Ann. d. Hydr. usw., XXXXII. Jahrg. (1914), Heft XI.
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Die Windverhältnisse an der vorpommerschen Küste
mit besonderer Berücksichtigung der Anemometer-Beobachtungen
von Wustrow 1887 bis 1910.
Von Carl Diekermann, Grimmen,
(Hierzu Tafel 18.)
Die vorliegende, auf Anregung von Herrn Professor Dr. M. Friederichsen,
Greifswald, ausgeführte Arbeit hat den Zweck, die Windverhältnisse an der Neu-
vorpommerschen Küste einer eingehenden Betrachtung über einen längeren Zeit-
raum zu unterziehen. Es sind dazu die Beobachtungen der Stationen verwendet
worden, die auf dem Küstenstrich vom Darß bis zur Swine gelegen sind, besonders
die Anemometeraufzeichnungen von Wustrow, ferner die dreimal täglichen Beob-
achtungen von Swinemünde, Putbus und Greifswald; daneben kommen noch für
die Untersuchung der Stürme die Aufzeichnungen der Signalstellen Darsserort,
Wittower Posthaus, Stralsund, Arkona, Thiessow, Greifswalder Oie, Ahlbeck und
Swinemünde in ‘Betracht. Sämtliche Stationen, mit Ausnahme der von Greifs-
wald, die erst im Jahre 1898 eingerichtet wurde, verfügen über eine längere
Beobachtungsreihe, aus der ich 24 Jahre, nämlich von 1887 bis 1910 verwendet
habe. Die Anemometeraufzeichnungen von Swinemünde liegen nur teilweise ver-
öffentlicht vor; ich mußte mich daher auf die dreimal täglichen Swinemünder
Beobachtungen beschränken,
Da es zum Verständnis der lokalen Windverhältnisse von Bedeutung
ist, so sei zunächst einiges über die Lage der wichtigsten Stationen und
die Aufstellung der Apparate vorausgeschickt. Die Hauptbeobachtungsstation
Wustrow!) ist eine Normalbeobachtungsstation der Deutschen Seewarte; sie liegt
in 54° 20’ 50” N-Br. und 12° 23’ 38” O-Lg. von Greenw., 7 m über dem Meere,
auf dem im Maximum 21/, km breiten Landstreifen zwischen dem Saaler-Bodden
und der Ostsee, Die Station liegt vollkommen frei, da größere Waldungen für
sie nicht in Betracht kommen; das Navigationsgebäude, in dem sich die Apparate
befinden, ist in zwei Richtungen nur 500 bzw. 800 m vom Wasser entfernt. Der
Anemograph befindet sich in der Mitte des Dachfirstes des oben erwähnten
Gebäudes frei aufgestellt, das Schalenkreuz 1.05 m über dem Dache, 13 m über
dem Erdboden und etwa 171/, m über dem mittleren Spiegel der Ostsee. Beob-
achter waren bis 1899 die Herren Navigationslehrer Brandes und Reimer
und von 1899 an Navigationsschuldirektor Reimer und Navigationslehrer
Fretwurst.
Die zweite Normalstation der Seewarte Swinemünde?) liegt auf der Insel
Usedom an der Küste der Pommerschen Bucht, und zwar in 53° 56’ N-Br. und
14° 16’ O-Lg. von Greenw. in einer Höhe von 10.0 m über dem Meere: Die
Beobachtungen wurden vorgenommen im Schiffahrtsamtshause, und zwar waren
als Beobachter tätig folgende Herren: Sekretär im Kreisausschußbureau Fratzke
und Oberlotse Luck,
Die beiden anderen Stationen?) sind solche II. Ordnung des Königlich
Preußischen Meteorologischen Instituts in Berlin. Die Älteste ist Putbus in
54° 21’ N-Br. und 13° 28’ O-Lg.. von Greenw. Sie liegt im südöstlichen Teile
der Insel, Rügen auf einer 60 m hohen plateauartigen Erhebung, die nach
Westen und Norden langsam, nach dem 2 km entfernten Greifswalder Bodden
1 Vgl. Friedrich v. Hagen: Wustrow, sein Klima und die Wettervorhersage. Dissert.
Rostock 1909, S. 7 bis 8. .
2) Deutsches meteorol. Jahrbuch im Beobachtungssystem der Deutschen Seewarte für 1889.
XIX. Jahrgang. Hamburg 1590, A
3) Deutsches meteorol. Jahrbuch für 1891. Beobachtungssystem des Königreichs Preußen.
Berlin 1895,
Anno. d. Hrvdr, usw. 1914, Heft XI.