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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schott, G.: Die Gewässer des Mittelmeeres, 
Durch die Gibraltar-Straße herein zieht das atlantische Wasser mit 
etwa 36.10 bis 36.20%,,; dagegen besitzt das diesem Engpaß in den Tiefen von 
150 bis 400 m von Osten her sich nähernde Mittelmeerwasser des Unterstromes 
einen Salzgehalt von 38,35 bis 38.25%g und stürzt sich demgemäß jenseits der 
Schwelle wie ein gewaltiger 600 m hoher Wasserfall in die größeren Tiefen des 
Atlantischen Ozeans hinab, seine durchschnittliche Tiefenlage auf 1000 m erhöhend, 
aber noch in 2000 m nachweisbar. Die Isohalinen stehen an der Außenseite der 
Gibraltar-Enge nahezu senkrecht (!). Daß bei dem turbulenten Vorgang eine 
starke Vermischung mit atlantischem Wasser eintritt, erkennen wir an der plötz- 
lichen Herabsetzung des Salzgehaltes von 838.25°,, im Mittelmeer (400 m). auf 
etwa 36.25% 9 im Ozean (1000 m). Trotz etwas höherer Temperatur bleibt das 
Mittelmeerwasser das schwerere; das durch die Gewalt des Herabsinkens des Unter- 
stromes förmlich herangesaugtc kalte atlantische Wasser, das durch seine spezi- 
fischen Eigenschaften sich in den Tiefen von 200 bis 800 m am deutlichsten 
verrät (siehe Tafel 1), bringt es nur auf 35.75%,) und weniger. So kommt es, 
daß »Thor« zwischen Kap Spartel und Kap San Vincent auf Station 89 in 36° 
28' N-Br. 8° 22’ W-Lg. beobachten konnte 
in 500m 11° Wassertemperatur mit 35.63% 9 Salzgehalt, 
« 1300 m 12° « « 36,67% 0 « ; 
also eine positive Temperaturzunahme mit der Tiefe um 1° wozu man die im 
Profil I an dieser Stelle punktiert eingetragenen Isothermen vergleiche. Zweifellos 
wird uns durch den höchst merkwürdigen Verlauf der Linien gleicher Wärme 
und gleichen Salzgehaltes hier ein großartiges Schauspiel des Weltmeeres ent- 
hüllt, wie wir es in diesem Ausmaße bisher aus keiner anderen Ozeangegend 
kennen; höchstens die Straße Bab el Mandeb am Ausgang des Roten Meeres 
könnte etwas Ähnliches bieten. 
Wo im einzelnen jeweils die Grenze zwischen atlantischem und mittel- 
meerischem Wasser liegt, vermag man ohne Strommessungen selten, manchmal 
aber doch ziemlich genau anzugeben. Wenn »Thor« z. B. auf Station 97 in 35° 
50’ N-Br. 5° 59’ W-Lg. nördlich von Tanger folgendes findet: 
Tiefe 
in 175m. . 
in 200m. . 
14.10 
13.71 | 
36.11 
37.25 | 
De 
4,84 
4.46 
0, 
10 | 
3 
77 
' 
so muß die Grenze für beide Wasserarten zwischen 175 und 200 gelegen haben. 
Die Temperaturwerte nützen hierbei wenig, wohl aber reden die Unterschiede 
im Salzgehalte und im absoluten sowie relativen Sauerstoffgehalt eine deutliche 
Sprache: das Wasser des Unterstromes ist, wie es seiner Lage und seinem Laufe 
entspricht, erheblich sauerstoffärmer als das des Oberstromes. ‚Weitere Einzel- 
heiten über den durch die Gibraltar-Straße vermittelten Wasseraustausch zweier 
Meere bleiben 88 7 und 8 vorbehalten. 
So gewaltsam nun der Eintritt des Mittelmeerwassers in die atlantischen 
Tiefen erfolgt, so weitreichend gestalten sich auch seine Fernwirkungen. ‚Es 
breitet sich nach Süden, nach Westen und nach Norden hin aus, Nach Süden 
zu kann es, wie die von S. M. S, »Möwe« 1911 angestellten Beobachtungen er- 
geben!), in mächtiger Ausdehnung und mit Werten von mehr. als 36.25 90 bis 
zur Höhe von Mogador, in Spuren bei Werten von mehr als 35.50°,, in 1000 m 
Tiefe noch bis zur Breite der Kanarischen Inseln (28° N-Br.) verfolgt werden, 
also bis auf Entfernungen von rund 1200 km ab Gibraltar. Die Ausdehnung des 
mittelmeerischen Unterstromes nach Westen kennen wir aus den Beobachtungen 
i) Die Forschungsreise S. M, S, »Möwe« 1911, .A.: Ozeanographie, von Schott und Schulz; 
‚Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte«, Hamburg 1914, Nr. 1, S. 45 bis 47 und Tafel 3. Vgl. auch 
Schlenzka, Wissenschaftliche Forschungen auf der Ausreise S. M. S. »Möwe« in den Annalen der 
Hydrographie 1913, 8.5 bis 6.
	        
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