606 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, November 1914,
zu berücksichtigen waren. Am nächst einfachsten erscheint die Gruppe III, bei
der Perioden von Jahreslänge und halbmonatliche Perioden zu einem Produkt
von Kosinus, soweit sie hier in Betracht gezogen sind, sich zusammenschließen.
Sehr viel verwickelter stellen sich die übrigen Gruppen dar; bei diesen sind in
ein Produkt zusammenzuziehen: in Gruppe II einfache Perioden von der Länge
eines Jahres, eines halben Monats (20) und eines Viertelmonats (40); in Gruppe IV
solche eines Jahres, eines halben Monats, eines Viertelmonats und eines Sechstel-
monats; in Gruppe V von einem ganzen, einem Drittel- und einem Fünfteljahr.
In den Gruppen II, IV und V sind zudem die einander doch natürlich nahe-
stehenden vier einfachen Perioden % + (w + o) auf verschiedene Kosinusprodukte
verteilt.
Die Gruppen I, II und III stellen gewissermaßen gemischte Systeme dar,
indem sie sowohl Bewegungen der Erde als des Mondes im Sonne—Erde— Mond-
system in Betracht ziehen. Gruppe IV, bei der man folgerichtig an Stelle von y
auch 7, = y-—0 einführen wird, gründet sich allein auf die Bewegungen des
Mondes in bezug auf die Erde; Gruppe V, mit y, = /-—n1 an Stelle von y, nur
auf die Bewegungen der Erde in bezug auf die Sonne.
Da die mathematische Grundlage fehlt, so ist zur Zeit von vornherein
kaum zu sagen, welches der in den fünf Gruppen gebildeten Systeme als den
natürlichen Vorgängen sich am engsten anschließend anzusehen sein wird, Die
Auswertung der einfachen Perioden wird wohl diesen Aufschluß geben, da die
Darstellung in einer Reihe von Kosinusprodukten fordert, daß die zu einem
Kosinusprodukt zusammenfassenden einfachen Perioden die gleiche Amplitude
haben und ihre Phasen zueinander in bestimmter Beziehung stehen. Sollte dies
z. B. für die in der Gruppe III angeführten jährlichen und halbmonatlichen
Perioden stattfinden, so würde dieses System als das der Natur in einfachster
Weise entsprechende zu wählen sein.
Vom physikalischen Standpunkte bin ich geneigt, der Gruppe III den
Vorzug zu geben. Sie berücksichtigt in % die Stellung der Erde zur Sonne,
sowohl in der Lage der Erdachse zur Verbindungslinie Sonne— Erde, als in
bezug auf die Entfernung von der Sonne, in 04 unmittelbar die Entfernung des
Mondes von der Erde, in o und w® die Lage der Erdachse zur Verbindungslinie
Mond— Erde. Die Entfernung des Mondes von der Erde dürfte an sich ein
Element von selbständiger bestimmter Wirkung darstellen, so daß es durch die
anomalistische Umlaufsgeschwindigkeit % unmittelbar, nicht aber, wie es in
Gruppe I geschieht, nur mittelbar durch o und o einzuführen ist. Ebenso er-
scheint der tropische Umlauf des Mondes das dem Wesen nach wirksame Element,
das durch den Umlauf der Mondknoten nur eine quantitative Anderung erfährt,
so daß o& und @ in Betracht zu ziehen sind, nicht aber die Winkelgeschwindigkeit
des drakonitischen Umlaufs o0,, = o0—w, dem eine selbständige Wirkung wohl
kaum zuzuschreiben sein dürfte. Sofern: nur die Jahresperioden und deren
Vereinigung zu Produkten in Betracht gezogen werden, wie dies in »Ann. d.
Hydr. usw.« 1914, S. 135, bei der Auswertung des Barometerganges für Thorshavyn
geschehen ist, machen die Gruppen I und III keinen Unterschied,
Auf S. 188 der erwähnten Abhandlung in »Ann. d. Hydr. usw.« 1914 ist
die Abwesenheit hervortretender kürzerer Perioden als die des tropischen Mond-
umlaufs, für die die Auswertung stattgefunden hat, dadurch als nachgewiesen
erachtet worden, daß die Werte der Phasen für die verschiedenen täglichen
Beobachtungstermine innerhalb der Fehlergrenzen nur um die Werte voneinander
abweichen, die den infolge der vorgerückteren Zeit eingetretenen Phasen-
verschiebungen dieses Mondumlaufs entsprechen, Indes nicht allgemein kann es
als Beweis für die Abwesenheit einer anderen Periode als die der Rechnung zu-
grunde gelegten angesehen werden, wenn die Phasen, die sich bei einer solchen
Rechnung aus den Werten für gleich entfernte Zwischenzeiten ergeben, auf die
gleiche Epoche zurückgeführt, als gleich sich erweisen.