122 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915.
offenen Meere in verschiedenen Breiten wiedergeben. Seine Werte lieferten nach
einem graphischen Ausgleich, der zur Erlangung der besten für die genauen
Parallelkreise gültigen Zahlen notwendig war, die Werte der Zeile 12 der Tabelle.
In ihnen ist, soweit möglich, auf das Gebiet der Monsune mit ihrer wegen ge-
ringerer Windstärke niedrigeren Verdunstung Rücksicht genommen.
Das erste Ergebnis des Vergleichs unserer Werte mit denen Lütgens’ ist,
daß die letzteren durchweg zu hoch sind. Die für solche Verdunstung not-
wendigen Energiemengen sind überhaupt nicht vorhanden, nicht einmal
bei den so günstigen Annahmen unseres Ansatzes, Diese Abweichung ist für
jeden verständlich, der weiß, wie schwierig bei Verdunstungsmessungen die
natürlichen Bedingungen herzustellen sind, wie es insbesondere noch nicht ge-
lungen, ja kaum recht versucht ist, auch den Energiezufluß entsprechend zu regeln.
Als Relativwerte aber sind die Zahlen von Lütgens auch für uns
außerordentlich wertvoll. Sie zeigen den ausschlaggebenden Einfluß von Luft-
bewegung, die zu zwei Zonen maximaler Verdunstung in den Passatregionen
führt. Sie zeigen auch, daß unser Ansatz, der ja nichts von Windwirkung zu
enthalten braucht, da er nur Energien berücksichtigt, verbesserungsbedürftig
ist. Berücksichtigen wir nun, daß der Wert, den Lütgens für die äquatorialen
Stillen fand, nur unbedeutend über unserem liegt, die für die Passatzonen aber
bedeutend höher sind, dann wissen wir, wo die Korrektur einzusetzen hat: die
Voraussetzung, wonach die verfügbare Energie am Ort selbst verwendet wird,
ist unhaltbar, wir haben im Wasser Wärmetransport in meridionaler
Richtung. Hätte ein solcher früher die Ableitung gehindert, so ist er nun, mit
Hilfe der Lütgensschen Zahlen, errechenbar.
$ 16. Formeln bei Wärmetransport. Der Weg, den wir hier für vorläufige
Bestimmung einschlagen, ist geradeso für genauere gangbar, wobei allerdings
eine Einteilung nach engeren Breitestufen notwendig ist.
Was wegen des Wärmetransportes nicht mehr für die einzelnen Breite-
zonen für sich gilt, daß nämlich die aus Strahlungsvorgängen verfügbare freie
Energie auf Verdunstung und Konvektion verwendet wird, das gilt noch immer
für die ganze Erde, wie schließlich auch für jeden sinngemäß — z. B. den
Strömungen entsprechend — abgegrenzten Meeresteil. Es sei a (@) die Breite
aller Meere zusammen auf dem Parallel @, in Kilometern gemessen, d g der Breiten-
zuwachs, nicht in Graden, sondern ebenfalls in Kilometern angegeben, dann ist
der Flächeninhalt einer Zone a (g) - dg, die auf sie entfallende verfügbare Wärme-
menge: W - a (g) - dp!) — denn unsere Größen waren bisher bloß auf die Flächen-
einheit bezogen —, die für die tatsächliche Verdunstung (V,) und Konvektion
(K,) aufgewendete: (V, + K;)- a (g) - de.
Es wird dann sein müssen:
„fr f
[Vi + Ko algap— [W.alg) dp =0
Yo Yo
wobei die Integrationsgrenzen entsprechend zu wählen sind; wenn man nicht die
Pole dafür einsetzen kann, solche Parallele, die kein erheblicher Wärmetransport
im Wasser mehr durchsetzt.
Führen wir aber die Summierung oder Integration nicht vollständig,
sondern bis zu einer niedrigeren Grenze @ durch, so gilt die Gleichung nicht
mehr, sondern es wird:
® B g
[Ci +Ky-alg)do— [W- al da = [N +Kı —W)-alg) de = 20,
Fo Co Yo
und X(g) ist der den Parallel in meridionaler Richtung durchsetzende Wärme-
fluß im Wasser, der so gut wie ausschließlich durch die Meeresströmungen
unterhalten wird.
1) Wir gehen hier von cm? auf km? als Flächeneinheit über, sehen aber von dem Mitführen
des Umrechnungsfaktors (10°) in diesem und den folgenden Paragraphen ab, da daraus kein Miß-
verständnis entstehen dürfte. In der Tabelle 2 sind die Einheiten ohnedies ausführlich angegeben.