66 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1914.
Vergleichen wir zu allererst die Zahlen der Tabelle III mit den Daten der Tabelle IV
in bezug auf die Zugänglichkeit des Weges um das Nordende Nowaja Semljas. Die
Zugänglichkeit ist in der Tabelle mit z bezeichnet, die Unzugänglichkeit mit nz.
Stellen wir die Daten der Zugänglichkeit des Weges um das Nordende
Nowaja Semljas gegenüber den Zahlen der zweiten Reihe der Tabelle III,
also der mittleren Breite der polaren Eisgrenze der Barentssee im Juli. Es ist
klar, daß zwischen beiden ein ganz bestimmtes gegenseitiges Verhältnis besteht.
Der Weg um das Nordende Nowaja Semljas ist in allen den Fällen zugänglich,
wenn die mittlere Breite der Juli-Eisgrenze in der Barentssee gleich 75°.8 oder
mehr ist, der Weg dagegen ist unzugänglich, falls die mittlere Breite der Eis-
grenze im Juli niedriger als diese Ziffer ist. Die Zugänglichkeit der Passage
um das Nordende Nowaja Semljas befindet sich folglich in einer gewissen Ab-
hängigkeit von der Lage der polaren Eisgrenze in der Barentssee während des
Monats Juli. «Der Weg wird nur in dem Falle zugänglich, wenn die besagte KEis-
grenze nach Norden über einen bestimmten Breitengrad zurückweicht und zwar
ist es in 8 Fällen von 10 der 76. Breitengrad. Aus den vorhergehenden Erläu-
terungen ist uns bekannt, daß anderseits bei einer freien Passage um das
Nordende Nowaja Semljas herum zugleich auch der ganze nördliche Teil des
Karischen Meeres vom Eise frei ist. Folglich kann man mit Recht schließen,
daß günstige Schiffahrtsbedingungen in dem Falle im Norden des Karischen
Meeres vorherrschen, falls die Eisgrenze der Barentssee im Juli-Monat über den
76. Breitengrad zurückweicht.
Der Vergleich der Zugänglichkeit der nördlichen Passage ins Karische
Meer mit der Lage der Eisgrenze im Juni- Monat (siehe die erste Reihe der
Tabelle III) zeigt, daß in diesem Falle keine volle Übereinstimmung herrscht
wie im Juli, und daß es nicht möglich ist, eine strengbestimmte Breite der Eis-
grenze festzusetzen, wie wir es für Juli getan haben. In den meisten Fällen
(14 Fälle von 16) ist der Weg zugänglich, falls die mittlere Breite der Eisgrenze
in der Barentssee im Juni-Monat höher als der 74, Breitengrad liegt, unzugäng-
lich wenn die Eisgrenze unter den 74. Breitengrad hinabsteigt. Eine Ausnahme
bilden die Jahre 1900 und 1901. Im Jahre 1901 war der Weg ins Karische Meer
von Norden her unzugänglich, obgleich die Eisgrenze im Juni höher als der
74. Breitengrad lag, im Jahre 1900 dagegen war der Weg passierbar trotz des
Herabsinkens der Eisgrenze unter den 74, Breitengrad. Auf diese Weise gibt
es keine volle Übereinstimmung zwischen der Lage der Eisgrenze im Barents-
meer im Juni-Monat und der Zugänglichkeit des nördlichen Weges ins Karische
Meer. Nichtsdestoweniger kann man in den meisten Fällen schon aus der Lage
der Eisgrenze im Juni einen Schluß ziehen auf die Zugänglichkeit des Weges
im betreffenden Jahre um das Nordende Nowaja Semljas,
Vergleichen wir jetzt die Zahlen der Tabelle IIZ mit den Daten über die
Eisverhältnisse im Matotschkin Schar (siehe Tabelle IV). In der zweiten Zeile
der Tabelle IV wird mit den Buchstaben sp und fr das relativ späte oder frühe
Aufgehen der Eisdecke im Matotschkin Schar bezeichnet. Als frühes Aufgehen
bezeichnen wir ein solches, wenn das Eis bereits im Juli-Monat oder nicht später
als in den ersten Tagen des August schwindet; als spätes das Schwinden in
der zweiten Hälfte des August oder im September. Beim Vergleich der Daten
der zweiten Reihe der Tabelle IV mit denen der ersten derselben Tabelle, finden
wir ein ganz bestimmtes Verhältnis zwischen denselben, Die Bedingungen eines
frühen oder späten Aufgehens des Eises im Matotschkin Schar korrespondieren
genau mit der Zugänglichkeit oder Unzugänglichkeit des Weges um das Nord-
ende Nowaja Semljas. Geht das Eis folglich im Matotschkin Schar früh auf, so
kann man darauf rechnen, daß der Nordzugang ins Karische Meer offen ist. Mit
der Zugänglichkeit der Nordpassage gehen parallel, wie uns bekannt, günstige
Schiffahrtsbedingungen im Norden des Karischen Meeres. Also das verhältnis-
mäßig frühe Aufgehen des Matotschkin Schar wird von günstigen Eisverhält-
nissen im nördlichen Teile des Karischen Meeres begleitet.
Aus dem Gesagten geht bereits hervor, in was für einem Verhältnisse
das Aufgehen des Eises im Matotschkin Schar zu der Lage der Eisgrenze in