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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schmidt, W.: Strahlung und Verdunstung an freien Wasserflächen usw. 177 
mit jener Voraussetzung begnügen, kann dann höchstens sagen, daß der in 
Wirklichkeit stattfindende Verlust größer, die eindringende Strahlung : also 
yeringer ist, als es die Rechnung anzeigt. Auch von dieser Seite bleiben 
demnach die Ansätze, die in $ 13 des Hauptteils zur Erzielung von Höchst- 
werten gemacht wurden, unberührt. ; 
$ 27. Wasser als guter Strahler. Es wäre möglich, in unmittelbarem An- 
schluß an die Reflexionsverhältnisse auch die Eigenschaften des Wassers als 
Strahler — die.für uns bedeutend wichtiger sind — abzuleiten. Wir wollen hier 
aber den ausführlichen, mehr Einblick gewährenden Weg wählen, der überdies 
die räumliche Verteilung der Strahlung liefert. . 
Hat das Wasser auch für Strahlen aus dem sichtbaren Teil des Spektrums 
eine wirksame Absorption, so ist die für langwelligere Strahlen doch unver- 
gleichlich viel stärker. Wellenlängen über 1.5 x“ sind nach etwa 1 cm, Wellen- 
längen von 2.7 w schon nach 0.1 mm Weg praktisch vollkommen verschluckt, 
Wegen der niedrigen Temperaturen kommen so lange Wellen in erster Linie bei 
der nächtlichen Ausstrahlung in Betracht. Da nach dem Kirchhoffschen Gesetz 
Absorptions- und Emissionsvermögen eines Körpers einander entsprechen, wäre 
also Wasser für die Ausstrahlung »schwarz«, würde geradeso strahlen wie ein 
vollkommen schwarzer Körper. Ein praktisch gleiches Verhalten hätte übrigens 
auch jedes mehr oder weniger — nur nicht vollkommen — für die in Betracht 
kommenden Strahlungen »durchsichtige« Mittel, nur müßten da durchaus die 
gleichen Bedingungen — in erster Linie Temperatur — herrschen, während so 
bloß die äußerste Schicht in Betracht kommt. 
8 28. Schwächung der Ausstrahlung durch Reflexion und Ausbreitung des 
Strahlenbüschels. Nichtsdestoweniger strahlt aber Wasser oberflächlich weniger 
aus, als die gleiche schwarze Fläche, da auch jeder aus dem Innern austretende 
Strahl! an der Grenzfläche Reflexionsverlust erleidet. Dieser liegt übrigens 
schon gerechnet vor: wegen des in bezug auf den Einfalls- und Brechungswinkel 
vollkommen symmetrischen Baues der für ihn geltenden Fresnelschen Formel 
muß der Verlust eines unter der Neigung h (diese Bezeichnung sei durchwegs 
für die Winkel in Luft gewählt) von oben auftreffenden und — wenigstens teil- 
weise -— unter dem Neigungswinkel h’ (im folgenden auch immer die Winkel im 
Wasser bezeichnend) im Wasser weiterwandernden Strahls gleich sein dem, 
welchen ein diesen Weg in entgegengesetzter Richtung durchmessender erfährt, 
der also von unten her unter dem Winkel h’ an die Oberfläche gelangt und 
diese in der Neigung h verläßt, Zurückgehend auf die Werte der Tabelle 3 
würde ein gerade von unten kommender Strahl 20 Tausendstel durch Reflexion 
verlieren, ein unter 49° 31’ Neigung auftreffender 60 Tausendstel, während alle 
Strahlen mit Neigungen unter 41° 24’ 25” »total« in das Wasser zurückreflektiert 
werden. 
Außer dem Reflexionsverlust erfährt aber die Intensität der Strahlung 
einen weiteren dadurch, .daß sich der Strahlungskegel beim Übergang in die 
Luft ausbreiten muß; beträgt doch im Wasser sein größter Öffnungswinkel nur 
atwas über 97° (das Doppelte des Komplements des gerade erwähnten Grenz- 
winkels auf einen rechten), in Luft aber volle 180°. Der Zusammenhang dieser 
Schwächung mit der Neigung läßt sich folgendermaßen rechnen. Die Strahlungs- 
menge, die innen zwischen den Neigungswinkeln h’ und h’-+ dh’ ausgestrahlt 
wird, also auf einen Raumwinkel 2 xcosh’dh’, wird außen aufgeteilt auf den 
Höhenbereich h und h -+ dh, also den Raumwinkel 2xcosh-dh, Die Intensität 
der unter der Neigung h’ innen ausgesandten Strahlung I(h‘) wird sich zu jener 
der gebrochenen Strahlung in Luft Y'(h) umgekehrt verhalten, wie die Raum- 
winkel, auf welche sich die Strahlung verteilt, also: 
1(h’): I’ (h) = coshdh: cos h' dh’ 
oder mit der Beziehung 1.33 cos h’ = cos h, die uns das Brechungsgesetz darstellt, 
und der daraus abgeleiteten Ah 138 sn, 
dh’ sinh 
1(h') :T (bh) = 1.33?sinh’:sinh. 
Ann. d. Hydr. usw. 1915, Heft 1V.
	        
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