Hasenkamp, H. v.:. La Cours Untersuchungen über das sogenannte Quasinivellement, 549
zweifelhaft, ob überhaupt in diesem verhältnismäßig breiten Gewässer eine einzelne
Stelle zu finden ist, an der man direkte Strommessungen vornehmen kann, die
unter allen Witterungsverhältnissen ein Bild des Oberflächentransitstromes im
Belt geben. - Die Erdrotation allein wird wahrscheinlich solche Stromrichtungs-
änderungen bei Geschwindigkeitsänderung hervorrufen, daß Beobachtungen an
einer einzelnen Stelle nicht die hier nötigen Aufschlüsse über den mittleren Strom
im Großen Belt und besonders über seinen Nullwert geben können.
An Stelle direkter Strombeobachtungen benutzt der Verfasser die Wasser-
standsmessungen in Korsör und Slipshavn bei Nyborg auf Fünen; zwischen diesen
beiden Stationen muß durch den Einfluß der Erdrotation auf das durch den
Belt strömende Wasser eine Niveaudifferenz hervorgerufen. werden. Ist die Be-
wegung gleichartig in der ganzen Wassermasse, so ist dieser Niveauunterschied P'
proportional der Stromstärke s’, nämlich:
Po 28 S Pa
Hierin ist @ die Winkelgeschwindigkeit der Erdrotation, g die geographische
Breite der Beobachtungsstelle, g die Beschleunigung der Schwere, a die Breite
des Stromes).
Eine so einfache Beziehung zwischen Stromstärke und Niveauunterschied
kommt indessen schwerlich unter den hier vorliegenden Verhältnissen vor, da
z. B. die Ungleichartigkeit der Strömung in den verschiedenen Wasserschichten
und die Dichteverhältnisse ebenfalls die Größe der Niveaudifferenz beeinflussen.
Indessen sprechen verschiedene Gründe dafür, daß diese in der Regel praktisch
der mittleren Geschwindigkeit der Oberflächenschicht proportional ist.
Damit soll durchaus nicht der Einfluß anderer Ursachen auf die Niveau-
differenz als ausgeschlossen bezeichnet werden. Solche Ursachen können durch
die Windverhältnisse gegeben sein, sowie durch örtliche Aufstauungen, indem
das Wasser durch die Küstenformen gezwungen wird, seine Richtung während
seines Laufes durch den Belt zu ändern. Diesen letzten Umstand betrachtet Adam
Paulsen?) als die wesentlichste Ursache, indem er den Niveauunterschied zwischen
beiden Stationen als Folge der Stauung ansieht, die der von Süden kommende
Strom erleidet, wenn er bei der vorspringenden Küste in der Nähe von Korsör
gegen den Grund stößt. Das Folgende wird indessen zeigen, daß sich die Sache
kaum so verhält.
Wie oben gezeigt wurde, ist der Niveauunterschied zwischen dem Wasser-
stand bei Gjedser und dem bei Hornbaek als die wesentlichste Ursache des
Oberflächenwassertransitstromes durch den Öresund anzusehen, Man kann des-
halb annehmen, daß der Niveauunterschied zwischen Ostsee und Kattegat auch
eine Hauptursache des Transitstromes durch den Großen Belt ist. Man‘ kann
dann erwarten, daß im Großen Belt ein ähnlicher linearer Zusammenhang
zwischen Niveaufall und Stromstärke besteht wie im Öresund, so daß das Ver-
hältnis S gleich einer Konstanten zu setzen ist, wo S und S, proportional sind
dem Oberflächenstrom im Öresund, beziehungsweise im Großen Belt. Ist diese
1) Der Satz ist ein Spezialfall eines ganz allgemeinen Theorems von Coriolis (Memoire sur
les Equations du mouvement relatif des systömes de corps. ‚Journ. de V6cole polytechnique T., XV,
Cah. XXIV, S. 142), aus dem sich die Theorie der relativen Bewegung eines schweren Punktes in
der Nähe der Erdoberfläche in bezug auf das bewegliche System der Erde ableiten läßt. Einzelne
Teile dieses Problems sind schon früher von Gauss und von Poisson behandelt worden, Alle
Einzelprobleme sind von Page in verschiedenen Abhandlungen (Mouvements relatifs % 1a surface de
ja terre. Nouvelles annales de Gerono et Bourget T. VI, S. 97, 387 u. 481, T. VHI, 8. 337 be-
handelt, die aus einer früheren Arbeit Note sur les movements relatifs (Nouvelles annales T. VI,
S. 414) hervorgegangen sind, Eine einfache Ableitung des Theorems von Coriolis hat Ekholm
(Meteorologische Zeitschrift Bd, XXIX, 1894, S. 187, gegeben. Von Ferrel (The motions of fluids
and solids relative the earth surface comprising applications to the winds and the currents of the ocean,
New York 1860, ferner American Journal of science 1861) ist der Satz in die Meteorologie eingeführt
worden, Eine sehr einfache Ableitung des oben gegebenen Spezialfalles rührt von Buff (Ann, Chem,
Pharm. Supplementband IV, 1865, S. 207) her, später modifiziert von Zoeppritz, Verhandlungen
d. Deutschen Geographentages IT, 547). ı vH,
%) Nautisk Meteorologisk Aarbog 1906, S. XLIIL
Ann. d. Hydr. usw. 1914. Heft X.