accessibility__skip_menu__jump_to_main

Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

Lesshaft, E.: Das Karische Meer als Seeweg nach Sibirien. 
71 
c) Den günstigen Eiszuständen im Norden des Barentsmeeres entsprechen 
ähnliche im Südosten dieses Meeres, Verläuft die Eisgrenze im Norden des 
Barentsmeeres im Juni des gegebenen Jahres nördlich des 74. Breitengrads, im 
Juli nördlich des 76., so zieht sich im Südosten dieses Meeres im Juni die west- 
liche Eisgrenze östlich von Kolgueff hin. Erstreckt sich im Sommer des ge- 
gebenen Jahres die Eisgrenze im Norden mehr nach Süden hin, so zeigt es sich, 
daß die Eisgrenze im Südosten im Juni bedeutend nach Westen vorgeschoben 
ist, über Kolgueff hinaus und sogar über Kanin Noss, 
4. Der Einfluß der meteorologischen Faktoren auf die Eiszustände im Karischen Meere. 
Von den verschiedenen meteorologischen Faktoren, die auf die Eiszustände 
der polaren Meere einwirken, wird von den meisten Forschern dem Winde eine 
Hauptrolle zugeschrieben. Die ungeheuere Wichtigkeit dieses Faktors wird ins- 
besondere durch die Beobachtungen Hovgaards ins rechte Licht gesetzt. Diese 
Beobachtungen fanden während dessen langdauerndem Aufenthalt im Eise des 
Karischen Meeres statt, in den Jahren 1882 und 1883. Durch diese Beobachtungen 
wurde es festgestellt, daß die Eisverschiebungen im Karischen Meere aus- 
schließlich durch den Einfluß des Windes hervorgerufen werden, Irgendwelche 
merkliche Mitwirkung der Meeresströmungen ist nicht bestätigt. Die meteorolo- 
gischen Beobachtungen, die im südlichen Teile des Karischen Meeres im Laufe 
eines ganzen Jahres (1882/83) durch die holländische (»Varna«) und dänische 
(»Dyjmphna«) Expeditionen veranstaltet worden sind, haben gezeigt, daß im Süden 
des Karischen Meeres im Winter und im Frühling Südwest-Winde vorherrschen, 
im Sommer Nord-, Nordost- und Ostwinde, im Herbst Westwinde. Nach den Be- 
obachtungen des Schiffes »Varna« betrug die Häufigkeit der Südwest-Winde im 
Winter 27.1 °% von allen Winden, im Frühling 19.4 %,; im Sommer betragen die 
Nordwinde 16.6 %,, die Nordost-Winde 15.2 % und die Ostwinde 15.1 °/,; im 
Herbst ergeben die vorherrschenden Westwinde 17.6 %/,!). Die Resultate der 
Beobachtungen der »Dyjmphna«?) sind ungefähr die gleichen. 
Die beobachteten Eisverschiebungen entsprechen vollkommen der in den 
verschiedenen Jahreszeiten vorherrschenden Windrichtung. Wie es aus den Be- 
obachtungen Hovgaards bekannt ist, treiben die im Sommer vorherrschenden 
Nordost-Winde das Eis in den südwestlichen Teil des Karischen Meeres, die im 
Herbst, Winter und Frühling vorherrschenden entgegengesetzten Winde treiben 
das Eis nach Nordost. Von Jahr zu Jahr aber ändert sich die Stärke und 
Richtung der vorherrschenden Winde, In Abhängigkeit davon verändert sich auch 
die Richtung des Treibeises und demnach auch seine Verteilung über die Ober- 
fläche des Meeres, Je heftiger die Nordost-Winde vorherrschen, desto mehr Eis 
wird in den südwestlichen Teil des Karischen Meeres zusammengetrieben. Bei 
einer relativ schwachen Entwickelung dieser Winde muß auch weniger Eis im 
Südwesten vorgefunden werden. Bei dem Vorherrschen der Winde von Südwest 
muß das Eis in den nördlichen Teil des Meeres getrieben werden. ; 
Das Vorherrschen in einem gegebenen Sommer dieser oder jener Winde 
übt auch in anderer Hinsicht auf die Eisverhältnisse im Karischen Meere seine 
Wirkungen aus, Die Nordost-Winde sind die kältesten in unseren Polarmeeren. 
Laut Beobachtungen an der Westküste Nowaja Semljas (die Bucht Möller und die 
Überwinterung Tobiesens, 1872 bis 1873 und 1876 bis 1877), entspricht den Nord- 
ost-Winden eine mittlere Temperatur von —22.7°, wogegen den viel wärmeren 
Südwest-Winden eine mittlere Temperatur von —10.1° entspricht®). Folglich je 
mehr in dem gegebenen Sommer die Nordost-Winde vorherrschen, desto niedriger 
1) J. Hann. Ergebnisse der meteorologischen Beobachtungen der niederländischen inter- 
nationalen Polar-Expedition 1882/83 in der Kara-See. »Meteorologische Zeitschrift« S. 245 bis 256. 
?) A. Hovgaard. Die Eiszustände im Karischen Meer, »Petermanns Mitteilungen« 1884. 
3) J. Hann. Handbuch der Klimatologie, Band III, S. 628, Siehe gleichfalls die thermische 
Rose der Winde in der Abhandlung des Fürsten B. Golitzin »Über meteorologische Beobachtungen 
auf Nowaja Semlja.« Memoiren der Kaiserl. Akademie der Wissensch. VIII. Serie, Band IX, Nr. 3, 
1900, St. Petersburg,
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.