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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1915.
weder bei diesen Lotungen noch bei den nächsten Lotungen querab von der
Inselkette und von Nord-Luzon gefunden, jedoch ist ein Vorhandensein solcher
Tiefen hier nicht ausgeschlossen, da die Entfernung der einzelnen Lotungen von-
einander der beschränkten Zeit wegen ziemlich groß gewählt werden mußte,
Daß auch in diesem Gebiet Höhen-, und Talzüge wechseln, ergeben die Tiefen
der einzelnen Lotungen, indem z. B. in der Nähe der Inseln 4931 m, weiter nach
See zu 3516 m und schließlich Tiefen über 5000 m gefunden wurden. Die Isobathen,
die in diesem Gebiet zwischen Liu-kiu-Graben und Philippinen-Graben gezogen
sind, dürften bei weiterer Auslotung wohl noch mannigfache Änderungen erleiden.
Unser Hauptinteresse beanspruchen die südlich von 15° N-Br. östlich der
Philippinen ausgeführten Lotungen 5. M. S. »Planet«, die die früheren Arbeiten
des Schiffes aufs beste ergänzen. Als »Planet« im Jahre 1907 diese großartige
Grabensenkung am Ostrande der Philippinen aufdeckte, wurde als größte Tiefe
8900 m gelotet. Die Lotungen über 8000 m Tiefe waren seinerzeit ziemlich
schwierig, da das Gewicht der Lotkörper nur 28 kg betrug, so daß die Grund-
berührung leicht zweifelhaft war. Diesem UÜbelstande hat »Planet« bei seinen
letzten Lotungen im Philippinen-Graben dadurch abgeholfen, daß er den Lot-
gewichten ein Gewicht von 8 kg Blei zufügte, was die Durchführung der Lotung
erleichterte und dadurch, daß der Augenblick der Grundberührung exakt fest-
zustellen war, auch Verluste von Lotdraht und Instrumente vermied. So ist
während der ganzen Reise Matupi— Tsingtau — Matupi nicht ein einziger
Verlust an Instrumenten vorgekommen, trotzdem von Juli 1911 bis
Juni 1912 850000 m Draht bewegt wurden. Gewiß eine gute Leistung!
Durch die jüngsten Lotungsarbeiten von »Planet« sind wir in erster Linie
über die tiefsten Einsenkungen des Philippinen-Grabens unterrichtet worden. An
vier verschiedenen Stellen wurde eine Tiefe von mehr als 9000 m gefunden und
hierbei die größte, überhaupt jemals gelotete Meerestiefe von 9788 m
in 9° 56’N-Br., 126° 50’ O-Lg. festgestellt!). Es sei hierbei daran erinnert,
daß »Planet« im Jahre 1906 auch die größte bislang festgestellte Tiefe im
Indischen Ozean lotete; diese beträgt 7000 m und liegt südlich von Java im
Sunda-Graben.
Auf Tafel 10 sind eine Anzahl Profile zusammengestellt, welche neben dem
schon erwähnten Profil der Tiefen östlich Formosa die Böschungsverhältnisse
der einzelnen Teile des Philippinen-Grabens vor Augen führen, Profil B (Tafel 10)
zeigt einen Querschnitt durch den nördlichen Teil des Grabens, Profil C (Tafel 10)
den Abfall bei Mindanao zur größten Tiefe und Profil D (Tafel 10) einen Quer-
schnitt bei Süd-Mindanao, letzteren auf Grund der Lotungen, die »Planet« 1907
ausgeführt hat. Die Profile zeigen übereinstimmend den steilen Abfall der
landwärts befindlichen Böschung, die Böschungswinkel von 7° aufweist. In
Wirklichkeit werden die Böschungen aber noch steiler verlaufen, da die Lotungen
so spärlich sind, daß nur mittlere Winkel ermittelt werden können. Für die
Steilheit der Böschungen kommt auch die Genauigkeit der Positionsbestimmung ®),
für die wirklich erreichte Tiefe ferner die Größe der Abtrift in Betracht, da
bei einer Tiefe von 9000 m ein Fehler von 2%, schon eine Tiefendifferenz von
180 m bewirkt.
So enthüllen uns die Lotungen nicht alle Einzelheiten dieser gewaltigen
untermeerischen Schlucht, die in einer Länge von über 600 Sm der Ostküste der
südlichen Philippinen angelagert ist, sondern geben uns nur die Hauptzüge des
Reliefs. Daß diese großen Züge aber in vortrefflicher Weise durch die Lotungen
S. M. S. »Planet« herausgearbeitet sind, das zeigt uns die Tiefenkarte, die unter
Zugrundelegung der neuesten Monatskarte hier veröffentlicht wird (siehe Tafel 10).
Ob die bei den 1907 von »Planet« ausgeführten Lotungen festgestellte Stufe in
5000 bis 6000 m Tiefe (vgl. Profil D) nur an der dort ausgeloteten Stelle des
Grabens vorhanden ist und bei den anderen Profilen wegen des Fehlens von
1) Daß die gelotete Tiefe einwandfrei ist, ergibt sich daraus, daß eine Grundprobe hoch-
gebracht wurde.
2) Einerseits des Schiffes selbst, anderseits der den Lotungen zugrunde liegenden Seekarte,
aus der die Land- bzw. Schelf-Punkte entnommen werden.