %/,g auf 38,75 %% 9, wobei seine 
Mächtigkeit von ursprünglich etwa 150 m (0 bis 150 m) zuletzt bis auf wenige 
Meter (im Niveau zwischen 50 bis 70 m) zusammen schmilzt. Stellen wir end- 
lich für die einzelnen Teilstrecken fest, um wieviel %9 für je 1000 km Ent- 
lernung der Salzgehalt des Meerwassers sich ändert, bzw. nach wieviel Kilo- 
metern eine Veränderung um 0.25 % 9 Sälzgehalt erreicht wird, ‚so ergibt sich 
die nachfolgende kleine Tabelle, in der besonders die Werte der dritten Teil- 
strecke ein augenfälliges Maß für die hier erstaunliche Größe der Wasser- 
vermischung abgeben, 
Teilstrecke 
Im atlantischen Oberstrom 
Auf Auf [Pntfemung 
1000 km | 0.25 %/00 in km: 
Im mittelmeerischem Unterstrom 
Auf Auf [Entfernung 
1000 km | 0.25% | in km 
Rhodos—-Sizilische Straße . . 
Sizilische Straße—Gibraltar . 
Gibraltar —100 km westlich, 
zur Höhe von Cadix . .f 
Höhe von Cadix—SW-Irland 
1600 km 2100 
950 » 1600 
12,5» 100 
—0.36 » y 700 » 2000 
*) 1800 km, weil das atlantische Wasser nicht ganz bis Rhodos verfolgbar ist (siehe S, 5). 
**) Gültig nur für 100 km mit 2.00 %0 Salzgehaltsabnahme. 
B. Auf der Linie Ägyptische Küste-— Schwarzes Meer (Profil IX, Tafel 2). 
Hier können wir an uns nunmehr schon bekannte Verhältnisse anknüpfen; 
im Süden (links) beginnend, finden wir auf der Strecke von der ägyptischen 
Küste bis Rhodos, Stationen 156, 158 und 160, das östliche Stück des Profils I 
wieder. Vor der ägyptischen Küste haben wir die letzten Ausläufer des atlan- 
tischen, salzarmen Oberstromes in 50 m Tiefe, während vor Rhodos die Salz- 
reiche Unter- oder Zwischenschicht, deren Wasser im Winter den Unterstrom 
{und .auch die Bodenschicht) bilden helfen, bis zur Oberfläche reicht. Das 
Bodenwasser hinzu genommen, haben wir also auf Station 156 mit drei Wasser- 
arten, auf Station 158 mit nur zwei Wasserarten es zu tun. Beim weiteren Vor- 
anschreiten. nach Norden sind wir auf Station 163, nordwestlich von Samos 
(siehe Tabelle I, S. 5), berechtigt, nur noch von einer nahezu homohalinen 
Wasserart zu sprechen, die von der Oberfläche bis zum Boden in 1200 m- Tiefe 
reicht. In der Ägäis entstehen offenbar im Winter die wesentlichsten Massen 
der mächtigen Bodenschicht des öÖstlichsten Mittelmeerbeckens, indem sie nach 
Süden über die zwischen Kreta und Rhodos vorhandene Schwelle absinken; 
Näheres hierüber bringt noch die Betrachtung der Wassertemperatur am Meeres- 
boden ($ 5, Schluß). . 
Es springt dann das Profil I_ von der Höhe vor Samos hinüber zur 
griechischen Seite, nach dem Doro-Kanal vor Euboea. Wir begegnen hier einer 
sehr starken Herabsetzung der Salinität an der Oberfläche — 36.5 %9 bis 37.0 %/09 
— bei unverändert hohen Werten von über 38.75. %g in den Tiefen (siehe auch 
Station 182 des »Thor« in der Tabelle I, S. 5), und wir gelangen dann, durch 
die Dardanellen gehend, in ein ähnliches Defilee kleineren Maßstabes wie in 
der Sizilischen Straße: salzarmes Wasser fließt oberflächlich nach Süden zum
	        
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