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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1915. 
allein, sondern gleichzeitig auch die Erwärmung der Luft erschließen, eine 
insbesondere für die Meteorologie höherer Breiten, dabei aber auch für den 
Gesamtkreislauf der Wärme im Luftmeer wichtige Größe. Im allgemeinen wäre 
ferner die Beschränkung auf bestimmt abgegrenzte aber desto genauer bekannte 
Meeresteile zu empfehlen, ja es wäre wahrscheinlich schon mit unseren jetzigen 
Kenntnissen möglich, das Bild des Energiekreislaufs und der damit zusammen- 
hängenden Umsetzungen ohne Zurückgreifen auf andere Beobachtungen als 
solche der Temperatur und der Strömung auszubauen, Das hätte den außer- 
ordentlichen Vorteil vollkommen unabhängiger Bestimmung derselben Größe auf 
verschiedenen Wegen und böte einen sicheren Maßstab der Zuverlässigkeit aller 
unserer Methoden und Beobachtungen, 
Immerhin mag es da schwierig erscheinen, alle Energieströme, insbesondere 
die der Strahlung, auch im Einzelfall richtig einzusetzen. Je kleiner aber das 
Gebiet, desto einfacher die Kontrolle. Und so wird von allen derartigen Fragen 
die vielumstrittene nach der tatsächlichen Verdunstung eines Sees, die nunmehr 
im wesentlichen mit Thermometern und Instrumenten zur Messung der Ein- und 
Ausstrahlung, aber ohne alle üblichen Verdunstungsmesser zu lösen wäre, als eine 
der aussichtsreichsten erscheinen. 
Der Plan zu derartigen Untersuchungen war schon geraume Weile zu 
einer Reihe von Vorbereitungen gediehen und erwartet seine Ausführung von 
der Einkehr gelegenerer Zeitumstände. 
Anhang I. Zum solaren Klima freier Wasserflächen. 
$ 21. Verluste der Sonnenstrahlung durch Absorption in der Atmosphäre und 
Reflexion am Wasserspiegel. In erster und insbesondere für klimatische Zwecke 
ausreichender Annäherung kann man die strenger nur bei homogener Strahlung 
gültige Formel Iı=C-p!l) auch für die Gesamtstrahlung der Sonne verwenden, 
Die Größe z wird dann für einen bestimmten Ort und Augenblick wesentlich 
von der Sonnenhöhe abhängen. Auch hier genügt die einfache Formel = Zn’ da 
die anderen Ansätze nur bei ganz geringen Höhen merklich abweichende Werte 
liefern. Den auf 1cm, horizontaler Fläche entfallenden Betrag an Sonnen- 
strahlung gibt I,-sinh. Mit diesen Ansätzen hat von allen am ausführlichsten 
A. Angot®) die Gesamtsummen der Sonnenenergie, welche unter verschiedenen 
Breiten während eines einzelnen Tages in den verschiedenen Jahreszeiten der 
Erdoberfläche zugutekommen, berechnet. 
Dessen Zahlen stellen aber nicht ohne weiteres den dem Wasser zugute 
kommenden Betrag dar, denn hier wird ein mehr oder weniger beträchtlicher 
Teil zurückgespiegelt und kann nichts zur Erwärmung beitragen. Fallen die 
Strahlen steil auf, ist die Reflexion gering, sie steigt aber schließlich beträchtlich 
mit zunehmender Schräge jener. Es folgen hier die Zahlen, die ich seinerzeit 
unter Annahme eines Brechungsquotienten 1.333 (für Natriumlicht) durch Rech- 
nung und Experiment?) dafür gefunden, die reflektierte Menge ausgedrückt in 
Bruchteilen r(h) der einfallenden. 
') C Solarkonstante, d.i. Intensität der Sonnenstrahlung an der Grenze der Atmosphäre, 
[, dieselbe an der Erdoberfläche, beide gewöhnlich in g-Kal.’cm? min ausgedrückt, z die durchstrahlte 
Atmosphärenmasse, jene bei senkrechtem Einfall der Strahlen = 1 gesetzt, p der sogenannte Trans- 
missionskoeffizient, der angibt, welcher Bruchteil der Strahlung bei senkrechtem Einfall an die Erd- 
pberfläche gelangt, 
4 Ann, Bur. Centr. France, 1883, I. 
3) Über die Reflexion der Sonnenstrahlung an Wasserflächen, Wien. Sitzber., 777, ITa, v5, 
1908; die Winkel sind hier von neuem unter Anwendung genauerer Tafeln nachgerechnet, daher die 
kleinen Abweichungen. Die Frage war, wie ich erst jetzt sehe, theoretisch schon von Zenker (Die 
Verteilung der Wärme auf der Erdoberfläche, Berlin 1888, 54) behandelt worden, was allem Anschein 
nach wenig Beachtung gefunden hat. Es scheint auch, daß sich in seine Zahlen ein Fehler ein- 
geschlichen. Die theoretischen Werte stimmen übrigens gut mit Messungen, die Ch. Dufour am 
Genfersee angestellt hat.
	        
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