Weitere‘ Vereinfachung in der Auswertung der Pilotballonaufstiege. 99
man sich aber durch Änderungen helfen. Waren die Winde auch in der Höhe sehr
schwach und war der größte Horizontalabstand des Ballons höchstens 6 km, so
empfiehlt es sich, für die Zeichnung doppelten Maßstab zu wählen. Man schreibt
dann mit roter Tinte an das Liniennetz neue Hektometerzahlen, 6, 12, 18 gelten
dann als 3, 6, 9 usw. Die Messung der Windgeschwindigkeit geschieht dann nur
für das 1-Minuten-Intervall an der mittleren Skala, für Intervalle von 2 Minuten
aber an der Skala rechts mit den doppelten Abständen der Teilstriche. Umgekehrt
wird, wenn der Ballon bis in horizontale Entfernungen von mehr als 12 bis 15 km
beobachtet werden konnte, beim gewöhnlichen Maßstab der Rand des Formulars
erreicht. Dann muß man entweder das Papier durch Anstecken eines zweiten Blatts
auf dem Brett erweitern oder auf demselben Papier die Abtragungen in halbem
Maßstabe fortsetzen und entsprechend ausmessen.
Das Formular bewährt sich beim täglichen Gebrauch auf der Drachen-
station der Seewarte und ist bei der Buchdruckerei von Hammerich und Lesser
in Altona zum Preise von 5 M. für 100 Stück in Blöcken zu 50 Stück zu erhalten.
Die Teilung des inneren Kreisquadranten beruht darauf, daß statt des
Höhenwinkels a, dessen cotang gesucht wird, derjenige größere Winkel 8 genommen
wird, dessen cosec diesem cotang gleich ist, Da also
1 © . 1
cotg ı == COSEC f = ng’ zugleich aber cotg « = ea
ist, so ist # der Winkel, dessen sin gleich tg x ist. Durch die stumpferen Winkel
wird auch die Bestimmung der Schnittpunkte sicherer.
Wr
K.
Bedeutung der vertikalen Luftbewegungen für die Luftfahrt.
Von Dr. Paul Ludewig,
I. Erfahrungen der Luftfahrer. ;
In unserer Vorstellung über die Bedeutung. der Hoch- und Tiefdruck-
yebiete für die Witterungsvorgänge spielen die vertikalen Luftbewegungen eine
wichtige Rolle. Wir nehmen an, daß infolge der Druckdifferenz die Luft am
Boden aus dem Hoch in das Tief hineinströmt. Im Tiefdruckgebiet selbst kommt
dadurch ein Aufsteigen der Luftmassen zustande, die in großen Höhen wieder
zum Hochdruckgebiet hinströmen und in ihm hinabsteigend an dem dauernden
Kreislauf weiter teilnehmen. Wenn auch infolge der Wirkung der Erddrehung
von diesem theoretischen Windverlauf insofern Abweichungen eintreten, als der
Wind an der Erdoberfläche nicht auf dem kürzesten Wege, sondern in Spiral-
linien in das Tief hineinströmt, so bleibt die Tatsache der auf- respektive ab-
steigenden Luftströme im Kern der Tief- und Hochdruckgebiete bestehen,‘ Mit
ihrer Existenz hängt die Entstehung der Wolken im Tiefdruckgebiet .und die
Herrschaft des schönen Wetters im Hochdruckgebiet zusammen.
Diese vertikalen Luftströme haben aber in der Regel eine so geringe
Geschwindigkeit, daß ihr direkter Nachweis wohl nur mit Schwierigkeiten zu
erreichen sein wird. Sie haben auch auf die praktische Luftfahrt — und dieser
Gesichtspunkt soll für die folgenden Ausführungen maßgebend sein — nur indirekt
insofern Einfluß, als sie die Ursache für den kommenden Witterungsverlauf
bilden. Diejenigen Luftströme aber, die direkt eine große Gefahren-
quelle für den Luftfahrer bilden, haben meist eine erhebliche
Geschwindigkeit und einen plötzlichen und heimtückischen Charakter.
Sieht man die Listen der Unglücksfälle, die die Flugzeugfahrer in den letzten
Jahren betroffen haben, durch, so findet man recht häufig als Grund vertikale
Luftströme angegeben, und bei vielen Unglücksfällen, bei denen sich eine Ursache
nicht mit Sicherheit hat feststellen lassen, wird ihnen ebenfalls die Schuld zuzu-
messen sein,
Welch große Bedeutung man ihnen in den Kreisen der Luftfahrer beimißt,
yeht daraus hervor, daß auf der ersten Versammlung der Wissenschaftlichen