Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915,
Bei weiterer Verfolgung des Profiles I nach links, also nach Nordwesten
durch das Jonische Meer, im Süden von Malta vorbei zur Straße zwischen Tunis
und der Westecke Siziliens, erkennen wir an den mehrfachen, langgestreckten
schmalen Zungen von immer salzärmer werdendem Wasser, wie immer ent-
schiedener das atlantische Wasser in der Oberschicht zur Herrschaft gelangt;
ungefähr 90 Sm östlich von Malta hat die Meeresoberfläche nur noch 38.00 % 0
in 25 m sind gar nur 37,75%, während wir in 200 m Tiefe bei 38.75°%) uns
schon mitten im starksalzigen Unterstrom befinden. Der Unterstrom hat jedoch
schon etwas an Salz eingebüßt, wenn auch nur wenig,
Die lange Durchfahrt nördlich von Malta hinaus zum Beginn des großen
westlichen Beckens bietet mehrere beachtenswerte Eigenschaften, erstens schon
durch ihre Bodengestalt. Die Tiefen überschreiten, von einigen bis 800 m tiefen
Löchern zu beiden Seiten Pantellarias abgesehen, im allgemeinen 400 m nicht,
so z. B. in der sogenannten Sizilischen Straße (Station 138), die im Osten durch
die an Sizilien gelehnte, ausgedehnte Adventure-Bank eingeengt ist; die direkt
zum Westbecken hinausführende Skerki-Durchfahrt weist meist nur 100 m Tiefe
auf und ist so schmal, daß Nielsen mit Recht annimmt, daß diese Passage für
den Wasseraustausch zwischen West- und Ostbecken nicht nennenswert in Be-
tracht kommt. Deshalb auch ist das Profil I dicht um die Westkante der Adven-
ture-Bank herum nach Norden hinaus zunächst in die SW-Ecke des Tyrrhenischen
Meeres geführt (Station 131) und biegt dann erst hart nach W, genauer SW,
um zu der 150 Sm breiten Strecke zwischen Südsardinien und der Küste von Tunis,
Eine Folge nun der allgemeinen Erhebung des Bodens bis 400 m in der
Passage zwischen Sizilien und Tunis besteht darin, daß die Bodenwasserschicht
(im Sinne unserer ersten Einteilung S. 4), die im tiefen Ostbecken sich findet,
hier in der Straße von Sizilien ganz fehlt, und nur die Ober- und Zwischen-
schicht, also nur der »atlantische« Oberstrom mit SO-Richtung und der »mittel-
meerische« Unterstrom mit NW-Richtung vorhanden sind, Mit anderen Worten:
Die großartigen Vorgänge, die die Enge von Gibraltar unter inten-
siver Ausbildung zeigt (S. 7), haben ihr Gegenstück oder, wenn man
will, ein Vorspiel in allerdings abgeschwächter Form schon in der
Sizilischen Straße. Wäre diese Straße schmäler, so würden die Erscheinungen
voraussichtlich auch dem Grade nach noch ähnlicher denen der Gibraltar-Enge
werden. Ferner scheint die Bodengestalt in gewissem Maße auf den Verlauf der
Isohalinen zu wirken; wir können wenigstens die eigentümlichen Ausbiegungen
der (unteren) 38.50-Isohaline zwischen Sardinien und Bizerta bei Station 131
bis 133 so deuten, daß mit abnehmender Tiefe die Flächen gleichen Salzgehaltes
nach oben ausweichen, mit zunehmender sich etwas senken,
Auf der zweiten, kleineren Hälfte des ganzen Weges Rhodos— Gibraltar —
sie ist von Tunis ab gerechnet 1600 km lang gegenüber 2100 km für die Strecke
Rhodos— Tunis — finden wir wieder den ostwärtsziehenden atlantischen Ober-
strom und von rund 100 bis 200 m ab und von 838.00% 9 Salzgehalt ab den
nach Westen gerichteten mittelmeerischen Unterstrom, der in der Tiefe von etwa
500 m seine deutlichste Ausbildung hat, wie wir den weit sich vorstreckenden
Isohalinen von 88.40 und 38.39 entnehmen (Tafel 1). Das Profil verläuft parallel
zur algerischen Küste, und zwar nicht weit ab von ihr; im Osten, zwischen
Bizerta und Algier, ist es auf zwei Winterstationen des »Thor« aufgebaut, da
entsprechende Sommerbeobachtungen fehlen. Es zeigt sich für die Tiefen-
verhältnisse diese Kombinierung als statthaft. Der Unterstrom, dessen Vorhanden-
sein Nielsen für die ganze Strecke Bizerta—Gibraltar auffälligerweise ablehnt,
tritt klar heraus; wir erhalten damit auch eine vollkommene Analogie zu den
Verhältnissen des Jonischen Meeres. Übrigens mögen, wie Nielsen will, sehr
erhebliche Wassermassen der salzreichen Zwischenschicht gemäß der Wirkung
der Erdrotation nach Norden ausbiegen und die Gegenden zwischen den Balearen
und Sardinien füllen (Profil V auf Tafel 3). Der atlantische Oberstrom aber,
dem eine Mächtigkeit von gut 100 m hier eigen ist, führt Wasser von weniger
als 37% 9 östlich von Algier, von weniger als 36.50°/,, auf der westlich davon
befindlichen Strecke (siehe auch Statiorı 108 in der Tabelle I, S. 5).