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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1915. 
Adria hinein. Profil IV, Tafel 3, berücksichtigt das Tyrrhenische Meer längs einer 
Linie Tunis—Genua, das letzte (Profil V, Tafel 3) endlich das große Westbecken 
oder die Balearischen Gewässer von Algier bis Genua. Alle diese fünf Profile, 
deren geographische Lage aus der Textfigur ersichtlich wird, sind in ihren 
Dimensionen untereinander ohne weiteres vergleichbar; sie sind für die vor- 
liegende Arbeit selbständig entworfen. Für alle fünf Profile wurden, mit allei- 
niger Ausnahme dreier Stationen an der algerischen Küste, nur Beobachtungen 
vom Sommer benutzt; sie gelten also zunächst auch nur für die sommerlichen 
Zustände. , 
Bei der mittelmeerischen Ozeanographie zeigt sich überaus deutlich die 
alles überragende Wichtigkeit des Salzgehaltes als des wichtigsten Kenn- 
zeichens der verschiedenen Wasserarten; daher sind in den Profilen im allgemeinen 
nur die Linien gleichen Salzgehaltes ausgezogen, die Temperaturen jedoch, soweit 
tunlich, beigeschrieben. Wegen der starken jahreszeitlichen Schwankung der 
Wärmegrade im Mittelmeer würde man, lediglich auf die Temperaturen an- 
gewiesen, auch nicht annähernd so verhältnismäßig schnell zu eindeutigen Ergeb- 
nissen gelangt sein. 
$ 2. Die vertikale Verteilung des Salzgehaltes. 
A. Auf der Linie Rhodos— Gibraltar (—Ouessant). Profil I, Tafel 1. 
Wenn wir das Hauptprofil I Rhodos—Gibraltar im ganzen überblicken, 
so lassen sich fast überall nach der senkrechten Verteilung des Salzgehaltes drei 
Wasserarten unterscheiden (s, auch Tabelle I, S. 5): ; 
a) eine relativ schwachsalzige Oberschicht bis 100, gelegentlich wohl 
bis 200 m, mit oft deutlich ausgeprägtem Salzgehaltsminimum in rund 50 m Tiefe; 
b) eine starksalzige Zwischenschicht von 100 bis 600 m, auch 800 und 
1000 m Tiefe, mit dem Salzgehaltsmaximum in 300 bis 500 m; 
c) unterhalb von etwa 1000 m bis zum Boden!) eine meist sehr mächtige 
Bodenschicht mit — praktisch genommen — konstantem Salzgehalt, dessen 
absoluter Wert aber nur um 0.20 bis 0.05 % niedriger als der in dem darüber 
liegenden Teile der salzreichen Zwischenschicht zu sein pflegt; wenigstens gilt 
dies für das Mittelmeer selbst. Die Unveränderlichkeit des Betrages ist das 
Wesentliche. 
Im Prinzip hat man die gleiche vertikale Salzgehaltverteilung auch auf der 
angrenzenden Strecke des Atlantischen Ozeans Gibraltar—Ouessant. Wir lassen 
nun zunächst die große Bodenwasserschicht außer Betracht. Wenn wir dann 
die seit langem bekannte Tatsache einer Ober- und Unterströmung in der 
Gibraltar-Straße sozusagen als Leitmotiv uns vergegenwärtigen, so erkennen wir 
leicht in der schwachsalzigen Oberschicht die bis zur ägyptischen 
Küste reichenden Fernwirkungen der Einströmung des atlantischen 
Wassers nach dem Mittelmeer, in der bei der Levante beginnenden 
starksalzigen Zwischenschicht aber das fern im Ostbecken liegende. 
Ursprungsgebiet für die Ausströmung des mittelmeerischen Wassers: 
nach dem Atlantischen Ozean. Schon die sichere Festlegung der räumlichen 
Ausdehnung des »atlantischen Oberstromes« und des »mittelmeerischen Unter- 
stromes« ist durchaus neu; aus den »Thor«-Messungen können wir von Schritt 
zu Schritt ihren Verlauf und ihre Veränderungen, auch die stellenweise auf- 
tretenden kleinen Abweichungen von der Grundregel ablesen, 
Die letzten, aber sehr deutlichen Spuren atlantischen, an dem relativ 
niedrigen Salzgehalt von weniger als 38.50 °/, erkennbaren Wassers fand »Thor« 
im Juli 1910 bei Stat. 156 in 32° N-Br. 27° Ö-Lg. etwa 50 Sm nördlich von der 
ägyptischen Küste, rund 200 Sm westlich von den Nilmündungen, und zwar nicht 
mehr an der Oberfläche, wo bei über 25° C Temperatur schon über 39 % 9 Salz 
beobachtet wurde, sondern nur noch in 50 m Tiefe, bei einer Tempveratur 
') Die Profile, die höchstens bis 2000 m reichen, lassen die volle Mächtigkeit dieser wasser- 
reichsten Schicht nicht erkennen.
	        
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