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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schmidt, W.: Strahlung und Verdunstung an freien Wasserflächen usw. 115 
über den tatsächlichen liegen müssen, nur im Grenzfalle ihnen gleichkommen; 
solche, erscheinen im späteren Teil verwendet. ; ; . 
S 4. Folgerungen. Ohne besonderes Eingehen auf die Temperatur der 
Unterlage lassen diese Zahlen schon die interessante Erscheinung erklären, daß 
die tägliche Periode der Lufttemperatur über den Ozeanen so klein ist und daß 
ihre Amplitude vom Aquator gegen die Pole hin unerwartet wenig abnimmt, 
Jenes erstere wird sicher dadurch wesentlich gefördert, daß ein großer Teil der 
unmittelbar vom Wasser abgegebenen Wärme in Verdunstung angelegt wird (man 
braucht da also gar nicht allein auf die hohe spezifische Wärme des Wassers 
hinzuweisen), das zweite folgt aus der starken Abnahme des für tatsächliche 
Erwärmung der Luft verfügbaren Anteils’ bei Zunahme der Temperatur.‘ So 
wäre z. B. zur Erzeugung gleicher Tagesschwankung am Äquator bei 27° Wasser- 
temperatur der doppelte Energieumsatz notwendig, wie in 60° N-Br. bei 4.8°, 
Ahnliches wie für den täglichen gilt natürlich auch für den gesamten 
Wärmeumsatz: jede Wärmezufuhr von seiten der Wasseroberfläche, also auch 
die durch Meeresströmungen vermittelte, wirkt in höheren Breiten bedeutend 
mehr auf die Lufttemperatur als in niedrigen, Kommt es auf die letztere an, 
so sind die‘ polwärts gerichteten Strömungen als wärmesparende Faktoren an- 
zusehen. . . 
Die bekannte geringe Verdunstung von Eis braucht wohl nicht erst hervor- 
gehoben zu werden. ; 
Zusammenfassung. Wir besitzen also die für den Wärmeaustausch zwischen 
Wasser und Luft maßgebenden Zahlen, die sich kurz übersetzen lassen: . 
Gibt eine Wasseroberfläche an die berührende Luft Wärme ab, so erscheint 
nur ein Teil dieser Wärmemenge in der Temperatursteigerung der Luft, das 
Übrige wird zur Verdunstung von Wasser verwendet. Der letzterwähnte Anteil 
hat bei hohen Temperaturen weitaus das Übergewicht, während er bei niedrigen 
gegen den anderen zurücktritt. 
II. Wärmeumsatz am Meeresspiegel. Verdunstung, Niederschlag 
und Wärmetransport des. Weltmeeres. 
$ 5. Allgemeine Anwendungsmöglichkeiten. Unsere Zahlen geben nun ein 
wichtiges Hilfsmittel zur Lösung einer Reihe von Fragen über den Wärmeumsatz 
über Wasser, Gelingt auch die strengste Lösung nur dort, wo wir die Bedingungen 
der knapp über dem Wasserspiegel lagernden Schichten genau kennen und 
außerdem wissen, daß. diese (wie wir. voraussetzen können) der Sättigung ge- 
nügend nahe sind, so verschlägt es trotzdem nichts, wenn wir, wie es die Regel, 
bloß über die Zustände in einiger Höhe darüber ausreichend orientiert werden, 
Wir dürfen da, wie gezeigt ($ 3), ohne weiters auch von der Forderung der 
Sättigung Abstand nehmen, brauchen höchstens vorauszusetzen, daß sich das 
Luftteilchen, das in Berührung mit der Wasseroberfläche war, auf dem Wege 
bis zum Ort der Messung von Temperatur, Feuchtigkeit u. s, w. höchstens mit 
anderen Luftmassen mischte, daß aber kein Vorgang eine wesentliche Änderung 
seines: Wärmeinhaltes bedang; alles Voraussetzungen, die in der Regel als erfüllt 
anzusehen wären, . 
Der gegebene Zusammenhang zwischen dem Wärmeverlust durch Ver- 
dunstung und dem durch »Konvektion« (vgl. $ 2) erlaubt vornehmlich zwei An- 
wendungen: er ]äßt erstlich dort, wo auf irgendeine Weise der Betrag der Ver- 
dunstung bestimmt wurde, cdaraus unmittelbar den gleichzeitigen Wärmeentzug 
durch Konvektion rechnen, wenn die Temperatur der Wasserfläche wenigstens 
annähernd bekannt ist. Das gilt allgemein für jede Anordnung, mag es sich 
nun um Verdunstung aus einem See oder von der Hülle eines Psychrometers 
weg handeln, wenn nur die geforderten Voraussetzungen erfüllt sind. Da wir 
nur vom Energieumsatz ausgegangen, ist es vollkommen gleichgültig, ob Süß- 
Oder Seewasser vorliegt. 
8 6. Umkehrung: 
Der leızte Umstand ist 
Berechnung der Verdunstung aus dem Energiekreislauf. 
aber von einiger Wichtigkeit, wenn man ‚die zweite
	        
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