LO0 Annalen der Hydrographie und Märitimen Meteorologie, März 1915.
Gesellschaft für Flugtechnik — die in der letzten Zeit ihren Namen in Wissen-
schaftliche Gesellschaft für Luftfahrt geändert und bereits eine überaus rege
wissenschaftliche Tätigkeit auf allen Gebieten der Luftfahrt entfaltet hat — die
Bedeutung der vertikalen Luftströmungen als erstes Thema auf die Tages-
ordnung gesetzt wurde, In der Diskussion haben mehrere Flugzeugführer über
ihre Erfahrungen beim plötzlichen Eintreten vertikaler Luftströmungen berichtet,
Da heißt es z. B. »Wirbelbewegungen und vertikale Luftströmungen habe
ich immer nur in Höhe von 1 bis 100 m gefunden, und sie sind in meinen Flügen
bis zu 100 m Höhe kurz vor der Landung sehr oft und mit sehr beängstigender
Wirkung aufgetreten. Die Flugmaschine wurde plötzlich senkrecht herunter-
gerissen, so daß der Pilot sich nicht mehr mit seinem ganzen Körpergewicht auf
seinem Sitz fühlte. Meistens hören solche stoßartig, ich möchte besser sagen
zugartig auftretende Abwärtsbewegungen, die sich von einer Saugwirkung hervor-
gerufen anfühlen, nach 5, 10, 15, 20, 30 m Tiefgang auf. Wenn man nichts tut,
überwinden sie sich am besten von selbst.« (Euler.)
»Auf einem Fluge von Bremen nach Hannover mußte ich im Wesertal
eine Zwischenlandung vornehmen. Nach erneutem Start bei mäßigem Seitenwind
wurde mein Apparat aus 50 m Höhe mit einem Ruck bis auf 10m herunter-
gerissen, und zwar so plötzlich, daß mein Begleiter und ich etwas aus dem Sitz
gehoben wurden, weil sich unsere nicht festgeschnallten Körper der Abwärts-
bewegung nicht schnell genug anschlossen, Das Flugzeug blieb merkwürdiger-
weise in sich vollständig im Gleichgewicht, fing sich kurz vor dem Boden wieder
auf und flog horizontal weiter.« (Mackenthun.)
»In der Nebelschicht und in den Wolken liegen stets Böen. Das Fliegen
in Wolken und dichtem Nebel birgt die Gefahr in sich, daß der Führer das
Gefühl für die Lage seines Apparates verliert, Ich bin noch stets gegen meinen
Willen abwärts gekommen. Fliegt man unter schwarzen Haufenwolken hindurch,
wird der Apparat heftig geschüttelt, besonders heftig an der Peripherie der
Wolke, In eine solche Wolke hineinzufliegen, halte ich für sehr leichtsinnig.
Wenn es mir irgend möglich ist, mache ich einen Umweg, um ein Hinein- und
Darunterfliegen zu vermeiden. Wirbel- und Vertikalströmungen treten stets bei
starker Sonnenbestrahlung auf, Daß diese Wirbel häufig nur geringe Aus-
dehnung haben, zeigt sich dadurch, daß der Apparat plötzlich auf nur einer
Seite stark gehoben oder gesenkt wird.« (v. Buttler.)
Über ähnliche Beobachtungen berichtet Hirth bei Beschreibung des Süd-
deutschen Fluges 1912: »Die vierte Mainmündung im Spessart schien es auf
unser Leben abgesehen zu haben. Hier packte uns ein Luftwirbel so unvermittelt
an, daß der Apparat wie ein Bleigewicht unter uns wegsackte und wir beide
jählings von unseren Sitzen geradezu emporwuchsen. Leutnant v. Gravenstein
fand am Spanndom einen Halt, während ich mit dem linken Arm auf der linken
Tragfläche lag und meine letzte Stunde gekommen glaubte.
Eine Böe folgte nun der anderen, Ich mußte mich mit beiden Ellenbogen
und Knien gegen die Karosserie stemmen, um nicht hinausgeschleudert zu werden,
Dabei lagen beide Hände fest am Steuer.
Eine neue Fallböe warf mich auf ein Dorf hinunter und mit erschreckender
Eile näherte sich uns der Hahn des Kirchturms. Weiter voraus leuchtete das
rote Ziegeldach einer Scheune. Ich hatte im Stillen den Wunsch, nur noch an
dem rostigen Wetterhahn der Kirche glücklich vorbeizukommen und meine Ma-
schine auf das breite einladende Dach der heuygefüllten Scheune zu werfen,
Dann hätten wir wenigstens Ruhe vor diesen Böen gehabt. Kurz über dem
Turm gehorchte die Maschine aber wieder dem Höhensteuer und bangen Herzens
folgten wir dem Main weiter.« ;
Endlich noch das Urteil von K. Wegener, der auf Kosten der National-
flugspende als Flieger ausgebildet wurde, um meteorologische Erfahrungen beim
Fliegen zu sammeln. Er faßt seine Erfahrungen folyendermaßen zusammen:
»Solange die Stöße von oben und unten in kurzen Perioden folgen,
braucht man nicht stark mit der Steuerung zu reagieren, Man fährt dann in
der Luft »über Sturzacker«. Bei langperiodigen Vertikalbewegungen sind die