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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 42 (1914)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1914, 
R. v. Sterneck, Über den Einfluß der Erdrotation auf die halbtägigen 
Gezeiten der Adria. 
Von Dr. A. Defant. 
Im Maiheft dieser Zeitschrift habe ich einen Beitrag zur Theorie der 
Gezeiten im Adriatischen Meere veröffentlicht, indem ich dort mit Hilfe der 
hydrodynamischen Gleichungen nachwies, daß sich das Adriatische Meer wie ein 
gegen das Ionische Meer offener Kanal verhält und seine Gezeiten wohl zum 
größten Teil auf Impulse aus diesem Meere zurückzuführen sind. Neben einer 
ganztägigen Welle, die eine uneigentliche Knotenlinie an der Straße von Otranto 
zeigt, weist das Adriatische Meer auch eine halbtägige Welle auf, die eigentlich 
die Haupterscheinung der Gezeiten bildet. Sie stellt sich nicht als eine einfache 
Schaukelbewegung um eine ungefähr von Pago in Dalmatien nach Loreto bei 
Ancona führende Knotenlinie dar, wie es die Theorie eigentlich verlangt, sondern 
als eine Amphidromie um einen Punkt, der etwa 50 km Östlich und 20 km 
nördlich von Ancona liegt, Zwar drängen sich die Isorachien um die erwähnte 
Linie Pago—Loreto etwas dichter zusammen; immerhin ist aber die Abweichung 
von einer einfachen Schaukelbewegung, namentlich im nördlicheren Teile des 
Adriatischen Meeres, eine nicht unwesentliche, 
In meiner vorerwähnten Arbeit habe ich nun hervorgehoben, daß die An- 
nahme einer Längsschwingung um eine Knotenlinie Pago—Loreto, wie es die 
Theorie verlangt, gleichzeitig auch die Annahme einer Querschwingung bedingt, 
die durch die Erdrotation bedingt ist, Beide zusammen liefern die beobachtete 
Amphidromie. Im folgenden habe ich dann gezeigt, daß man tatsächlich durch 
Überlagerung einer Längsschwingung und einer passenden Querschwingung eine 
Amphidromie erhält, die befriedigend mit der tatsächlich beobachteten überein- 
stimmt. Den Nachweis, daß die bei den von der Erdrotation erzeugten Quer- 
schwingungen beobachteten Amplituden und Phasen vollkommen durch die Erd- 
rotation numerisch ihre Erklärung finden, habe ich in dieser Arbeit nicht 
erbracht; diese Stelle blieb einer späteren Untersuchung noch offen, 
Fast gleichzeitig mit Abgabe meiner erwähnten Arbeit an die Redaktion 
der »Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie« hat nun Prof, 
R. v. Sterneck (Graz) der Akademie der Wissenschaften in Wien eine Abhand- 
lung mit dem Titel »UÜber den Einfluß der Erdrotation auf die halbtägigen Ge- 
zeiten der Adria« vorgelegt!), die nunmehr im 122. Bande der Sitzungsberichte 
erschienen ist. In dieser Abhandlung hat nun R. v. Sterneck ganz un- 
abhängig von meinen Untersuchungen, den numerischen Beweis erbracht, 
daß die Amphidromie der halbtägigen Gezeiten der Adria durch die Erdrotation 
bedingt ist. Die Arbeit v. Sternecks und meine Arbeit ergänzen sich voll- 
kommen. Es sei mir gestattet hier den Gedankengang und die wesentlichsten 
Schlußfolgerungen der auch methodisch sehr interessanten Arbeit v. Sternecks 
zu verfolgen, in der eigentlich zum ersten Male der gewiß große Einfluß der 
Erdrotation auf die Gezeiten der Meere an einem Beispiel eingehend demonstriert 
und nachgewiesen wird. 
Durch periodische Impulse, die durch Schiebungen von Wasser durch die 
Straße von Ötranto hervorgerufen werden, vollführt das Adriatische Meer zu- 
nächst eine einfache Schaukelbewegung um eine Knotenlinie, die von Pago in 
Dalmatien nach Loreto bei Ancona führt. Der ganze, nördlich dieser Knotenlinie 
liegende Teil des Adriatischen Meeres hätte dann, in Mondstunden ausgedrückt, 
eine Hafenzeit von 9.8%, der südlich davon liegende dagegen eine solche von 3.8%, 
Außer dieser Längsschwingung, der wegen der Periodengröße der Eigenschwingung 
der Adria, als See betrachtet, fast der Charakter einer freien Schwingung 
zukommt, führt nun das Adriatische Meer noch eine Querschwingung aus, deren 
Knotenlinie ungefähr in der Längsachse des Meeres liegt. Diese Querschwingung 
Vorgelegt in der Sitzung vom 5. März 1914.
	        
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