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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Apıil 1915,
Worüber nun hier speziell berichtet werden soll, ist der Umstand, daß nach
dieser Theorie noch heute sich der Abstand zwischen Europa und Nordamerika
in meßbarer Weise vergrößern muß, wenn — wie anzunehmen ist — die Be-
wegung noch unverändert fortdauert. Bei einer Durchsicht der bisher vor-
handenen drei transatlantischen Längenbestimmungen hat sich nun wirklich die
Längendifferenz Cambridge— Greenwich folgendermaßen ergeben:
4b 44m 30,898,
4b 44m 31.0658,
4b 44m 31.128,
Änderung für 26 Jahre. . . . 0.28%.
Diese Beobachtungen scheinen also eine Vergrößerung der Entfernung um
etwa !/,90 Zeitsekunde oder 4m pro Jahr zu ergeben; da der heutige Abstand
etwa 3500 km beiträgt, so würde bei gleichförmiger Bewegung seit der Trennung
ein Zeitraum verstrichen sein, dessen Größenordnung etwa 1 Million Jahre
beträgt, in der Tat übereinstimmend mit dem heute angenommenen Alter des
Tertiärschlusses,
Da indessen die bisher beobachtete Abweichung von 0.23 Sekunden noch
So klein ist, daß sie zur Not aus der Ungenauigkeit der älteren Beobachtungen
erklärbar ist, hat die Internationale Erdmessung auf ihrer Tagung vom Sep-
tember 1912 eine neue Längenbestimmung zwischen Europa und Nordamerika
vereinbart. Da die letzte gegenwärtig bereits 22 Jahre alt ist, und die Methoden
inzwischen zuverlässiger geworden sind, so kann von der neuen Bestimmung
wohl eine definitive Entscheidung der Frage erwartet werden, Das Geodätische
Institut in Potsdam und die »Coast and Geodetie Survey« in Washington teilen
sich in die Arbeit. Erst 1914 wurde preußischerseits die hierzu angeforderte
Summe von 10000 Mark bewilligt — in Amerika machte die Bewilligung weniger
Schwierigkeit — und die Arbeiten haben Mitte Juli 1914 ihren Anfang genommen,
Leider hat der Ausbruch des europäischen Krieges ihre Beendigung vereitelt,
Das Kabel wurde zerschnitten und die Arbeiten mußten abgebrochen werden,
Zu bemerken ist noch, daß nach der Theorie die Abstandsänderung zwischen
Grönland und Europa noch erheblich größer sein muß als die zwischen letzteren
und Nordamerika. Wenn nämlich die Trennung Skandinaviens von Grönland
vor 50000 bis 100000 Jahren erfolgt ist — was etwa der Zeit zwischen der
großen und der letzten Eiszeit nach unseren heutigen Annahmen entspricht —,
und die Bewegung noch heute gleichförmig andauert, so würde, da der heutige
Abstand etwa 1400 km beträgt, aus der Theorie eine Geschwindigkeit von 14 bis
28 m pro Jahr folgen. Nun sind auf der Sabine-Insel (Nordostgrönland) drei
Längenbestimmungen in den Jahren 1828, 1869/70 und 1906/08 ausgeführt worden,
und es zeigt sich hier wirklich eine solche Vergrößerung für die erste Zwischen-
zeit um 2.1s%, für die zweite um 5,6% zusammen um 7.78 oder 950 m, d. h. um
11 m pro Jahr. Leider sind die Bestimmungen hier alle mit Mondbeobachtungen
erhalten, die viel ungenauer sind als die mit dem elektrischen Kabel zwischen
Europa und Nordamerika erhaltenen; deswegen können auch sie trotz ihrer
größeren Zahlenwerte noch immer nicht als strenger Beweis gelten. Mit um so
größerer Spannung wird man dem Abschluß der amerikanischen Längenbestimmung
entgegensehen, welche hoffentlich nach Beendigung des Krieges wieder auf-
genommen werden wird.