Ludewig, P.: Die Bedeutung der vertikalen Luftbewegungen für die Luftfahrt, 105
Fig. 3.
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WYahrt am 5. Februar 1911.
Naturgemäß ist nicht jede Höhenänderung eines Freiballons auf, eine
vertikale Luftbewegung zurückzuführen. Es lassen sich aber aus den bei jeder
Freiballonfahrt vorhandenen Instrumenten indirekte Schlüsse ziehen, ob‘ eine
Vertikalbewegung vorhanden ist oder nicht. Es ist dem Verfasser bei einer
Anzahl von Freiballonfahrten zum ersten Male gelungen, das Vorhandensein
von vertikalen Luftströmen zu registrieren,
V. Die Möglichkeit der Messung der vertikalen Luftbewegungen bei Frei-
ballonfahrten.
Die Versuche stützen sich auf die folgende Überlegung:
Die vertikalen Luftströme lassen sich im Freiballon nicht direkt messen, da
der Ballon durch sie auch in seiner Höhenlage beeinflußt wird und sich daher
Windbewegung und vertikale Ballonbewegung überdecken. Ein Windrädchen,
das man so am Freiballon aufhängen würde, daß es nur die vertikale am Ballon
entlang streichende Windbewegung mißt, wird nicht nur in Drenung versetzt
werden, wenn ein vertikaler Windstrom am :ruhenden Ballon entlang fährt,
sondern auch dann, wenn der Ballon in ruhender Luft fällt oder-”Steigt. . Ist
beides zu gleicher Zeit vorhanden, fällt also z. B. der Ballon in einem absteigenden
Luftstrom, so überdecken sich die beiden auf das Windrädchen wirkenden Ein-
füsse. Mit dem Vertikalanemometer allein kann man daher im Freiballon keine
direkte Bestimmung der vertikalen Windbewegung ‚ausführen, ; 5
Man braucht dazu noch ein zweites Instrument, welches, die Vertikal-
bewegung, des Ballons relativ zur Meereshöhe zu messen gestattet... Dazu wurde
das bekannte Bestelmeyersche Vario- , .
meter benutzt, das direkt in Vertikal- Fig. 4a und 4b,
geschwindigkeiten, und zwar in Meter pro
Sekunde geeicht ist.
Würde man nun mit einem re-
gistrierenden Vertikalanemometer
die vertikale Windbewegung relativ zum
Ballon und mit einem Bestelmeyerschen
Variometer die Vertikalbewegung des
Ballons relativ zur Meereshöhe messen,
so würden verschiedene Fälle eintreten
können. Es seien in der Figur 4a als
Abszissen Minuten und als Ordinaten
Geschwindigkeiten in Meter pro Sekunde
aufgetragen. Die Kurve I gebe die
Angaben des Vertikalanemometers, die
Kurve II die des Bestelmeyerschen Vario-
meters wieder, und zwar ist einer Wind-
geschwindigkeit von ‚unten und einer . ;
Vertikalbewegung des Ballons nach oben das positive Vorzeichen gegeben. Für
die Abszisse T, sind die beiden Ordinaten gleich. Das würde bedeuten, daß der
Ballon in einem ruhenden Luftstrom steigt, Für den Zeitpunkt T, gilt ent-
sprechend, daß der Ballon im ruhenden Luftstrom fällt. In dem Zeitintervall T,
bis T, ist die Windgeschwindigkeit am Ballon von unten größer 'als die Vertikal-
geschwindigkeit ‚des Ballons nach oben. Während dieser Zeit würde also ein
von unten kommender Luftstrom den Ballon. der ihm nicht vollkommen folgte.
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