55
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1915.
Die vorliegenden Salzgehaltswerte wurden auf eine Arbeitskarte ein-
getragen, von deren Veröffentlichung jedoch Abstand genommen wurde, da das
Material noch nicht ausreichend genug erschien, eine neue Karte der Salzgehalts-
verteilung im westlichen Stillen Ozean zu entwerfen. Die letzte Karte, sämtliche
Ozeane umfassend, ist 1902 von G. Schott auf Grund der Aräometerbeobachtungen
vornehmlich der großen Expeditionen und eigener Beobachtungen gezeichnet
worden!), eine Spezialkarte der ostasiatischen Gewässer in größerem Maßstabe
hat gleichfalls G. Schott im Jahre 1893 entworfen ®), die aber zum Teil von der
Weltkarte überholt ist. Die Zeichnung der Isohalinen nördlich von 10° N-Br,
auf der Schottschen Karte dürfte auch nach den neuen Salzgehaltsbestimmungen
meist zu Recht bestehen, nur der Verlauf der 35° ,,-Isohaline geht nach den
von Oberlt. z. S. Hormel gesammelten Proben von den Philippinen aus nach
ONO und kreuzt die Mariannen etwa in 18° N-Br.; daß auch in diesem von der
35% 9-Isohaline umschlossene Gebiet Erniedrigungen unter 35°%.o vorkommen,
zeigen einige Proben von der Reise S, M, S. »Planet« nach Tsingtau 1912.
Wesentliche Änderungen dürfte die Karte von Schott südlich von 10° N-Br.
erfahren. Die hier gezeichnete Zunge hohen Salzgehalts über 35° %,g, die sich
von Südosten über den Äquator zwischen Neu-Guinea und den Karolinen vor-
schiebt, ist nicht vorhanden. Der Salzgehalt sinkt in diesem Gebiet unter 34,5% 9,
zeitweise nach heftigen Regengüssen sogar unter 34.0%,. Der mittlere Salzgehalt
des Gebiets zwischen Neu-Guinea und den Karolinen wird wahrscheinlich zwischen
34.25% 9 und 34,5% 9 liegen, die Schwankungen nach oben wie nach unten sind
beträchtlich, namentlich auch im Gebiet zwischen dem ÄAquator und dem nord-
westlichen Neu-Guinea, wo räumlich dicht beieinander liegende Beobachtungen
zeitliche Unterschiede von 1%.) aufweisen, Ob diese Unterschiede nur durch das
Vorwiegen oder Fehlen von Niederschlägen bewirkt werden, oder ob auch jahres-
zeitliche Änderungen des Salzgehalts vorhanden sind, kann erst später, wenn das
Material reichhaltiger geworden ist, entschieden werden,
Von der Insel Neu-Pommern südwärts gehend, nimmt der Salzgehalt zu
(34.5 °%o bis 35.0% 09) in etwa 16° S-Br. überschreitet er 35°, in etwa 24° S-Br.
35.5°% 0... Wahrscheinlich erhöht sich zu bestimmten Zeiten der Salzgehalt östlich
von Australien auf 36%, meist aber liegt der Maximalwert unter 36/09.
Die von »Planet« beobachteten Oberflächentemperaturen auf der Fahrt
zwischen Tsingtau und Kelung (auf Formosa), zeitweise in Abständen von zwei
Stunden ausgeführt, veranschaulichen den großen jahreszeitlichen Unterschied in
der Erwärmung der Meeresoberfläche in diesen Gebieten. Die Fahrt von Kelung
nach Tsingtau erfolgte Anfang Februar, die Rückfahrt Anfang Mai, In der nach-
folgenden kleinen Tabelle sind für einige Punkte die Temperaturen gegenüber-
gestellt: -
Februar 1912.
Einfahrt nach Tsingtau, . , tw = 1.2° — 2.69
In etwa 33° N-Br., 123° O-Lg. tw= 6°
In 28° N-Br. Küstennähe . . tw= 7°
In Kelung-Hafen , .. . . tw= 14° — 16°
Mai 1912,
Ausfahrt von Tsingtau . . tw = 10.0° — 11,9%
In etwa 34° N-Br., 123° O-Lg. tw = 12°
In 28° N-Br., 12314° O-Lg. tw = 18°
In Kelung-Hafen . . . . tw=23°— 25°
Die Temperaturverhältnisse sind zusammenfassend von G. Schott in der
oben angeführten Arbeit über die ostasiatischen Gewässer behandelt worden, die
von »Planet« erhaltenen Werte fügen sich gut in das von Schott für die ein-
zelnen Monate entworfene Isothermenbild ein, bringen aber die Erkaltung des
Küstenwassers in den Wintermonaten noch prägnanter zum Ausdruck als die auf
Durehschnittswerten beruhenden Monatskarten.
;) Petermanns Mitteilungen, 1902, Tafel 19.
2) Petermanns Mitteilungen, Ergänzungsheft 109, 1893,