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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Schmidt, W.: Strahlung und Verdunstung ‚art freien, Wasserflächen. usw. 113 
bleibt immer der-erhebliche Mangel‘ bestehen, daß Zu- und Abfuhr; von, Wärme- 
energie. wesentlich abweichen. ;:‘ ; . 
Und. doch. kommt es in der Natur gerade auf diese Energien an; denn 
die augenblicklichen Feuchtigkeits- und Windverhältnisse lassen zwar die Ge- 
schwindigkeit der Verdunstung erschließen, nicht aber, welchen Betrag sie 
schließlich ‚erreichen kann: das hängt nur von der verfügbaren Energie ab, 
Wenn diese mangelt, hört auch jeder Umsatz auf. Diese Energie wird bei. einer 
großen Zahl von Verdunstungsmessern von der — wärmeren — Luft geliefert, 
größere Wasserflächen sind‘ aber hier auf sich selbst angewiesen, und zwar um so 
mehr, je ausgedehnter sie sind; um so einfacher gestaltet sich aber bei ihnen ‘die 
Abhängigkeit von den vornehmlichsten Wärmequellen, der Sonnen- und ‘Luft- 
strahlung, Bevor darauf näher eingegangen wird, sind noch.die wichtigsten für 
unsere Betrachtungsweise notwendigen Vorstellungen über den Vorgang der Ver- 
dunstung festzulegen. 
8 2. Wärmeaufwand für Verdunstung und Erwärmung der Luft. - Gehen wir 
davon aus, daß das Wasser die Energie liefern muß, was in erster Linie damit 
verbunden sein wird, daß seine Temperatur nicht niedriger ist als-die der 
darüberstehenden Luft — damit stimmen ja im allgemeinen die Beobachtungen 
auf den Meeren?), ferner die bekannte Tatsache, daß die untersten Luftschichten 
in der Erdoberfläche eine wesentliche Energiequelle besitzen, 
Die berührende Luft wird also‘ erwärmt, wozu nun nicht etwa bloß die- 
jenige Wärmemenge notwendig ist, die unter gewöhnlichen Verhältnissen aus der 
Temperaturzunahme folgt, sondern bedeutend mehr; da die Luft zumindest in 
ihrer untersten Schicht der vollkommenen Sättigung sehr nahe kommt, :so muß 
bei jedem Temperaturanstieg auch entsprechend vie Wasserdampf — um eben 
den Sättigungsdruck zu erreichen — nachgeschafft werden?), Wasser verdunsten. 
Der Energieaufwand erscheint dann gegenüber der zur einfachen Temperatur“ 
erhöhung notwendigen Wärmemenge, von uns hier und im folgenden kurz Kon- 
vektion, K, genannt, um die Verdunstungswärme V vergrößert®). ; 
Tabelle 1. 
Verhalten des Systems »dampfgesättigte Luft über‘ Wasser« gegen Wärmezufuhr. 
2 
Gewicht 
x des 
Wasser- 
dampfes 
auf 1kg, 
ne 
Luft 
Tempe- 
ratur t 
CC 
| 
; 
x 
30 26.9 
25 19.9 
20 14.6 
15 10.6 
10 7,6 
5'. 54 
0 3,8 
5i— 5 i 
a |— 5 
3 
Verände- 
rung des 
Wasser- 
dampf- 
gehalts 
mit der 
Lempera- 
tur dx 
WIE 
PC 
1.61 
1.22 
0.92 
0.69 
J.51 
0.37 
3,28 
128 
)20) 
Dıi4 
41 5 
Zu 1° Temperatur- 
zunahme 
auf Ver- | für 1ıkg 
lampfung | feuchter 
ler AX „ |Luft aüfzu- 
at 5 | wendende 
anuf- Gesamt- 
zewendete wärme W 
Wärme V =KRAV 
—eättigt feuchte Luft 
g-Kal. | g-Kal. 
RR 
Verhältnis 
der 1ür Ver- 
%euchte und! hältnis 
‚Ur trockene V 
Luft aufzu- |- 
wendenden W 
Wärme 
944 
720 
545 
409 
304 
225 
168 
190 
139 © 
04 | 
1163 
94E 
778 
545 
341 
163 
106 
4928 
377 
34392 
4.90 
3.99 
3,27 
2.71 
2,28 
1,95 
71 
1.80 
1.59 
1.40 
0.82 
0.75 
0.70 
0.64 
0.56 
0.49 
0.4? 
NAAR 
0,97 
0.29 
& 
J 
10 
Zu 1° Tem- 
peratur- 
zunahme 
für 1 kg 
feuchter 
Luft aufzu- 
wendende 
Gesamt- 
wärme W 
Verhältnis 
der für 
feuchte und 
‚ür trockene 
Luft aufzu- 
wendenden 
—_ Wärme 
Ver- 
hältnis 
NV 
W 
ür Luft von 80% Feuchtigkeit 
g.-Kal. | 
982 4.13 0.77 
808 3.40 0.71 
671 2.82 0.65 
564 2.37 0.58 
480 2.02 0.51 
418 1.76 0.43 
372 1.56 0.36 
290 1.64 0.39 
349 | 1.47 032 
313 132 -| 024 
‘) Vgl. Hann, Lehrb. d. Meteorologie, 3. Aufl., S. 68, . 
?) Es wird hier absichtlich nicht auf den Mechanismus der. Verdunstung im kleinsten ein- 
gegangen. Die Maxwell-Stefansche Theorie kommt dafür viel weniger in Betracht, da man im 
Freien und insbesondere über dem Ozean wohl kaum ungestörte Diffusion und Leitung annehmen 
darf; eher kommt man mit reinen Konvektionsvorgängen aus, für die übrigens unser Ansatz von vorn- 
herein stimmt, ; 
3) K und V werden hier kurz von Wärmemengen gebraucht, ‚später aber, siehe die An- 
merkung zu $ 8, von Intensitäten; ein Irrtum ist daraus aber nicht zu befürchten, 
Ann. d. Hydr. usw. 1915, Heft IH.
	        
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