544 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Oktober 1914,
hauptsächlich durch Geoidkräfte hervorgebracht; speziell sind es die hydrostatischen
Druckunterschiede, die von den Niveauverschiedenheiten der Oberfläche
herrühren, die hauptsächlich in Betracht kommen, während z, B. die
Dichteverteilung für die Frage nach den Oberflächenströmungen ganz zurücktritt.
Wären die Niveauunterschiede die einzigen Ursachen der Oberflächenströme,
so würde die Stromstärke S, die durch den Fall P zwischen zwei festen
Punkten hervorgerufen wird, ausgedrückt durch
8=g (P)
Die für die Abhängigkeit der Strömung von dem Niveaufall angegebenen
Formeln der technischen Handbücher, in denen die Stromstärke der zweiten bis
sechsten Wurzel des Niveaufalls proportional gesetzt wird, sind natürlich auf
den vorliegenden Fall nicht anwendbar, Mit Sicherheit weiß man nur, daß für
P=—0 auch S=0 wird, wenn die Geoidkräfte die alleinigen Ursachen der
Strömung sind. Unter dieser Voraussetzung kann Gl. VI in folgender Form geschrieben
werden:
HS=4G4+x— AH ee
wo die Funktion @®% bis jetzt als unbekannt anzusehen ist.
Eine graphische Darstellung der Abhängigkeit der Stromstärke S- von der
Differenz AG — AK in rechtwinkligen Koordinaten stützt zunächst die Annahme,
daß der Einfluß der Geoidkräfte auf die Niveauunterschiede von überwiegender
Bedeutung für die Strömungsverhältnisse im Oresund zu sein scheint, denn die
Figuren zeigen, daß der Strom ganz ausgeprägt mit dem Niveauunterschied
zwischen den beiden Außengrenzen des Sundes und in solcher Richtung variiert,
daß Ursache und Wirkung nicht miteinander vertauscht werden können,
Aus der graphischen Darstellung ergibt sich weiter, daß die im Öresund
im allgemeinen vorkommenden mittleren Stromstärken praktisch genommen dem
Niveauunterschied proportional sind.
Die Gleichung der geraden Linie, die die lineare Ausgleichung der Beobachtungen
darstellt, ist:
24.385= 20.6 — (AH —4G) . . „00040. (VEIT).
Hierin ist die Einheit des Stromes 1 Sm (Kvartmil) per Stunde (etwa
0.5 msec.—!). Eine derartige Gleichung nennt der Verfasser eine Wasserstandsstromgleichung.
Mit Berücksichtigung der Abweichungen bei den extremen Werten erhält
die Gleichung die Form
(528)?
AH — 46 =20.6 — 23.28 F . * © 5 m 2
Hier ist g die Beschleunigung der Schwere in cmsec—*. Das Vorzeichen +
gilt für eingehende, das Zeichen — für ausgehende Ströme.
Der Verfasser hat die Wasserstandsstromgleichung in der linearen Form
unter sehr verschiedenen Witterungsverhältnissen geprüft und eine sehr gute
Übereinstimmung mit den Beobachtungen gefunden. Abweichungen, die unter
abnormen Witterungsverhältnissen auftraten oder die durch die Gezeiten hervorgerufen
sind, haben für die Hauptaufgaben der Arbeit keine Bedeutung.
Sehr wesentlich ist dagegen der von dem Verfasser aufgestellte Begriff
der Transitreibung des Oberflächenwassers im Öresund. Er versteht darunter
die Arbeit, die unter den gegebenen Verhältnissen in Wärme umgesetzt wird,
wenn 1 Gramm Oberflächenwasser durch den Sund hindurchgeht. Diese Arbeit
wird in der Hauptsache von der Schwerkraft geleistet, die bei der Strömung auf
einer Weglänge P wirkt, wo P, wie oben der Fall (in Centimetern) der Wasserstandsfläche
gegen die Geoidfläche von Gjedser nach Hornbaek bedeutet. Die
für jedes Gramm Wasser verfügbare Arbeit ist also P= w (S) gem), und indem
man bei den im allgemeinen vorkommenden Strömungsgeschwindigkeiten von
der verhältnismäßig kleinen Energiemenge absehen kann, die als kinetische
'y Der Verfasser versteht unter Gramm ein Gewicht, nicht wie im absoluten Maßsystem, eine
Masse. rv. H.