176 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1915,
nur einen, den einfachsten Fall aus der Reihe aller, in denen es auf Bestimmung
des gesamten Energiehaushaltes ankommt.
Der — wenigstens für die niederen Breiten — meist verhältnismäßig geringe
Ausfall an Sonnenstrahlung, den Reflexion am Wasserspiegel verursacht, braucht
schließlich nicht unmerklich zu bleiben. Führt man doch z. B. die Güte an See-
ufern gelegener Weinberge vornehmlich darauf zurück, daß den Hängen auch
die vom See zurückgeworfene Sonnenstrahlung zugute kommt, welch letztere
gerade zu den Zeiten tieferen Sonnenstandes steigt, woraus denn eigentlich eine
Verlängerung der für das Wachstum förderlichen Tagesdauer erzielt wird. Das
organische Leben im Wasser hinwieder erfährt — insbesondere, wenn man der
Intensität strahlender Energie eine gewisse untere Grenze zuschreibt, unter
welcher sie unwirksam bleibt — auf entsprechende Weise, außerdem noch durch
Brechungsverhältnisse gesteigert, eine Verkürzung ihres Tages,
Schließlich kommt es wohl in allen Fällen auch auf Differenzen an, etwa,
daß die Sonnenstrahlung zum größten Teil eine anderweitig verursachte Energie-
abfuhr decken muß. Und da können auch die 4 %, niedrigerer Breiten im Schluß-
ergebnis viel mehr ausmachen — ganz zu schweigen von hohen Breiten mit ihren
von vornherein hohen und jedenfalls klimatisch höchst bedeutsamen Verlusten.
Anhang II. Verhalten des Wasserspiegels gegenüber allseitiger Ein- und
Ausstrahlung.
3 26. War im früheren Abschnitt das Verhalten von Wasserflächen gegen-
über einseitiger paralleler Strahlung, die allerdings nach Ort und Zeit varlierte,
besprochen, so darf daneben doch das gegen allseitige Strahlung nicht ver-
nachlässigt werden. Als solche kommt vornehmlich die diffuse Einstrahlung von
seiten des Himmels und die Ausstrahlung gegen diesen in Betracht,
Verhalten gegen KEinstrahlung. In erster Annäherung nehmen wir die
diffuse Strahlung von allen Seiten des Raumes her (hier zusammengefaßt beiderlei
Strahlungsarten, die in 8 8 und 8 9 besprochen wurden) von gleicher Intensität
an. Die Abhängigkeit des Reflexionsverlustes für jeden einzelnen Strahl von
der Höhe h her, r(h), ist in den Zahlen von Tabelle 3 gegeben!). Bei Bildung
des Gesamtverlustes ist aber zu berücksichtigen, daß wegen der allseitigen
Gleichheit der Intensität der Strahlung solche von geringen Neigungswinkeln
her den größeren Teil ausmacht; man muß, da der Raumwinkel der von den
Neigungswinkeln h und h+dh eingeschlossenen Zone gleich ist 2x cosh - dh, das
Integral bilden:
3
2x (xr(h)eosh dh.
Auf graphischem Wege — ein Verfahren, das durchwegs Anwendung gefunden —
vereinfacht sich dessen Auswertung dadurch, daß man in ein rechtwinkliges Koor-
dinatensystem (xy) eingeht und in diesem x==sinh, y=r(h) macht. Das Integral
1
nimmt dann die Form / ydx an, ist einfachem Planimetrieren zugänglich, So folgt
0
für den Gesamtverlust der Strahlung durch Reflexion 0.173, d.h. über 17%
der Strahlung werden reflektiert.
Die Annahme allseitig gleichförmiger Strahlung erweist sich aber nicht
erfüllt: immer fällt bei meteorologischen Fragen der größere Anteil auf geringe
Neigungswinkel, während die Einstrahlung der Gegend um den Zenit am
geringsten (weniger genau in der geläufigeren Ausdrucksweise: die Ausstrahlung
da am größten) ist. Nur Kenntnis der Verteilung würde genaue Rechnung des
Verlustes erlauben. Bei dem Mangel an Messungen darüber muß man sich aber
ı Obwohl nicht vollkommen exakt, stimmen die für Na-Licht geltenden Zahlen dennoch
yenügena.