Ludewig, P.: Die Bedeutung der vertikalen Luftbewegungen für die Luftfahrt. 109
stellt waren, konnte die vorher gemachte Eichkurve nicht benutzt werden. Auch
bei der Landung hatte der bewegliche Teil ein wenig Schaden genommen, so daß
für diese Fahrt keine Eichung vorhanden ist. Es wurde daher als Ordinate für
die Windrädehenkurve die Umdrehungszahlen pro Sekunde direkt aufgetragen,
In den Kurven 9 und 10 ist die Abszisse in Minuten geteilt. Die obere
Kurve enthält die Angaben des Bestelmeyerschen Variometers aus den Ab-
lesungen, die alle Viertelminuten im Ballonkorb gemacht wurden. Die Einheit
der Ordinate ist 1m pro Sekunde, Die untere Kurve gibt unter Berück-
sichtigung des erwähnten Ordinatenmaßstabes den Verlauf der vertikalen Wind-
bewegung am Ballon. Eine Subtraktion der beiden Kurven ist, da sie nicht in
gleichen Ordinaten gemessen sind, in diesem Fall nicht möglich. Jedenfalls zeigt
aber die Symmetrie der beiden Kurven, daß bei dieser Fahrt keine vertikalen
Windbewegungen vorhanden waren. Das entspricht auch vollkommen dem klaren,
ruhigen Wintertag, an dem die Fahrt stattfand, .
Während der Registrierung ist der Ballon, wie schon oben erwähnt und
wie auch aus den Kurven zu ersehen ist, gefallen. Der Fall war aber kein
gleichmäßiger, sondern er ging in eigentümlichen Wellenlinien vor sich, Nach
einem starken Fall wurde jedesmal die Fallgeschwindigkeit geringer, hörte dann
ganz auf und der Ballon ging sogar ein Stückchen wieder in die Höhe. Ob dies
auf Temperaturschwankungen des Füllgases etwa infolge Strahlung der sonnen-
beschienenen Wolkenschicht zurückzuführen war, konnte nicht entschieden werden.
Fahrt am 18. Februar 1911. Die bei dieser Fahrt erhaltenen Resultate
Jassen eine quantitative Auswertung zur direkten Bestimmung der Vertikal-
komponenten des Windes zu.
Die Fahrt ist insofern bemerkenswert, als sie unter außergewöhnlichen
meteorologischen Verhältnissen vor sich ging. Die Wetterkarte des Tages
zeigt für Mitteldeutschland einen starken Luftdruckgradienten, der einen. sehr
heftigen horizontalen Wind und für die Fahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit
von 75 km pro Stunde zur Folge hatte.
Durch die Auswertung des mit dem Windrädchen aufgenommenen 20 m
langen Streifens ergab sich eine so komplizierte und sekundlich sich
ändernde Windbewegung, daß es an dieser Stelle zuviel Platz erfordern
Fig. 11 und 12.
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Ordinate: die Vertikalgeschwindig-
keit des Ballons
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Ordinate: die Höhe des Ballons
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