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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915. 
sowie Salzwasser, kann also für die verschiedensten Fragen von Bedeutung 
sein (SS 3, 4).. 
Nunmehr kann der Kreis geschlossen werden: Sonnenstrahlung, sowohl 
direkte wie diffuse ($ 8) und atmosphärische Gegenstrahlung ($ 9) bedeuten einen 
Wärmegewinn für die Wasseroberfläche, die Ausstrahlung ($ 10) einen Verlust. 
Der letzte Posten von den früheren abgezogen ergibt den für Verdunstung und 
Erwärmung der Luft zur Verfügung stehenden freien Wärmevorrat, woraus sich 
dann ohne weiteres die größtmögliche Verdunstung bestimmen läßt ($ 11). 
Diese Rechnung wurde — zur Erlangung eines sicheren oberen Grenz- 
wertes unter durchwegs günstigen Annahmen — für Parallelkreise von 10 zu 10° 
Abstand durchgeführt ($ 13). Schon die günstige Voraussetzung, daß der Wärme- 
überschuß jeder Breite auch an Ort und Stelle Verwendung findet, führt zu 
Zahlen, die beträchtlich unter den verläßlichsten bisherigen Messungen liegen ($ 14). 
Da wir Höchstwerte ermittelten und unmöglich mehr verdunsten kann, weil die 
dazu nötigen Wärmemengen nicht vorhanden sind, müssen wir die Messungen 
als zu hoch ansehen, können aber trotzdem von diesen annehmen, daß sie die 
relative Verteilung über die Erde mit dem verschiedenen Einfluß der Winde 
annähernd richtig wiedergeben, Damit läßt sich jene beschränkende Voraus- 
setzung vermeiden, indem die Geschlossenheit des Wärmekreislaufes nur mehr 
für die Gesamtheit der Ozeane behauptet, sonst aber das Vorhandensein von 
Wärmetransporten durch Meeresströmungen zugegeben wird. Die so gewonnene 
Verteilung der Verdunstung führt für das gesamte Weltmeer zu einem Mittel- 
wert von 76 cm im Jahr ($ 17). 
Die unschwierig zu rechnenden Wärmetransporte, welche die verschiedenen 
Parallelkreise kreuzen, weisen den Gürtel von etwa 15° N-Er. bis etwa 5° S-Br. 
als Hauptwärmequelle der anderen Zonen nach. Die Scheide, welche den nord- 
wärts gerichteten Wärmefluß vom südwärts gerichteten trennt, liegt bei etwa 
9° N-Br. Entsprechende Rücksichtnahme auf die verschiedene Ausdehnung der 
Meere hebt die Bevorzugung höherer nördlicher Breiten hervor ($ 18). 
Die Möglichkeit einer Berechnung der Gesamtverdunstung auf den Ozeanen 
gestattet eine Neubestimmung einzelner Glieder im Brücknerschen Schema des 
Wasserhaushalts der Erde und ergibt schließlich eine mittlere jährliche Nieder- 
schlagshöhe über den Ozeanen von 69 cm (S$ 19). ; 
Was hier für das Weltmeer versucht wurde, wäre natürlich auch ent- 
sprechender Anwendungen auf kleinere Meeresteile fähig. Ebenso stehen für die 
reine Meteorologie wertvolle Ergebnisse zu erwarten. Im besonderen sei die 
Möglichkeit erwähnt, auf vollkommen neue Weise mit rein physikalischen Mes- 
sungen die vielumstrittene Größe der tatsächlichen Verdunstung eines Sees zu 
bestimmen ($ 20). 
Der Anhang I ($8 21 bis 25), der auch bei weitem über das Hauptthema 
hinausgehende Anwendungen erlaubt, bezweckt eigentlich das solare Klima 
freier Wasserflächen unter verschiedenen Breiten klarzustellen. Es werden für 
geeignet aus dem Jahreslaufe ausgewählte Tage die wirklich ins Wasser ein- 
dringenden Beträge an Sonnenstrahlung theoretisch errechnet, dazu auch die 
Reflexionsverluste, welche insbesondere bei niedrigem Sonnenstand auftreten. 
Anhang II löst zunächst die ähnliche Teilfrage nach dem Betrage, welcher 
von einer allseitigen Strahlung ins Wasser eindringt ($ 26), dann die damit 
wesentlich verbundene, wie sich der Wasserspiegel als Strahler verhält. Danach 
sendet dieser etwa 0.83 derjenigen Energie aus, die eine vollkommen schwarze 
horizontale Fläche von derselben Temperatur ausstrahlen würde ($8$ 27 bis 29). 
XI. Verdunstung und Konvektion im Allgemeinen. 
8 1. Vorteil von Energiebetrachtungen. Der wesentliche Unterschied zwischen 
den Ergebnissen »meteoroloyischer« Verdunstungsmessungen und der tatsächlichen 
Verdunstung ist darin begründet, daß es nur äußerst schwer, wenn überhaupt, 
möglich ist, die Bedingungen in der Natur auch entsprechend auf die instrumen- 
telle Anordnung wirken zu lassen, Wenn es bei dieser auch gelingt, die allge- 
meinen Temveratur- und Feuchtigkeitsverhältnisse annähernd einzuhalten, so 
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