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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1914,
und die Anzahl der positiven und negativen Differenzen, die in der betreffenden
Linie vorkommen, Man sieht hieraus, daß in den Sommernivellements die
Summen der Differenzen ausgeprägt negativ sind und daß die Anzahl der negativen
Vorzeichen bedeutend überwiegt. Dies ist dagegen nicht der Fall bei den
Herbstnivellements, wo das Verhältnis eher umgekehrt ist.
Es zeigt sich also, daß das Präzisionsnivellement kaum mit der Genauigkeit
durchgeführt ist, die man nach dem zugehörigen mittleren Fehler (25 Halbmillimeter)
erwarten sollte, Denn dieser hat zur Voraussetzung, daß kein nennenswerter
systematischer Fehler vorhanden ist, und diese Voraussetzung trifft
augenscheinlich nicht zu. Wodurch die systematischen Fehler hervorgerufen
sind, ist für den vorliegenden Zweck eine Frage von untergeordneter Bedeutung‘),
Auch durch die Tageszeit und die Witterungsverhältnisse könnte ein systematischer
Fehler hervorgebracht werden, indem man nur am Tage und bei
günstigem Wetter nivelliert, also vorzugsweise bei gewissen Verteilungen hohen
und niedrigen Luftdruckes,
Wenn sich die Erdkruste bewegt, wie oben besprochen, ist es kaum wahrscheinlich,
daß sich die ganze Bewegung regelmäßig z. B. über ganz Seeland
erstreckt. Vielmehr wird sich die ungleichartige Beschaffenheit des Erdbodens
bemerklich machen, und die Resultate einer örtlichen Bestimmung der Bewegung,
z. B. mit dem Horizontalpendel, können nicht unmittelbar für einen größeren
Bereich angewandt werden, Es würde außerordentlich schwer sein, zu jeder
beliebigen Jahreszeit ein Präzisionsnivellement in Seeland auszuführen, um eine
etwa vorhandene Änderung des Höhenunterschiedes zwischen Hornbaek und
GCjedser nachzuweisen, Auf diesem Gebiete liegt einer der größten Vorteile des
Quasinivellements, indem dieses die ganze zu nivellierende Strecke auf einmal
umfaßt und so oft ausgeführt werden kann, daß man zum Teil die eventuellen
Perioden der Höhenunterschiede zu entwickeln vermag.
Sehr geeignet für derartige Untersuchungen würden hydrostatische Mikronivellements
sein, mit denen das Meteorologische Institut bei Vejrs in Jütland
Versuche angestellt hat. Nach den letzten Vervollkommnungen der Apparate
muß man aus den Messungen im Dezember 1912 schließen, daß es möglich ist,
eine Höhenänderung von 0.01 mm zwischen zwei wenigstens 500 m voneinander
entfernten Punkten zu bestimmen. Dem entspricht auf einer Strecke wie die von
Hornbaek bis Gjedser eine Höhenänderung von etwa 0,35 cm. Diese letzte Methode
scheint sich weiter für Untersuchungen über den Einfluß der Luftdruckverteilung
und einer etwa vorhandenen täglichen Periode zu eignen, Eine weitere
Untersuchung in dieser Richtung scheint lohnend zu sein.
Die bei dem Quasinivellement gefundene jährliche Änderung des Höhenunterschiedes
zwischen Hornbaek und Gjedser kann von wesentlich verschiedener
Art sein. Entweder kann sie von einer tatsächlichen Formänderung der Erdkruste
selbst herrühren, wobei sich deren Lage zur Geoidfläche ändert, oder
die Erdkruste selbst kann unveränderlich sein, während jährlich-periodische
Massenverschiebungen in der Atmosphäre oder im Meere die Gestalt der Geoidfläche
ändern. Derartigen Änderungen muß auch die Gestaltänderung der Geoidfläche
infolge von Variationen des Gezeitenkraftfeldes zugerechnet werden. Was
es nun ist, das sich bewegt, ist eine Frage für sich, die das Nivellement selbst
oder dessen Genauigkeit nicht berührt; denn jedes Nivellement hat nur die Aufgabe,
die Lage der Erdoberfläche gegen die Geoidfläche zu bestimmen.
Der letzte Abschnitt der Arbeit behandelt das Quasinivellement zwischen
Seeland und Fünen. Die einzigen Strommessungen im Großen Belt, die sich über
eine längere Reihe von Jahren erstrecken, finden sich in früheren Jahrgängen
des Nautisch-Meteorologischen Jahrbuches und stammen von den bis zum Jahre
1903 im Großen Belt und im Fehmarn-Belt stationierten Zollfahrzeugen; aber
da diese Beobachtungen nicht immer an derselben Stelle vorgenommen sind,
können sie für den vorliegenden Zweck nicht benutzt werden, Außerdem ist es
1) Hinsichtlich anderer systematischer Fehler des Präzisionsnivellements vgl. Den Danske
Graadmaaling Ny Raekke, Hefte Nr. 3, S. 84 u. 85,