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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915.
würde, alles wiederzugeben. Die Figuren 11 und 12 sollen zunächst eine Über-
sicht über den ganzen Verlauf der Stunde gestatten, während welcher registriert
wurde. Die obere Kurve enthält die in jeder Viertelminute abgelesenen Angaben
des Variometers, die untere die in jeder vollen Minute am Barometer abgelesene
Höhe des Ballons. Wie man besonders aus der oberen Kurve mit ihren Einzel-
heiten sieht, ist der Ballon stark hinauf- und heruntergerissen, Während der
yanzen Stunde ist nur in der 29. und 30. Minute Ballast gegeben, um den dort
einsetzenden Fall abzubremsen. Während der Zeit von der 10.-bis zur 20, Minute
und von der 38, bis zur 55. Minute befand sich der Ballon ohne Orientierung
im Nebel, der allerdings nicht vollkommen dicht, sondern zerrissen war, so daß
der Ballon auch ab und zu Sonnenbestrahlung bekam. Dagegen war während
der Zeit von der 20, bis zur 35. Minute der Durchblick zur Erde frei und der
Ballon nur in geringer Höhe über dem hier sehr bergigen Terrain. Wie man
aus den eingeschriebenen Bemerkungen ersieht, folgt der Ballon dem Profil des
Geländes. Diese besonders interessante Strecke der Fahrt ist in Figur 13 ein-
gehend dargestellt.
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In der unteren Kurve, die als Differenzkurve die cigentliche vertikale
Luftströmung wiedergibt, ist das Vorzeichen so genommen, daß einer Wind-
strömung von oben nach unten das positive Vorzeichen gegeben ist. Das wich-
tige Resultat, das wir aus den Kurven ziehen, ist: Es bestanden bei dieser
allerdings außergewöhnlichen Wetterlage in einigen hundert Metern
über dem Boden starke und schnell wechselnde vertikale Luft-
strömungen, deren Stärke bis zu 3 m/sek. beträgt. -
Daneben ergibt sich, daß die Ballonbewegung in hohem Maße von dem
Profil des Geländes beeinflußt ist. Es läßt sich bei einem Vergleich der
Kurven I und II der Einfluß des Geländes, insbesondere das Auftreten von Berg-
und Talwinden und ihre Wirkung auf die Ballonbewegung im einzelnen verfolgen.
VIII. Schluß.
Die Resultate dieser beiden Fahrten zeigen deutlich, wie außerordentlich
geeignet der Freiballon zur experimentellen Untersuchung der vertikalen Luft-
ströme ist.
In der letzten Zeit ist von H. Gerdien ein neuer Apparat durchkonstruiert,
der dem Studium der Windstruktur dienen soll. Um exakte Momentanwerte
zu erhalten, benutzt er nicht einen Apparat, der wie das Windrädchen von be-
weglichen Teilen Gebrauch macht und deswegen immer eine gewisse Trägheit
besitzt, sondern das schon früher von Morris zur Messung von Windstärken
herangezogene Prinzip, daß von einem Gasstrom eine Kühlwirkung ausgeübt wird,
die von der Geschwindigkeit des Gasstromes abhängt. Die Temperatur des Gases
ist durch eine sinnreiche Differentialschaltung berücksichtigt. Leider ist die
ganze Anordnung heute noch -— besonders wenn eine Registrierung nötig ist —