Brennecke, W.: Ozeanographische Arbeiten S. M. S. »Planet« im westl. Stillen Ozean 1912/13. 151
Bewegung gesetzt wird, ausgelöst wird. Bei den großen Tiefen ist der Zug des
langen Lotdrahtes nebst den Instrumenten ein so großer, daß langsam eingehievt
werden muß, will man nicht einen Bruch des Lotdrahtes herbeiführen, Da nun
eine bestimmte Geschwindigkeit durch das Wasser erforderlich ist, um den
Propeller in Bewegung und damit das Thermometer zur Auslösung zu bringen,
so erscheint es nicht ausgeschlossen, daß zuweilen das Thermometer nicht recht-
zeitig — dicht über.dem Boden des Meeres — ausgelöst ist, sondern erst in
geringeren Tiefen, Dies dürfte Temperaturdifferenzen von mehreren Zehntel-
graden, wie sie bei den Stationen Nr. 19 und 20 sowie Nr. 35 und 36 auftreten,
erklären. Eine Beeinflussung der Thermometerangaben durch den großen Wasser-
druck in den Maximaltiefen ist durch das umhüllende Schutzrohr vermieden, so
daß die Angaben selbst als richtig angenommen werden müssen. ;
Die Gründe der Temperaturerhöhung mit wachsender Meerestiefe in ab-
geschlossenen Meerestiefen hat Schott in der oben erwähnten Abhandlung
dargelegt. Hier sei noch erwähnt, daß auch die neuesten Messungen, Stationen
504 bis 506, die hohen Temperaturen in den großen Tiefen des Neu-Pommern-
Grabens bestätigen, die diejenigen gleicher Tiefe des Philippinen-Grabens über-
treffen. Dies dürfte eine Folge- der Schwellenabschließung des Gebiets südlich
von Neu-Pommern und westlich Bougainville sein, indem der Zufluß kalten
Tiefenwassers verhindert oder stark gehemmt ist, so daß wir in 4000 m um
mehrere Zehntelgrade höhere Temperaturen antreffen als im Philippinen-Gebiet.
(Ygl. auch Tafel 15 Fig. 3 in »Ann. d. Hydr. usw.« 1914.) N
Der Salzgehalt des Bodenwassers scheint in den Tiefen von mehr als
3000 m überall der gleiche zu sein. Die einzelnen Salzgehaltswerte, die hier auf
der Deutschen Seewarte aus den in Flaschen mit Patentverschluß gesammelten
Wasserproben bestimmt worden sind, schwanken zwar zwischen 34.61 und 34.78 9/0,
jedoch dürften die Unterschiede lediglich auf Ungenauigkeiten zurückzuführen
seiny so ergibt sich z. B. bei Station 22, Tiefe 5312 m, ein Salzgehalt von 34.63 %/0o
bei Station 23, Tiefe 5317 m, ein Salzgehalt von 34.78 %.0. Einerseits ist ebenso
wie beim Propellerrahmen ein verspätetes Schließen des Schöpfers bei langsamem
Hieven möglich, anderseits ist bei der Wasserentnahme aus den älteren Sigsbee-
Schöpfern (ohne Ablaßhahn) leicht eine Vermischung mit dem an den Außen-
wänden anhängenden Wasser möglich, Der wirkliche Wert des Salzgehalts des
Bodenwassers dürfte etwas unter 34.70 9/., liegen.
B. Die Ergebnisse der Reihenbeobachtungen (vgl. hierzu Tabelle II auf 5S..153).
Die Reihenmessungen, die »Planet« 1912/13 im westlichen Stillen Ozean
ausgeführt hat, ergänzen die früheren Messungen in diesem Gebiet, Die Stationen
1 bis 9 liegen nördlich vom Äquator und wurden bei der Fahrt des Schiffes
nach Tsingtau und zurück gewonnen; die drei letzten Stationen 10, 11 und 507
liegen zwischen 0 und 10° S-Br. Die einzelnen Bestimmungen sind von dem
Bearbeiter kritisch gesichtet worden, da sich, anscheinend durch mangelhaftes
Funktionieren der Schöpfer, eine größere Anzahl von Fehlern fand, indem in
größeren Tiefen zu hohe Beträge des Salzgehaltes festgestellt worden waren, .In
den meisten Fällen handelt es sich um Wasserproben, die mit dem Ekman-Schöpfer
entnommen worden waren, der wahrscheinlich nicht fest geschlossen hatte, so daß
das Wasser -der Tiefe mit Wasser der Oberflächenschichten vermischt worden
war. Die Temperaturangaben sind in solchen Fällen meist brauchbar.
. Die kritische Sichtung wurde erleichtert, da wir für die in Frage kommenden
Gebiete hydrographische Querschnitte besitzen, aus denen die allgemeine Verteilung
der einzelnen Elemente in den Tiefenschichten zu ersehen ist. Für das nördliche
Gebiet finden sich Temperatur, Salzgehalt- und Dichte-Schnitte in „Forschungsreise
S.M. S. »Planet« 1906/07 Bd. III, Ozeanographie, auf den Tafeln 29 bis 31 für 0° bis
25° .N-Br.; für das Gebiet südlich des Äquators in den Annalen: der Hydrographie
1910, Tafel 34 und 1911 Tafel 29, ; . ;
Station 1 (1912) liegt in fast gleicher Position wie Station 306 (1907). ‚Die
großen Züge in der vertikalen Verteilung von Temperatur .und Salzgehalt sind
die gleichen zuf beiden Stationen: Die unter. der Oberflächenschicht lagernde