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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915,
nach oben gezogen haben. Entsprechend gilt für das Intervall T, bis T,, daß
ein von oben kommender Luftstrom den Ballon nach abwärts treibt. Die
eigentliche Geschwindigkeit erhält man durch Subtrahieren der Ordinaten (siehe
Figur 4b), und zwar entspricht einem Luftstrom nach oben die positive Ordinate
der Differenzkurve. Zeigt das Variometer keine Bewegung, so geht am ruhenden
Ballon eine Windströmung entlang, bei T, eine solche von oben nach unten.
Im Intervall T, bis T, ist die Vertikalbewegung des Ballons nach oben
größer als der von unten nach oben am Ballon entlang gleitende Luftstrom.
Das heißt also: Der Ballon steigt in einem abwärts gerichteten Vertikalstrom.
Im Augenblick T, setzt ein von oben kommender Wind ein, der Ballon steigt
noch weiter, aber entsprechend nimmt die positive Windgeschwindigkeit ab, Der
Wind von oben wird immer stärker, so daß im Zeitpunkt T, die Bewegung des
Ballons nach oben so gering geworden ist, daß das Vertikalanemometer in der
entgegengesetzten Richtung umläuft. Die Differenzkurve der Kurven I und II
gibt wieder die wahre Vertikalbewegung der Luft.
In ähnlicher Weise lassen sich alle anderen möglichen Fälle diskutieren.
Es ergibt sich, daß man aus den Angaben von Vertikalanemometer und Bestel-
meyerschem Variometer in jedem Falle die wahre vertikale Windbewegung be-
stimmen kann.
VI. Das registrierende Vertikalanemometer.
Das Bestelmeyersche Variometer ließ sich ungeändert zu den Versuchen
verwenden. Es wurde während der Fahrt nach jeder Minute abgelesen und aus
diesen Ablesungen die Kurve der wahren Höhenbewegung des Ballons erhalten.
Die bisher im Handel befindlichen, für Ballonzwecke geeigneten Vertikal-
anemometer lassen die Windgeschwindigkeiten nicht an einer Skala ablesen. Es
war also ein neues Instrument zu konstruieren, welches in der Umgebung des
Nullpunktes sehr empfindlich sein mußte und zugleich eine Registrierung
möglich machte. Ferner durfte sein bewegliches System nur geringe Trägheit
besitzen, damit es den oft schnell wechselnden Vertikalbewegungen schnell
folgen konnte.
Das Problem, eine Drehbewegung zu registrieren, ist bei den in der Technik
sehr verbreiteten »Tachometern« gelöst. Jede der hier gebräuchlichen Kon-
struktionen ist aber für den vorliegenden Zweck nicht zu gebrauchen, da
bei ihnen die Energie für die Registrierung aus der Drehbewegung selbst
genommen wird. Das ist hier nicht möglich, da sonst in der Umgebung des
Fig. 5b Nullpunkt ein breiter Bereich
Se vorhanden sein würde, in dem
kein Ausschlag erfolgen würde,
Um aber gerade hier eine
möglichst große Empfindlich-
keit zu haben, blieb nur eine
optische Registriermethode
übrig. Es wurde durch die
„E Drehbewegung ein Lichtstrahl
aD BD periodisch abgeblendet und
N sein Aufblitzen photographisch
— auf ein vorbeirollendes, licht-
C empfindliches Band registriert.
Zugleich war es nötig, die Drehrichtung mit aufzuzeichnen. Das geschah in
folgender Weise:
Innerhalb eines Zylinders A (vgl. Figur 5a und 5b) ist in den beiden
durch die Verstrebung B getragenen Lagern CC die Achse des Windrädchens
gelagert. Die Flügel, die sich in dem oberen Teil des Zylinders A befinden,
sind nicht gezeichnet. Quer durch den unteren Teil des Zylinders geht ein
Rohr F, das den zur Registrierung nötigen Lichtstrahl leitet. Auf der Achse
des Windrädchens, die mitten durch das Rohr F mit genügend Spielraum hin-
durchgeht, befindet sich innerhalb des Rohres F ein kleiner Messingzylinder E.