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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

zz. 
19 
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1914, 
Das Buch ist kein Lehrbuch der Deviationstheorie, und ein Leser, der den Stoff nicht bis zu 
einem gewissen Grade beherrscht, wird das Buch unbefriedigt wieder fortlegen, zumal die Disposition 
des Stoffes überraschend unübersichtlich ist, So sind, um nur eins anzuführen, die Berechnung der 
Deviationskoeffizienten und andere elementare Sachen zwar erörtert, aber nicht am Anfang des Buches, 
sondern im letzten Viertel. Das Buch ist gleichsam eine Sammlung von Aufsätzen über verschiedene 
Fragen des Kompaßwesens. 
Am eingehendsten beschäftigt sich der Verfasser mit der Berechnung des Einflusses des 
halbfesten Magnetismus auf die Deviation, Er polemisiert gegen die bekannten Koldewerschen 
Formeln !), nach denen durch 24stündiges Liegen auf dem magnetischen Kurse Z£p die 
Längsschiffskomponente p = — 7 . N - COS Cp = — z sec J + cos Sp 
: . vT O. ‚vr . 
Querschiffskomponente q = 2° H SinSp= SC J + sin Ep 
eingeführt werden, Mars will an ihre Stelle die Ausdrücke 
Längsschiffskomponente p == — v Hp cos £p 
Querschiffskomponente q = + v' Hy sin £p 
gesetzt wissen, wo Hp die Horizontalintensität des Erdmagnetismus während der Aufnahme des halb- 
festen Magnetismus bedeutet. Diesen Kräften würden Zusarzglieder B, und C, in den Koeffizienten 
B und C entsprechen von der Gestalt 
B,- 
“HM . 
X + CCS Sp 
H x 
. a sin Zp. 
Cs 
Ä 
Zweifellos ist es richtig, auch bei der Berechnung der Wirkung des halhfesten Magnetismus 
den Einfluß der Horizontalinduktion getrennt von dem der Vertikalinduktion zu betrachten. So 
erscheinen die Formeln von Mars natürlicher als die von Koldewey. Leider spricht sich Mars 
nicht präzis darüber aus, welcher Zeitraum bei der Bestimmung von £p und Hp zugrunde gelegt 
werden soll, wie denn überhaupt die Definitionen des Buches an Klarheit zu wünschen übrig lassen, 
Wenn Mars auf die Unterscheidung von Hp und H großen Wert legt, so daß er ein Ap == ein- 
p 
führt, so liegt darin eine Komplikation, die m. E. nicht im Einklang steht mit der an dieser Stelle 
erreichbaren Genauigkeit, Der Erprobung und Verwendung der aufgestellten Formeln in der Praxis 
kann es nur hinderlich sein, wenn sie mit Feinheiten belastet werden, die entbehrlich sind. Der 
Hang zu Künsteleien tritt zum Teil leider auch in den vom Verfasser angeführten Beispielen zu- 
:age. die im übrigen manches Instruktive enthalten. So wird (5.18. 19) aus zwei Werten von B, 
die nur um 1.4° verschieden sind und sich noch dazu auf verschiedene Orte beziehen, ohne daß Zp 
Jekannt ist, ein Wert von p ermittelt und aus ihm in Verbindung mit dem ebenfalls unsicheren 
Wert von q der vorher gesteuerte »Generalkurs« &p erst nachträglich berechnet! Das muß den Leser 
verwirren, zumal die angewandte Formel tang £p = offensichtig falsch und durch 
—_9,X 
tang Sp — pY 
zu ersetzen wäre, 
Ganz unverständlich ist mir, was der Verfasser über die Kompensierung der vom remanenten 
Magnetismus herrührenden Koeffizienten v und v‘ durch eine Flinderstange sagt, welche »rund um den 
Kompaß drehbar ist und in beliebiger Stellung festgesetzt werden kann«. »Nelbstrerständlich, setzt 
ler Verfasser hinzu, »dürfen bloß die sowohl theoretisch wie praktisch im Schiffsmagnetismus gebildeten 
Navigatoren solche Kompensatoren anwenden«. Eine solche Stange würde nicht einen Kompensator, 
sondern ein durchaus ungehöriges Spielzeug am Kompaß darstellen ?). 
Von den Kurskoeffizienten geht der Verfasser zu den sogenannten Gaussinschen Träghbeits- 
Koeffizienten über, d. h. zu den Werten von A und E, die bei der Rundschwaiung durch das Nach- 
schleppen des halbfesten Magnetismus entstehen. Er bringt beide Arten von Koeffizienten in einer 
jogisch allerdings wenig befriedigenden Weise in Verbindung und berichtet über ein größeres Beob- 
achtungsmaterial, das er über diese Größen auf den Damptern der Paketvaart Maatschappi} ge- 
sammelt hat. 
Auf 8. 32 gibt der Verfasser der Kompensation »stilliegend auf N-Kurs« unter Zuhilfenahme 
von Schwingungsbeobachtungen für die Längsschiffskomponente den Vorzug vor der Kompensation 
Jurch Rundschwaiung, weil bei dieser »der Koeffizient A entsteht«. M. E. darf man daraus, daß in 
sinem Falle die Kompensation bei stilliegendem Schiff nach des Verfassers Bericht gut gelungen ist, 
nicht den Schluß ziehen, daß diese Art der Kompensation im allgemeinen zuverlässiger sei, als die 
durch Rundschwaiung. Daß halbfeste Pole hierbei ihre Anwesenheit verraten, ist doch gerade ein 
Vorzug und kein Nachteil. 
Von Interesse ist, was der Verfasser unter »Deviationsänderung nach längerem Aufenthalt auf 
hoher Breite« sagt. Der im vertikalen Eisen während des Baues oder nach längerem Aufenthalt auf 
hohen Breiten durch die Vertikalinduktion erzeugte Magnetismus hat zum Teil halbfesten Charakter, 
i‘y Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte, 1879 8. 10. . 
2) Ähnliche Vorschläge des Herrn Mars im 34. Jahrgang (1906) dieser Annalen S. 337 sind 
mit Recht unbefolgt geblieben.
	        
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