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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 43 (1915)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1915. 
Die bisher erwähnten Vertikalbewegungen haben meist eine vertikale 
Ausdehnurg von einigen hundert Metern. Für die Luftfahrt von ganz besonderem 
Interesse sind die atmosphärischen Störungen, die als Böen oder Gewitter 
bekannt sind und bei denen ungewöhnlich große Vertikalgeschwindigkeiten mit 
3000 bis 5000 m Vertikalerstreckung auftreten können, Sie bestehen meist aus 
einem Wirbel, der sich in Form einer langgestreckten Walze mit horizontaler 
Achse fortbewegt. Auf der Vorderseite ist ein aufsteigender, auf der Rückseite 
ein absteigender Luftstrom vorhanden, Infolge der außerordentlich großen Ge- 
schwindigkeit und der Blitzgefahr, die meist mit diesen Erscheinungen verbunden 
sind, sind sie die größten Feinde der Luftfahrt. Dem Freiballonfahrer ist es zur 
strengen Pflicht gemacht, in ihrer Nähe zu landen, Luftschiff und Flugzeug 
vermögen ihnen durch ihre Eigengeschwindigkeit, die gewöhnlich größer ist als 
die der Gewitter, aus dem Wege zu gehen. Es treten auch Böen auf, bei denen 
eine Wolkenbildung nicht stattfindet, und die daher den Luftfahrer unvorbereitet 
überraschen können. Sie haben die Strandung der ersten Zeppelinschiffe bei 
Echterdingen und im Teutoburger Walde veranlaßt und sind auch den Fliegern 
häufig zum Verhängnis geworden, 
IV. Die Wirkung einer vertikalen Luftbewegung auf den Freiballon. 
Die Wirkung, welche die vertikalen Luftströmungen auf die Luftfahr- 
zeuge haben, wird in jedem Fall darin bestehen, daß sie ihr Gleichgewicht 
beeinflussen. Trifft z, B. ein Flieger auf einen nach aufwärts gerichteten 
Luftstrom, so werden die Tragflächen gewaltsam angehoben, und eine 
ausgleichende Steuerbewegung ist nötig. Beim absteigenden Luftstrom kann die 
Wirkung besonders unangenehm sein; die Maschine wird in ihm nicht einfach 
im freien Fall, sondern noch schneller herabfallen, da der von oben auf die 
Flügel drückende Luftstrom die Maschine gewaltsam herabdrückt. Der Führer 
fällt aber nur im freien Fall und daher langsamer als die Maschine und fühlt 
deswegen die Maschine gewissermaßen unter sich weggezogen, wie es in den 
oben erwähnten Berichten anschaulich geschildert ist. 
Besonderes Interesse bietet das Verhalten des Freiballons im Vertikal- 
strom, einmal deswegen, weil die hier geltenden Gesichtspunkte auch zum Teil 
für die Luftschiffe in Betracht kommen — wir erwähnen den Absturz des 
Marineluftschiffes bei Helgoland —, anderseits weil im Freiballon, wie unten 
ausführlich beschrieben ist, die bisher einzigen Versuche gemacht sind, um die 
Art und Stärke der vertikalen Luftströmungen experimentell zu bestimmen. 
Ein in der Atmosphäre an einer bestimmten Stelle voll mit Gas gefüllter 
Freiballon ist infolge des offenen Füllansatzes in bezug auf eine aufwärts oder 
abwärts gerichtete Kraft nicht in demselben Gleichgewichtszustand, Bei einem 
nach oben gerichteten Luftstrom tritt eine Sinkkraft ein, die den Ballon nach 
dem Aufhören der wirkenden Kraft wieder nach unten zieht. Bei einem abwärts 
gerichteten Luftstrom bewegt sich der Ballon nicht nur so lange abwärts, als 
die wirkende Ursache besteht, sondern er wird infolge des indifferenten Gleich- 
gewichts, in welchem er sich in diesem Fall als Ballon konstanten Gasgewichts 
befindet, bis ans Schlepptau herabgedrückt werden. Die vertikalen Luftströme 
sind daher die größten Feinde des Freiballonführers, die ihn zu unausgesetzter 
Aufmerksamkeit zwingen, Es ist dabei eine schwierige Frage, wie man sich bei 
ihrem Auftreten verhalten soll, ob man bei aufwärts gerichtetem Luftstrom Ventil 
ziehen und bei abwärts gerichtetem Ballast geben soll. Allgemein gültige Regeln 
i{assen sich nicht aufstellen, doch wird man meist weder Ventil ziehen noch 
Ballast geben, da eine . Vertikalbewegung gewöhnlich in kurzer Zeit in die 
umgekehrte Richtung umschlägt. Man wartet daher besonders bei schwachen 
Bewegungen solange wie möglich mit seinen Gegenmaßregeln. Wie außer- 
ordentlich die Höhenkurve eines Freiballons durch vertikale Luftströme beein- 
flußt werden kann, zeigt die Figur 3,
	        
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