Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914.
licheren Lage (südlicher als die bezeichneten Breiten)!) dieser Eisgrenze der
Typus 5%. Zieht sich demnach die mittlere Breite der Eisgrenze der Barentssee
im Juni südlicher als der 74.° nördlicher Breite, im Juli südlicher als der
76. Breitengrad, so sind die Eiszustände des Karischen Meeres derart, daß im
August und September wenig Eis im südlichen Teil des Meeres anzutreffen ist,
dieser Teil wird der Schiffahrt günstig sein, die Hauptmasse des Eises wird
dagegen im nordwestlichen Teile des Meeres konzentriert sein und der Weg von
Norden wird der Schiffahrt unzugänglich sein, Im Falle einer nördlicheren
Lage der Eisgrenze des Barentsmeeres — nördlicher als der 74, Breitengrad
im Juni und der 76.° im Juli — kann die Verteilung der Eismassen im Karischen
Meere auf zweierlei Art vor sich gehen, entweder nach dem Typus d oder nach
dem Typus a. Im ersteren Falle wird das Karische Meer im August in allen
seinen Teilen frei von Eis sein, im zweiten wird es frei von Eis sein im Norden
und Nordwesten, die Hauptmasse des Eises dagegen wird im südwestlichen Teile
des Meeres konzentriert sein. Welches von den zwei Typen der Eisverteilung
wird in Wirklichkeit auftreten? Kann diese Frage entschieden werden? Die
Antwort darauf erhalten wir im folgenden Kapitel nach der Untersuchung der
Einwirkung gewisser meteorologischer Faktoren auf die KEiszustände des
Karischen Meeres.
Versuchen wir ebenfalls aufzuklären, ob nicht etwa ein Wechselverhältnis
vorhanden ist zwischen den Eiszuständen im Südosten des Barentsmeeres und
den Eiszuständen im Süden des Karischen Meeres. Die Karten »Isforholdene
j de arktiske Have« zeigen, daß im Juni im Südosten der Barentssee sich
gewöhnlich das Eis noch hält. Die Dimensionen dieser KEisregion, die durch
offenes Meer von der Region der Eisfelder im Norden der Barentssee getrennt
wird, schwanken von Jahr zu Jahr ziemlich stark, Zugleich verändert sich
auch die Lage der Westgrenze dieser Eisregion. Bei günstigen KEisverhältnissen
verläuft die Grenze in der Nähe von Waigatsch, bei ungünstigen dagegen
erstreckt sie sich weit nach Westen hin und verläuft bedeutend westlicher vor
der Insel Kolgueff. In der unten folgenden Tabelle V sind die Daten über die
Eisverhältnisse im Südosten der Barentssee für den Monat Juni angeführt und
sind für jedes Jahr die Typen der Eiszustände im Karischen Meer angegeben
worden, nebst der mittleren Höhenbreite der Eisgrenze für Juli im Norden des
Barentsmeeres,
Die Zusammenstellung der Daten über die Lage der Eisgrenze im Südosten
des Barentsmeeres mit den Daten über die Eiszustände im Karischen
Meere läßt uns zu folgenden Schlüssen kommen. Den Typen a, c und d entspricht
eine mehr östliche Lage der Eisgrenze im Südosten des Barentsmeeres. In
diesem Falle verläuft die westliche Eisgrenze von Süd nach Nord bedeutend
östlicher von der Insel Kolgueff, oder in der Nähe von Waigatsch oder auch
ungefähr in der Mitte zwischen Kolgueff und Waigatsch. Die Dimensionen
der südöstlichen Eisregion sind verhältnismäßig klein. Dem Typus b entspricht
eine westlichere Lage der Eisgrenze im Südosten des Barentsmeeres, Sie
erstreckt sich nach Westen bis über die Insel Kolgueff hinaus, zuweilen sogar
bis über die Halbinsel Kanin. Die Dimensionen der südöstlichen Eisregion
wachsen stark an.
Beim Vergleich der Daten über die Eiszustände in Südosten des Barentsmeeres
mit den Daten der Eiszustände im Norden dieses Meeres (d. h. mit der
mittleren Höhenbreite der Eisgrenze im Juli), kommen wir zum Schluß, daß
zwischen der Lage der Eisgrenze im Norden und der im Südosten des Barentsmeeres
ein ganz bestimmtes Verhältnis besteht. Der nördlicheren Lage der
Eisgrenze im Norden entspricht eine östlichere Lage der Eisgrenze im Südosten;
der südlicheren Lage der ersteren entspricht eine westlichere der letztgenannten.
Mit anderen Worten: sind die Eisverhältnisse im Norden des Barentsmeeres
relativ günstig, so sind sie es auch im Südosten und umgekehrt,
‘) Eine Ausnahme bildet das Jahr 1901; in diesem Jahre verlief die mittlere Breite der Kisgrenze
längs der Breite 74.3° (im Juni),
2) Der Typuse wird nur einmal verzeichnet, deshalb lassen sich in betreff seiner keine Schlüsse ziehen.