accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Wegener, A.: Neuere Forschungen auf dem Gebiet der Meteorologie und Geophysik. 165 
dingen über den Kanonendonner von Antwerpen am 7. bis 9, Oktober 1914 — 
liegt etwa 100 km von der Schallquelle eine zweite, abnorme Hörbarkeitszone, 
die von der inneren, normalen durch eine Zone des Schweigens getrennt ist. 
V. dem Borne hat zuerst die äußere Zone als den von der oberen Wasserstoff- 
sphäre zurückgeworfenen Schall erklärt, der bei dem großen ‚Unterschied der 
Schallgeschwindigkeit in Luft und Wasserstoff besonders kräftig sein muß, Andere 
Forscher haben dem freilich widersprochen und die äußere Schallzone auf abnorme 
Windverhältnisse zurückgeführt; der Streit ist noch nicht beigelegt, doch halte 
ich den Sieg der v. dem Borneschen Ansicht für wahrscheinlich. 
Ein Kriterium geben auch die Sternschnuppen und Meteoriten. Die Licht- 
erscheinung bei ihnen rührt nämlich wesentlich von den atmosphärischen Gasen 
her, die an der Vorderseite der mit »kosmischer« Geschwindigkeit einherrasenden 
Meteoriten bis’ zum intensiven Glühen komprimiert werden. Nun geben die Stern- 
schnuppen, die nach zahlreichen Höhenmessungen etwa bei 150 km aufleuchten 
und bei 80 km Höhe erlöschen, ein relativ schwaches Licht, während die viel 
tiefer hinabdringenden Feuerkugeln (die gemessenen Explosionshöhen liegen hier 
zwischen 70 und 4 km über der Erde) von einer bestimmten Stelle ihrer Bahn 
ab einen starken Lichtzuwachs zeigen. Hieraus ist zu schließen, daß sie bei etwa 
70 km Höhe in ein trägeres Gas eintreten, das sich vor ihnen stärker kom- 
primiert und lebhafter erhitzt. Mit dem Lichtzuwachs geht auch ein Farben- 
wechsel von grünlich- oder bläulichweiß nach rot Hand in Hand — gleich- 
falls eine Bestätigung für die verschiedene Natur der Gase oberhalb und unter- 
halb dieser Höhe. Auch stimmt die Art der Farbe, da im Spektrum des 
Wasserstoffs für das Auge die grünen Linien, im Spektrum des Stickstoffs die 
roten vorherrschen. Zweimal ist es auch zufällig gelungen, die Spektra von 
Sternschnuppen zu photographieren; die übrigens nicht ganz leicht zu deutenden 
Spektrogramme zeigen anscheinend das einemal die Wasserstoff-, das anderemal 
die Stickstofflinien. ; 
Eine weitere Bestätigung liefern auch die sehr großen Höhen der Polar- 
lichter, von denen weiter unten ausführlich die Rede sein wird. Lenard hat 
nämlich gezeigt, daß für das Zustandekommen der Leuchterscheinung beim Polar- 
licht ein Mindestluftdruck vorhanden sein muß, dessen Größe er durch Labora- 
toriumsversuche bestimmte. Lassen wir nun den Wasserstoff bei der Zusammen- 
setzung der Luft außer acht, so ergeben sich für die gemessenen Polarlichthöhen 
viel zu kleine Drucke, dagegen sind diese hinreichend groß, wenn der Wasser- 
stoff in dem oben angegebenen Sinne berücksichtigt wird. 
Auch im Spektrum des Polarlichts, das übrigens noch manche Rätsel birgt, 
zeigen sich neben den Stickstofflinien die Wasserstofflinien, und zwar, wie 
Carlheim-Gyllenskjöld feststellte, mehr in den oberen als in den unteren Teilen 
der fast vertikalen Strahlen, während bei den Stickstofflinien die Verteilung die 
umgekehrte ist. 
Es läßt sich nicht leugnen, daß alle diese Anzeichen für die Realität der 
oberen Wasserstoffzone, einzeln genommen, unsicher sind. In ihrer Gesamtheit 
bilden sie‘ aber durch die Übereinstimmung so vieler unabhängiger‘ Kriterien 
einen starken Beweis, 
Ein erheblich größerer Grad der Unsicherheit haftet der weiteren, von 
mir aufgestellten Hypothese an, daß über dieser Wasserstoffzone noch eine Zone 
eines unbekannten, noch leichteren Gases, des Geokoroniums, liegt. Hier handelt 
es sich nur noch um die Deutung von schwachen Fingerzeigen; vor allem legt 
die rätselhafte grüne Spektrallinie des Polarlichts, die zu keinem bekannten 
Element passen will (mit Ausnahme des schweren Gases Krypton, das aber wegen 
seines Gewichts in diesen Höhen nicht vorkommen kann), es nahe, ein solches 
neues Gas anzunehmen. Im sogenannten periodischen System der Elemente 
befindet sich eine schon von Mendelejeff aufgezeigte Lücke, die durch das 
Geokoronium ausgefüllt würde. . Endlich würde die Erdatmosphäre hierdurch 
einen Aufbau bekommen, welcher dem der Sonnenatmosphäre (Wassertoff) und 
ihrer Korona (Koronium, gleichfalls unbekannt und leichter als Wasserstoff) ganz
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.