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„ Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915.
Im gleichen Sinn wirkt es übrigens, wenn wir als relative Feuchtigkeit
der Luft 100%, statt der wahrscheinlichsten 80%, ansetzen. Als mittlere Tempe-
raturen der Meeresoberfläche in den verschiedenen Breiten erscheinen unverändert
die von Krümmel!) gegebenen Zahlen verwendet,
Die letzteren sind schon für die genauen Parallelkreise gegeben, andere
Werte, z. B. die Bewölkung, für ganze Breitenzonen, Wir bestimmen auch aus
diesen durch graphische Konstruktion die den einzelnen Breiten entsprechenden
Zahlen, wobei der Umweg über die Flächen die sonst der Benützung bloß be-
stimmter Parallele entgegenstehenden Bedenken wirkungslos macht. Es ergibt
sich so nur eine gewisse sinngemäße Glättung der Verteilung. Auf graphischem
Wege sind auch die anderen nicht unmittelbar vorliegenden Zwischenwerte,
z. B. der Sonnenstrahlung, gewonnen.
Da die Verdunstungshöhe in der Regel für den Tag gegeben wird, ist
alles für diesen Zeitabschnitt gerechnet.
8 14. Gang der Rechnung. Die Tabelle auf S. 121 welche den Gang und die
Ergebnisse der Rechnung*) zusammenfaßt, dürfte ohne weiteres verständlich sein,
wenn wir hier die Ermittlung eines Wertes, z. B. des für den Aquator gültigen,
ausführlich hersetzen.
Bei vollkommen heiterem Himmel würde nach $ 23, Tabelle 8, die dem
Wasser zugute kommende Sonnenstrahlung 508 g-Kal./cm* Tag (welche Einheit
auch im Folgenden für alle Energieströme gewählt ist) ergeben; da die mittlere
Bewölkung 59 Hundertstel beträgt, kommen nur 41 Hundertstel, also S = 208
Einheiten, in das Wasser. Durch die Wolken abgefangen werden 59 Hundertstel,
jetzt aber nicht von unserer, schon die Reflexion am Wasserspiegel berück-
sichtigenden Zahl zu nehmen, sondern von dem unkorrigierten Angotschen
Wert 525 (vgl. wieder Tabelle 8); das gibt 310. Davon dringt der dritte Teil,
also D = 703 Einheiten, als diffuse Strahlung ins Wasser ein. Die Ausstrahlung
eines schwarzen Körpers von der gleichen Temperatur wie die Oberfläche des
Wassers, 27.1°, würde 0.634 g-Kal./cm? min betragen, in 24 Stunden also 910. Jene
Temperatur auch als Bodentemperatur der Atmosphäre genommen, wäre die
Zustrahlung dieser letzteren das 0.883 fache, also 803, wovon wieder 17.3 9%,
durch Reflexion verlorengehen, so daß G = 664 Einheiten in das Wasser gelangen.
Auch die Ausstrahlung, 910, wird durch Reflexion in gleichem Verhältnis ver-
mindert, beträgt also A == 753, Statt die letzten beiden Glieder getrennt zu
rechnen, kann man aber, wie in der Tabelle geschehen ist, die einfache Formel
$ 13 benutzen, die unmittelbar zum wesentlich gleichen Wert (die Abweichung
erklärt sich aus den abgekürzten Zahlen) A — G= 97 führt. _
Wir haben nun: ein: 208 und 103, aus: 91, also einen Überschuß W von
220 Einheiten, der demnach den Verlust durch Verdunstung und Konvektion zu
decken hätte. Im günstigsten Fall, bei vollkommener Sättigung der Luft, würden
nach der Ableitung $ 2 (Tabelle 1) bei der herrschenden Temperatur 0.78 davon,
d. i. 172 Einheiten, auf Verdampfen verwendet werden, und das kommt bei der
Verdampfungswärme 587.4 Kal. ($ 2) einer Verdunstungshöhe von 2.9 mm im
Tag gleich, Damit wäre ein Wert für die Verdunstung errechnet, der in Wirklich-
keit sicher nicht überschritten werden kann.
Das eigentliche Ergebnis der ganzen Rechnung stellt Zeile 11 der Tabelle
dar. Wir erhielten die stärkste Verdunstung von über 3 mm/Tag unter 10 bis
20° N-Br., ihre Menge nimmt davon nordwärts rasch, südwärts sehr langsam ab,
so daß für 30° beiderseits vom Äquator wieder der gleiche Betrag 2.6 mm/Tag gilt.
$ 15. Vergleich mit der Beobachtung. Wärmeaustausch . verschiedener
Breiten. Wir wollen nun damit direkte Messungen vergleichen, wovon uns neben
einer schätzungsweisen Bestimmung der Verdunstung nach Versuchen auf dem
Lande durch Ed. Brückner (siehe später, 8 19) die Messungen von R. Lütgens®)
als die einzigen zur Verfügung stehen, die wirklich die Verdunstung auf dem
Fa
‚91!
Tandbuch der Ozeanographie, I, 401.
Alles mit Hilfe des Rechenschiebers, dessen Genauigkeit hier vollkommen ausreicht,
Die Verdunstung auf dem Meere, Ann. Hydr.. 39, 410, 1911, ausführlich Arch, Seewarte,
Nr. 1.