Ludewig, P.: Der Einfluß meteorologischer Faktoren auf die drahtlose Telegraphie. 81
Zeichen während der Zeit vom Februar 1912 bis Januar 1913, also während der Dauer
eines ganzen Jahres gemessen. Die Versuche ergaben im Gegensatz zu den früheren,
ähnliche Resultate, wie sie von Markoni, Schwartzhaupt u. a. mitgeteilt sind:
Am. Tage traten keine bedeutenden Energieschwankungen auf, dagegen zeigen
sich wesentliche. Unregelmäßigkeiten in der Nacht, wobei die Empfangsintensität
im Frühjahr und Herbst etwa doppelt so groß wie am Tage war, während sie
im Sommer, von gelegentlichen Abweichungen ab- “m 5
gesehen, nicht viel größer als am Tage gefunden Bi De
wurde. Dazwischen traten oft ganz außergewöhnliche
Steigerungen in der Empfangsintensität auf, die von
Minute zu Minute wechselte. Eine besonders be-
merkenswerte Schwankung wurde am 12, November
1912 (Himmel bedeckt, Barometer 737 mm) beob-
achtet und quantitativ verfolgt. Das Resultat ist in
Fig. 5 wiedergegeben. In 7 Minuten schwankt hier
die Empfangsintensität um den 6.3 fachen Betrag.
Eine weitere Unregelmäßigkeit wird mit folgenden
Worten beschrieben: .
‚Ferner sei eine Beobachtung vom 20, Oktober
erwähnt (Himmel am Tage und bei Nacht bedeckt,
Barometerstand 755). Tageswert ohne Schwankungen
im Mittel 28.8, nachts Intensität heraufgehend bis 230,
so daß die Energie vorübergehend bis auf den acht-
fachen: Wert des Tagesausschlags wächst. In der
darauffolgenden Beobachtungsnacht betrug der Aus-
schlag (bei bedecktem Himmel, Barometerstand 750) .
im Mittel 26 mm, ohne daß nennenswerte Schwankungen sich konstatieren ließen,
In diesem Falle wäre die Reichweite nachts nicht größer als die am Tage gewesen.
Ebenso konnte ich häufig beobachten, daß auf Nächte mit besonders großer Laut-
stärke und heftigen Schwankungen solche von normalem Zustande und mit nur
in geringem Maße veränderlicher Intensität folgten.«
Und in einer Anmerkung heißt es: »Bei tiefem Barometerstand waren die
Schwankungen manchmal besonders auffallend, aber bei großen Werten des Luft-
drucks verschwanden sie nicht, so daß hierin wohl die alleinige Ursache für ihre
Entstehung nicht zu suchen ist.« .
In allerneuester Zeit sind von Reich weitere systematische Versuche in
dieser Richtung unternommen. Er stellte sich die Aufgabe, die durch elektrische
Wellen übertragene Energie auf einer Empfangsstation quantitativ zu messen.
Er schließt aus seinen Messungen: »Man sieht auch hier, wie die Tagesbeobach-
tungen (8%? V) der verschiedenen Tage gut mit-
einander übereinstimmen; um 5% N bei be-
ginnender Dunkelheit (Ende November) ist die
Uebereinstimmung bereits nicht mehr so gut;
nachts 12!/,2 sind nicht nur gegen die Tageswerte
beträchtliche Abweichungen vorhanden, auch die
Schwankungen der Beobachtungen kurz nach-
einander :sind zum Teil sehr groß. — — — Bei
allen Wellenlängen ist die Absorption bei Nacht
— in Übereinstimmung mit den praktischen Er- N
fahrungen — sehr viel geringer als am Tage. Um die zeitlichen Anderungen der
Absorption bei Nacht und bei beginnender Dunkelheit näher zu untersuchen, wurden
zwischen Neumünster und Göttingen und zwischen Köln und Göttingen Versuche in
der Weise ausgeführt, daß während längerer Zeit alle Minuten mit konstanter Energie
bei konstanter Wellenlänge gesendet und die Empfangsstromstärke gemessen
wurde, Es zeigten sich‘ ganz unregelmäßige Schwankungen, die auf eine Art
Flimmern hindeuten. In der Figur 6 sind als Beispiel die mit der Wellenlänge
1340 m kurz nach Sonnenuntergang zwischen Neumünster und Göttingen er-
haltenen Beobachtungen eingezeichnet. Ähnliche Kurven ergaben auch Nacht-
Ann. d. Hydr. usw. 1914, Heft II.
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