Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915.
Wolfendens!) und Helland-Hansens?®?); hiernach reicht das salzreiche Wasser
westwärts mit mehr als 36%) in rund 1000 m Tiefe bis in die unmittelbare Nähe
Madeiras, mit Werten von mehr als 35.50 bis zu den Azoren, ebenfalls in 1000 m
Tiefe, und also auf Entfernungen, ab Gibraltar gerechnet, von 2000 km. Die
Ausdehnung nach Westen ist hiernach fast doppelt so groß wie die nach Süden.
Der Hauptteil des ausströmenden mittelmeerischen salzreichen Unter-
stromes wendet sich jedoch, offenbar der Wirkung der Erdrotation folgend,
rechts, ‚nach Norden zur portugiesischen Westküste; er quert auch die ganze
Biskaya, so daß wir auf der Höhe von Ouessant vor dem Eingange zum Eng-
lischen Kanal in den Tiefen zwischen 600 und 1200 m ein deutliches Salzgehalts-
maximum finden, das in 1000 m bei Station 80 des »Thor« (Profil I) den Wert
35.77 hat. Ja, es gestatten ältere, ebenfalls an Bord des »Thor«, aber in den
Jahren 1905 und 1906 ausgeführte Messungen Nielsens®) die letzten Spuren der
Beimengung von Mittelmeerwasser bis zur Südwestecke Jrlands unter rund
51° N-Br, 12° W-Lg. zu verfolgen, wo wiederum in 1000 m Tiefe noch ein schwaches
Maximum mit 35.53%9 beobachtet ist: Station 65 vom 15. Juni 1905, bei 1350 m
Gesamttiefe vor dem irischen Schelf mit der Porecupine-Bank gelegen. Die Ent-
fernung von Gibraltar beträgt hier reichlich 2100 km, nicht gerade viel mehr
als bei der Ausdehnung nach Westen,
F. Nansen*) hat nun kürzlich gemeint, Reste solchen »Mittelmeerwassers«
noch erheblich weiter nördlich gefunden zu haben, unter 56° N-Br,, 10° W-Lg.
in der mehr als 2000 m tiefen, zwischen Rockall und der schottischen West-
küste nordsüdlich sich ausdehnenden Rinne, und zwar an ihrem Boden in
2000 m. Dies würde noch rund 550 bis 600 km nördlicher sein als die eben
erwähnte Stelle vor der SW-Küste Irlands und zugleich eine ziemlich plötzliche
Tieferlegung der betreffenden Schicht um 1000 m bedeuten. Die in Betracht
kommenden Beobachtungen Nansens an Bord des »Frithjof« sind nachstehend
mit den Beobachtungen zusammengestellt, die Nielsen an Bord des »Thor«
fast zur selben Jahreszeit, aber fünf Jahre früher, an fast genau derselben
Position angestellt hat.°) Bei der im übrigen ausgezeichneten Übereinstimmung
beider Serien kann ich nicht an die Richtigkeit der Nansenschen Werte für
2000 m glauben, trotz aller von Nansen näher ausgeführten Einzelheiten; es
dürfte vielmehr irgendein nicht erkennbares technisches Versehen oder Ver-
sagen mit dem Wasserschöpfer passiert sein. Auch die Zunahme der Wasser-
temperatur um einen vollen Grad zwischen 1500 und 2000 m würde in dieser
Gegend ein ganz singuläres, durchaus unwahrscheinliches Vorkommen bedeuten.
Tiefe
»Frithjof«-(Nansen)-Station 4 | »Thor«-(Nielsen)-Station 60
56° 13’ N, 12° 13’ W. 6. Juli 1910 " 56° 0’N, 9° 57’ W. 11. Juni 1906
m
to C.
8. on
t°C.
S. 0
0 13.1
500 8.9
1000 7.6
1500 4.4
2000 5.4(2
35.29 11.9
35,32 9.1
35.20 7.8
35.00 m 45
35.38 (?) (1900) 3.5
35.43
35.35
35.32
35.07
34.99
Wenn Amundsen, dessen Beobachtungen vom selben Jahre 1910 Nansen a. a. O.
ebenfalls behandelt, auf seiner »Fram«-Station 12 in 53° N, 16° W. am 26. Juni
1910 aus 1000 m und 1500 m Wasserproben beigebracht hätte, würde man, da
1 Wolfenden, Scientific and biological researches in the North Atlantic. Memoirs of the
Challenger Society, Nr. 1. London 1909, S. 108, 120 (Station 34), 161.
?) Murray und Hjort, The deptles of the Ocean. London 1912. $. 296, 297.
3) J. N. Nielsen, Contribution to the hydrography of the Northeastern part of the Atlantic
Ocean, Meddelelser fra Kommissionen for Havundersögelser, Hydrografi, Bind I, Nr. 9, Kopenhagen 1907.
4) F. Nansen: The waters of the North-eastern North Atlantic. Vgl. Internationale Revue
Hr ‚Hydrobiologie und Hydrographie, 1913; Abschnitt VI: The deep water of the Rockall Channel,
53) Siehe Fußnote Nr. 3 hier oben.